Ein politischer Homöopath namens Karl Lauterbach

Es ist erst wenige Tage her, dass der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mit seiner Forderung für Schlagzeilen sorgte, die Krankenkassen sollten keine Homöopathie-Behandlungen mehr bezahlen. Natürlich ist diese Forderung völlig berechtigt, weil Homöopathie nachweislich keinerlei Wirkung hat. Wer sich so behandeln lassen will, sollte dafür selber bezahlen. Freilich hätte seine Forderung bestenfalls einen homöopathischen Nutzen für das kranke und viel zu teure Gesundheitssystem. Laut AOK macht diese Behandlungsmethode nur 0,6 Prozent an den Gesundheitskosten aus.

Der größte Kostenblock geht an die Kliniken, 55 Milliarden Euro. Dass Lauterbach darüber nicht so gerne spricht, liegt möglicherweise daran, dass er nicht nur der federführende SPD-Gesundheitspolitiker ist, sondern gleichzeitig auch im Aufsichtsrat der Rhön Klinikum AG sitzt, einem der größten Krankenhaus-Betreiber Deutschlands. Und als solcher ist es natürlich in seinem Interesse, dass immer mehr Deutsche von ihren Hausärzten ins Krankenhaus eingewiesen werden (2008: 182/1000 Versicherte; 2009: 186/1000 Versicherte). Oder dass psychische Krankheiten, voran Depression, immer häufiger stationär behandelt werden. Da darf man schon fragen, ob die Deutschen kollektiv immer kranker werden oder ob Lobbyisten wie Lauterbach dazu beitragen, dass der eigenen Klientel nicht die Kundschaft ausgeht.

Eine eindeutigere Interessenskollision als die, die Lauterbach mit seinen Jobs als Parlamentarier und als Klinik-Aufsichtsrat zusammenbringt, ist kaum vorstellbar. Der Politiker Lauterbach entwirft und beschließt die Gesetze, die regeln, mit welchen Einnahmen das von Aufsichtsrat Lauterbach mitgeführte Unternehmen rechnen darf.

In westlich-zivilisierten Ländern sollte so etwas ein Fall für den Staatsanwalt sein. In Deutschland ist das nur deshalb kein Fall für den Staatsanwalt, weil der Deutsche Bundestag sich bis heute ziert, die Bestechung Abgeordneter als Straftatbestand zuzulassen. Und so dürfen sie denn weiter so tun, als seien sie Volksvertreter, während sie in Wahrheit als bezahlte Lobbyisten das Volk zum Wohle ihrer Auftraggeber (und ihrem eigenen) zur Kasse bitten, die Herren Lauterbach & Co., die es ja selber in der Hand hätten, solche Interessenskonflikte zu unterbinden, weil sie es ja sind, die die Gesetze in unserem Land machen.

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