Peter Maffay und Trent Reznor: So unterscheidet sich die alte von der neuen Musikwirtschaft

Vorab: Es geht nicht um Musikgeschmack. Wer Peter Maffay gerne hört, wird Nine Inch Nails hassen. Umgekehrt gilt dasselbe. Hier geht es stattdessen um die Frage, wie sich Musik heutzutage verkaufen lässt und welche Rolle das Internet dabei spielt – als Umsatzkiller oder als coole Erfolgsmaschine. Dass Peter Maffay wieder auf Tour geht, lässt sich gerade Anzeigen auf dem Titel der Bild-Zeitung entnehmen (Foto). Weiter ist da zu erfahren, dass Volkswagen die Tour sponsert und dass sich Maffay von einer Kombo namens „Philharmonic Volkswagen Orchestra“ begleiten lässt. Die Anzeige steht offensichtlich nicht zufällig auf dem Cover der Bild. Auch das Logo der Zeitung steht auf der Anzeige. Sie dürfte ebenfalls zu den Sponsoren gehören.

Anzeige für Maffay-Konzert auf Bild-Titel

Trent Reznor, dem Kopf der Gruppe Nine Inch Nails, ist so etwas ein Greuel. „Man muss den Versuchungen des schnellen Geldes widerstehen“, zitiert ihn das Magazin brandeins in der aktuellen Ausgabe. „Sonst wird man schnell zu einem Marketing-Accessoire, lässt sich Tourneen von Blackberry sponsern und hat ein Supermodel auf dem Schoß.“

Peter Maffay zieht nicht nur wieder auf Tour, er bringt am 29. Januar auch ein neues Album heraus. Dabei macht er alles so, wie man es immer gemacht hat. Er hat einen Vertrag mit einem der alten Major-Labels (Ariola). Auf seiner Webseite kündigt er gerade einen „Relaunch“ an. Drei Buttons führen zu drei Online-Händlern, bei denen man das neue Album schon bestellen kann – und besichtigen, wie angestaubt dieses Geschäft abläuft. Titel des Albums: „40 Jahre – alle Hits neu produziert!“. Auf der Trackliste finden sich „Und es war Sommer“ und „Über sieben Brücken“. Der Rest lässt sich denken. Wir werden Maffay in den nächsten Monaten auf allen, vor allem den gebührenfinanzierten, Fernsehkanälen sehen. Er wird seinen Auftritt bei Wetten dass haben. Bild wird ein großes Interview mit ihm bringen. Er wird sich vor VW- Logos ablichten lassen und überall die Rolle spielen, die ihm nach dieser Tour vermutlich nur noch ein paar Omas abnehmen werden: Die des Rockers.

Trent Reznor (Foto: Rob Sheridan)
Trent Reznor (Foto: Rob Sheridan/via Wikipedia)

Trent Reznor hat keine Plattenfirma – bzw. er gründete seine eigene. Mit der verkaufte er bisher 1,6 Milliarden Einheiten. Dabei wirkt es, als sei ihm der Verkauf egal. Das Album „The Slip“ stellte er komplett zum kostenlosen Download ins Netz. Dabei nutzt er die von den alten Plattenfirmen massiv bekämpften Filesharing-Netzwerke. „Ich will, dass so viele Leute wie möglich meine Musik hören“, lautet seine Devise. Von denen entscheiden sich offenbar genügend viele, am Ende freiwillig Geld auszugeben.

Von „The Slip“ ließ Reznor eine limitierte Auflage von 250.000 einzeln durchnummerierten Exemplare produzieren, die nach wenigen Wochen für zehn Dollar das Stück verkauft waren. Vom Album „Ghosts I-IV“ ließ er eine „Ultra-Deluxe“-Version in einer Mini-Auflage von 2500 Stück herstellen, die für 300 Dollar zu haben waren. Ghosts erzielte binnen einer Woche Erlöse von 1,6 Millionen Dollar, woran die Deluxe-Edition fast die Hälfte ausmachte. Hätte er stattdessen ein gewöhnliches Album zum Einheitspreis von 16 Dollar herausgebracht, hätte er davon 100.000 Stück in einer Woche verkaufen müssen.

Für seine letzten Bühnenshows ließ er riesige LED-Bildschirme installieren, die die Musiker per Touchscreen flimmern ließen. Das wirkte derart eindrucksvoll, dass Avatar-Regisseur James Cameron Interesse zeigt, ein Nine-Inch-Nails-Konzert in 3D abzufilmen. Das Album „Year Zero“ machte er mit einer Art Schnitzeljagd bekannt. Dafür ließ er CDs und USB-Sticks verteilen und verschickte E-Mails, in denen sich versteckte Hinweise auf Webseiten und geheime Events befanden.

„Alles, was zählt, ist die Qualität des Produkts“, sagte Reznor der brandeins. „Egal, ob es um ein neues Album, ein T-Shirt oder ein DVD Booklet geht – ich frage mich immer: Ist das cool? Und wie werden es meine Fans finden?“

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Bono von U2 hat sich jetzt an der Seite der Gestrigen zu Wort gemeldet. Filesharing verletze die Kreativen in Film und Musik. Wie es Bonos Art ist, wollte er damit natürlich nicht sagen, er und seine Band würden am Hungertuch nagen oder entgangenen Umsätzen nachtrauern. Er spreche nur für die vielen noch unentdeckten Talente.

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