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Das wöchentliche Duell um die öffentliche Meinung im Fall Kachelmann

[tweetmeme]Wochenende für Wochenende konkurrieren Spiegel und Focus um die beste Kachelmann-Story. Diese Woche hat der Focus die Nase vorn. In der gedruckten Ausgabe breitet er praktisch die komplette Ermittlungsakte aus. Ausführlich werden die Einschätzungen der rechtsmedizinischen Gutachter beschrieben. Das Sahnestück ist freilich das Tagebuch der Frau, die den Wettermann der Vergewaltigung bezichtigt.

Begonnen hatte das Rennen der Spiegel. Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen hatte irgendwie – von Kachelmanns Anwälten? – das Gutachten der Psychologin Luise Greuel bekommen. Darin finden sich massive Zweifel an der Aussage von Kachelmanns Ex-Freundin.

Das Wochenende darauf schlug der Focus – dank vertraulicher Infos aus der Staatsanwaltschaft? – zurück und brachte den Teil des Greuel-Gutachtens, den der Spiegel unterschlagen hatte. Demnach könnte die Anklage der Frau vielleicht doch stimmen.

Es verging dann keine Woche ohne neue oder vermeintlich neue Enthüllungen. Klar wurde vor allem dies: Es gibt eine Prozesspartei, die Kachelmann gern gut und seine Ex-Freundin schlecht aussehen lassen möchte, und es gibt eine andere Prozesspartei, die Kachelmann gern an den Karren fahren möchte. Es ist nicht schwer, darauf zu kommen, dass es sich bei der einen Seite um Kachelmann und seine Anwälte handeln dürfte und bei der anderen Seite um die Staatsanwaltschaft Mannheim, die – ebenso, wie das Mannheimer Landgericht – schon einige Prügel in dem Fall einzustecken hatte. Die Ex-Freundin von Kachelmann gehört natürlich auch auf diese Seite.

Der Fall ist damit ein vielfaches Duell geworden: Kachelmann gegen seine Ex. Staatsanwalt gegen Rechtsanwalt. Landgericht Mannheim gegen OLG Karlsruhe. Gutachter der Anklage gegen Gutachter der Verteidigung. Spiegel gegen Focus. Es sind inzwischen zwei Armeen, die sich gegenseitig öffentlich beschießen.

Wer am Ende gewinnt, ist zwar noch offen, aber seit heute würde ich jedenfalls einen tendenziellen Tip wagen. Er findet sich in der Tagebuch-Datei der Ex-Freundin Kachelmanns, die sie unter dem Dateinamen “warum.doc” auf ihrem Laptop speicherte.

Der Eintrag für den 8.2.2010 enthält demnach folgendes: Kachelmann habe, nachdem er seine Untreue beichtete, “nur dagesessen” und sie angestarrt. “Plötzlich” habe sich sein Blick verändert, von “schockiert und irritiert” auf “böse und hasserfüllt”. Der Focus zitiert in indirekter Rede: “Er sei in die Küche gegangen, sie hinter ihm her. Er habe ein Messer genommen, das neben der Spüle lag”. Dann folgt der Satz: “Alles sei so schnell gegangen”. Schon habe er sie gepackt, den Kopf nach hinten gezerrt, das Messer an den Hals gedrückt, sie mit dem Tode bedroht, ins Schlafzimmer gedrängt, aufs Bett geworfen. Dann sei er sofort “über ihr gewesen”, Messer immer noch am Hals, noch einmal drohend, und habe sie dann vergewaltigt.

Nachdem ich das las, nachdem ich zudem noch einmal im Detail nachlesen konnte, dass die beiden Rechtsmediziner Markus Rothschild (Köln) und Bernd Brinkmann (Münster) arge Zweifel haben, dass die Verletzungen, die die Frau hatte, auf die von ihr geschilderte Weise zustande kamen, seitdem neige ich dazu, Kachelmann für unschuldig zu halten. Rothschild und Brinkmann haben beide einen untadeligen Ruf und gehören zu den besten Rechtsmedizinern Deutschlands. Und die Geschichte vom plötzlichen bösen Blick klingt mir allzusehr nach Groschenroman.

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