Was Entwicklungshilfe mit der außer Rand und Band geratenen Finanzbranche zu tun hat

Ein besonders spektakuläres Recherche-Resultat, das sich in der Film-Doku Let’s Make Money findet, betrifft die Herkunft der riesigen Geldsummen, die in Steuerparadiesen wie Jersey umgeschlagen werden. Es passt freilich nicht richtig in die politische Ausrichtung des Autors und seiner Lieblingsprotagonisten, etwa des hessischen SPD-Linken Hermann Scheer. Ein Insider der Finanzbranche verrät, dass der wesentliche Teil dieses in Stiftungen versteckten Geldes aus Afrika und Asien stammt und in alle möglichen Projekte investiert werde, etwa in die völlig aufgeblasene Immobilienwirtschaft in Spanien. Zu Hause, wo die Menschen in Armut vegetieren, fehle das Geld. Bedauerlicherweise hat Filmemacher Erwin Wagenhofer genau diese Passage nicht in den Trailer geschnitten, den er auf seiner Webseite zeigt, sie findet sich nur in der Langfassung.

Sie  passt zur Analyse der vielfach ausgezeichneten sambischen Ökonomin Dambisa Moyo. In Ihrem Buch „Dead Aid“ beschreibt sie genau denselben Mechanismus – dass nämlich korrupte Herrscherclans ihre Länder bestehlen und das Geld auf Nummernkonten oder in anonymen Stiftungen verstecken. Anders als Filmemacher Wagenhofer hört Dambisa Moyo aber nicht mit dieser Erkenntnis auf, sondern fängt hier erst richtig an. Sie benennt die Verantwortlichen und die wirkliche Herkunft dieser Gelder. Es handelt sich um die Milliarden, die Deutschland und alle anderen westlichen Länder jedes Jahr als Entwicklungshilfe auszahlen.

Immerhin nennt der Wagenbach-Film die Summe, die auf diese Weise bisher zusammenkam, nämlich wenigstens 111 Milliarden Dollar. Dieses Geld sei Spielgeld und Kapital, um sich anderswo schnell Profite zu sichern, heißt es vermutlich zutreffend weiter. Neben Immobilien in Spanien, die dort die Küsten verschandeln, gehören dazu auch Geschäfte wie Drogen oder Menschenhandel.

Wagenbachs Film ist in linken und antikapitalistischen Kreisen enorm populär, was wohl hauptsächlich daran liegt, dass er die Verantwortlichkeit den üblichen globalisierten und großkapitalistischen Kreisen zuschreibt. Dem einfältigen linken Publikum genügt das ja schon, es will nichts anderes hören als das böse Privatkapitalisten die Welt zerstören. Dass es Staaten sind, geführt von gewählten Politikern, dass es gerade linke Politiker sind, die von der Entwicklungshilfe nicht lassen wollen, beschreibt Wagenbach nicht. Die Lobby, die die von ihm angeprangerte Geldmaschine am Laufen hält, kommt nicht vor.

Sie besteht in Deutschland aus:

  • Der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit
  • Dutzenden Organisationen wie Brot für die Welt oder Miserior, die mit staatlicher Hilfe und Spenden Geld in Entwicklungsländer verfrachten
  • Tausenden haupt- und nebenberuflichen Mitarbeitern, die sich ständig neue Projekte einfallen lassen, die vor allem einem Zweck dienen: Selber nicht unentbehrlich zu werden
  • Einer Kultur- und Musik-Lobby, die in den Geberländern für die richtige Stimmung sorgt, also Leute wie Bono, Bob Geldof oder Herbert Grönemeyer

Moyo schildert diese Szene und diese Zusammenhänge in ihrem Buch sehr präzise. Vielleicht ist das der Grund, dass es bis heute keinen deutschen Verleger gefunden hat. Ganz offensichtlich ist es die Ursache dafür, dass sie, wie sie in der Zürcher Weltwoche beklagte, „viele Freunde aus der NGO-Szene verloren“ hat. Sie zitiert eine UNO-Studie, nach der 85 Prozent der Entwicklungshilfe-Gelder für andere als die vorgesehenen Zwecke verwendet werden. Sogar viele afrikanische Staatschefs seien einfach nur noch genervt über die ausländischen NGO-Leute, die sich in Dinge einmischen, die sie nichts angehen. Und trotzdem überweisen Deutschland und die anderen westlichen Länder immer weiter Milliardenbeträge, die nicht nur niemandem nützen, sondern die nur Schaden anrichten.

Und das eben nicht mehr nur irgendwo in Afrika, sondern inzwischen dank der Geldströme über die Steuerparadise, auch hierzulande. Die Immobilienblasen, die schuldenfinanzierten Staatshaushalte auch hierzulande, sind die Konsequenz daraus. Es ist ja dieselbe Finanzbranche, die die Geldverstecke in Jersey und anderswo anbietet, die die europäischen und alle anderen Schuldenstaaten mit Darlehen versorgt. Mit Kapital der Steuerzahler, ausgezahlt als angebliche Entwicklungshilfe, unterschlagen von korrupten Clans, dann versenkt in Stiftungen auf Jersey und anderswo, von dort zum Finanzplatz London getragen und eingespeist in diesen Kreislauf, der einen ökonomisch sinnlosen Schattenmarkt speist, nicht nur zum Schaden der afrikanischen Länder, sondern immer mehr auch zu unserem eigenen.

In Deutschland führt seit einem Jahr ein Mann dieses düstere Business an, der all das genau weiß, deshalb jahrelang für die Abschaffung der Entwicklungshilfe eintrat und dem dann das Hemd näher war als die Hose: Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel von der FDP, inzwischen Mitglied der Einheitsfraktion, die rhetorisch auf die Kapitalisten einschlägt, das Heil in staatlicher Kontrolle der Finanzmärkte sucht und ignoriert, dass der Staat mit seiner Mischung aus Weihnachtsmannpolitik für kriminelle Staatsführer und Schuldenmacherei selber die Ursachen für das Problem gelegt hat.

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