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Sarrazin ist kein Fall für den Staatsanwalt. Stoppt die Jakobiner!

Wie unterschiedlich doch die Eindrücke sind, wenn man sich die im Web erhältlichen Quellen ansieht. Hier der Auszug aus dem Lettre-Gespräch, das den ganzen Wirbel über die neuesten Äußerungen des früheren Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin ausgelöst hat. Da beschreibt Sarrazin die tiefen Ursachen für die wirklichen und tiefgehenden Probleme Berlins. Das substanzlose Geschwätz von der Ost-West-Drehscheibe, während gleichzeitig Wien vormacht, wie man mit weit weniger Geschwätz die Drehscheibe macht. Die „Wolkenkuckucksheime“ der Planer nach 1989, als sie wahnwitzige Bauprojekte für angeblich zuziehende Massen zeichneten. Das Ausbluten der Stadt: Die Vernichtung der jüdischen Intellektuellenschicht, der Auszug der wirtschaftlichen Elite nach 1945 und 1961, die teuer subventionierten Werkbanktätigkeiten, für die nach der Wende niemand mehr Verwendung hatte, die Entzugserscheinungen der Stadt und ihres aufgeblähten öffentlichen Dienstes, als plötzlich Schluss war mit Berlin-Zulage und Steuersonderabschreibungen. Wort für Wort ist schlicht die Wahrheit.

Leider fehlt in dem Auszug das, was Sarrazin an irgendeiner Stelle des Gesprächs ebenfalls gesagt haben muss. So wird er mit der Aussage zitiert, 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung lehnten den deutschen Staat ab. Die Zahlen sind vermutlich aus der Luft gegriffen, ganz verkehrt ist die Aussage freilich nicht. Sein Befund, diese Gruppen kümmerten sich gelegentlich nicht besonders engagiert um die Ausbildung ihrer Kinder, bestreitet im Grunde niemand mehr ernsthaft. Dass Sarrazin die deutsche Unterschicht hier gleich einbezieht, dürfte ebenfalls eher lebensnah sein. Ziemlich daneben ist allerdings die vielfach zitierte rhetorische Ausfall über die  „vielen kleinen Kopftuchmädchen“.

Ein Fall für den Staatsanwalt sind auch die freilich nicht. Geschmacklosigkeit ist nicht strafbar. Wenn sich die SPD darüber empören und ihn ausschließen will – soll sie, darf sie. Wenn Sarrazins Chef darin ein disziplinarisches Problem sieht – soll er, darf er. Wenn Zeitungen, deutsche wie türkische, das kritisieren – sollen sie, dürfen sie. Wer sich darüber beleidigt fühlt – soll er, darf er. Das ist alles OK und kann passieren, wenn man in einem freien Land streitet. Aber die Strafverfolger geht das nichts an. Gesinnungsverbrechen existieren in unserem Land nicht. Es wäre schön, wenn das auch so bleibt.

Posted via email from | bitterlemmer |

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