Jetzt gehört auch Wulff zu Bonos aufdringlicher Afrika-Truppe

Wulff und Bono am Rande des U2-Konzerts in Hannover. Foto von Bonos Webseite one.org
Wulff und Bono am Rande des U2-Konzerts in Hannover. Foto von Bonos Webseite one.org

Beim U2-Konzert in Hannover trafen sich Sänger Bono und der neue Bundespräsident Christian Wulff zu einem trauten Gespräch. Einige Zeitungen schrieben, Wulff zeige damit, dass auch er sich für Afrika interessiert. Bono setzt sich bekanntlich seit Jahren für mehr Entwicklungshilfe und Schuldenerlass für Entwicklungsländer in Afrika ein und unterstützt zahlreiche Projekte. Das ist gut gemeint, aber nach Ansicht von Leuten, die von Wirtschaft und Entwicklung so viel verstehen wie Bono vom Singen, nicht besonders gut gemacht.

Zu diesen Experten zählt etwa die sambische Ökonomin Dambisa Moyo. Sie hält Entwicklungshilfe ausnahmslos für schädlich. Sie führe dazu, dass die beschenkten Länder keinen ordentlichen Haushalt aufstellen und korrupte Eliten sich das Geld in die privaten Taschen stecken. Diesen Befund beobachtete auch der Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer und beschreibt ihn kurz in seinem Film Let’s Make Money: Ein wesentlicher Teil des Geldes, das in Steuerparadiesen wie Jersey in Stiftungen anonymisiert wird, stamme aus Afrika und mithin von den Empfängern von Entwicklungshilfe. Wirtschaftlich erfolgreiche afrikanische Staatschefs wie Paul Kagame in Ruanda oder Ian Khama in Botswana sind von Leuten wie Bono und den von ihm unterstützten NGOs zunehmend genervt. Kagame verzichtet inzwischen vollständig auf Entwicklungshilfe. Botswana nimmt schon lange kein Geld mehr aus dem Westen. Beide Länder verzeichnen rasantes Wachstum. Hier hungert niemand, es gibt so etwas wie eine Mittelschicht und allgemeinen Wohlstand. Nicht verschwiegen sei, dass Kagame auch eine despotische Seite hat und Gegner seiner Regierung auffallend häufig sterben oder verschwinden.

Das ist allerdings in den Armenhäusern des Kontinents von Uganda bis Mosambik nicht anders. Dort freilich treiben sich Scharen europäischer Reisender herum, die im Auftrag von Spendenorganisationen westliche Geldbündel verteilen, natürlich nur dann, wenn die Eingeborenen akzeptieren, dass die Ausländer besser wissen, was gut für sie ist. Diese Art von Politik propagiert Bono, dessen einzige Qualifikation offenbar darin besteht, das Gute zu wollen.

Neben Gemeinplätzen wie der Forderung, dass Regierungen über Gelder Rechenschaft abzulegen haben, finden sich Sätze wie dieser auf seiner Seite: „Zur Erhöhung der Wirksamkeit sowie zur besseren Koordination mit den landeseigenen Entwicklungsstrategien muss die Verwaltung der Entwicklungsmittel und der landeseigenen Steuermittel unter Rückgriff auf dieselben Systeme des öffentlichen Finanz- und Ausgabenmanagements des jeweiligen Partnerlandes erfolgen. Zudem sollten sowohl Geber als auch Empfänger an der Verbesserung diese Systeme arbeiten.“

Dass Bono von Staatsmännern inzwischen als Ratgeber akzeptiert wird, hat – hoffentlich – nichts mit der Vermittlung von Erkenntnissen zur Sache zu tun. Es handelt sich wohl eher um pure Show. Das Foto von Wulff und Bono nützt beiden: Wulff umgibt sich mit Rockstar-Aura, Bono mit Staatsmann-Seriosität. Aber verlogen ist es allemal. Was würden wir davon halten, wenn Wulff Bono erklärte, wie er singen und sich auf der Bühne bewegen sollte? Ihm vielleicht ein selbstgeschriebenes Lied seiner Tochter in die Hand drückte, verbunden mit dem dringenden Hinweis, das sei doch sicher ein großer Hit? Und was ist eigentlich davon zu halten, dass Wulffs erstes öffentliches Afrika-Signal ausgerechnet in der Begegnung mit Bono besteht? Moyo wäre bedeutend besser gewesen, nur eben nicht so PR-potent.

Übrigens glaube ich, dass sich Gauck dieses Foto verkniffen hätte.

  1. Sehr geehrter Herr Lemmer,
    Herr Gauck wäre vermutlich nicht zu einem U2 Konzet gegangen.
    Aber er hätte Berater gehabt die ihm aus PR-Gründen geraten hätten Bono zu empfangen.
    Sie beschreiben das Problem sehr sachkundig. Ich finde es auch traurig, dass Bono, Geldof als Berater von Staatsmännern akzeptiert werden. Dabei helfen sie nur der Entwicklungshilfeindustrie und den korrupten alten Männern in Afrika an der Macht zu bleiben. Aber es darf uns nicht gleichgültig sein, dass diese Herren (es gibt nur eine Staatschefin in Liberia, die ihre Sache bislang ganz gut macht)
    weiterhin ihre Länder ruinieren. Tausende von jungen Afrikanern machen sich auf den Weg zu uns . Für die Regierungen ist die Flucht kein Alarmzeichen, sondern willkommen , da Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit nach Europa exportiert werden können. Leute wie Bono fragen sich auch nicht weshalb es kaum junge Flüchtlinge aus Ruanda oder Botswana gibt.
    Übrigens wem das alles egal ist, sollte sich wenigstens für die über 6 Milliarden Steuergelder die jedes Jahr in die Entwicklungshilfe fliessen interessieren.Die Bundesregierung (und vermutlich künftig auch BuPräs. Herr Wulff) wird nicht müde zu beteuern, dass sie noch mehr ausgeben will, womit sie angesichts der Haushaltslage nichts anderes erklärt, als neue Schulden machen zu wollen, um dieses Geld an Entwicklungsländer zu verschenken.
    Volker Seitz, Autor des Buches „Afrika wird armregiert“ April 2010

  2. bitterlemmer

    Hallo Herr Seitz, Ihr Buchtitel klingt interessant. Werde ich mir besorgen.

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  4. Hallo Herr Lemmer,
    bei Amazon finden Sie Pressekritiken und Leserkommentare.Nach der Lektüre wäre ich sehr an Ihrer Kritik interessiert.
    Herzliche Grüße aus Bonn
    Volker Seitz

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