Greenpiss statt Greenpeace: Sind Robben schützenswerter als Eskimos?

Es müssen bizarre Szenen sein, die sich vor den Küsten Kanadas und Grönlands abspielen. Da stoßen die Ureinwohner – Eskimos, Inuit – in kleinen Booten in See und gehen auf Robbenjagd, so, wie es auch ihre Väter und Vorväter getan haben. Pötzlich Motorenlärm, ein Hubschrauber nähert sich im Tiefflug, umkreist das Boot, vertreibt die Beute. Oder Schlauchboote rasen heran, angetrieben von PS-starken Außenbordern, die den Eskimos die Jagd unmöglich machen. Ein ungleicher Kampf.

Aktionen wie diese gehen auf das Konto von Greenpeace, berichtet Robert Peroni der FAZ. Peroni kam vor 20 Jahren zum ersten Mal als Abenteurer und Extremwanderer nach Grönland. Nach dem, was er erzählt, sind die Kampagnen in den Industrieländern mit Bildern blutiger Robbenbabys für die Ureinwohner des Nordens eine Katastrophe. Weil es dem Tierschutz-Ideal der Wohlstandsgesellschaften widerspricht, sollen sie auf Befehl von Greenpeace & Co. ihren Broterwerb einstellen. Ersatzlos. Peroni sagt, die Inuit würden Greenpeace nur Greenpiss nennen.

Dabei ist die Jagd der Eskimos legal und wird auch von der EU nicht bestritten. Die Ureinwohner haben das Recht, Robben zu töten, zu essen, an ihre Hunde zu verfüttern und die Felle zu verarbeiten und zu verkaufen. Greenpeace & Co. schert das nicht. Sie haben mit ihren Kampagnen Robbenprodukte als hochgradig unkorrekt gebrandmarkt und den Inuit damit einen Markt zerstört. Während die Kampagnen-Profis, großzügig ausgestattet mit Spenden-Millionen, flug-, schwimm- und filmähiges Großgerät in die Polarregion schaffen, plagen die Inuit existentielle Probleme. Die meisten seien ohne Arbeit und Einkommen, sagt Peroni, sie könnten dänische Sozialhilfe beziehen. Viele seien aber zu stolz, einen Antrag dafür zu stellen. In einer Region mit nur 3.500 Einwohnern seien zwei Selbstmorde pro Woche keine Seltenheit. Alkoholismus sei an der Tagesordnung.

Greenpeace sieht sich derweil – selten genug – unter Rechtfertigungsdruck und macht dabei eine denkbar schlechte Figur. Eine Demonstration der Ureinwohner im Hafen vor dem Greenpeace-Schiff „Arctic Sunrise“ will sie nicht bemerkt haben, sagte Expeditionsleiterin Iris Menn, die selber an der Polar-Sause teilnimmt. Das kann man glauben oder auch nicht.

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