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Polizeigewerkschaft will Google-Streetview für virtuelle Streifenfahrten nutzen

Realsatire-Debatte um Google Streetview, nächste Folge, die das Unmögliche möglich macht, nämlich das bisher schon unterirdische Niveau weiter zu unterbieten. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, wiederholt in der FAS mit Sorgenfalten einen Einwand, als habe es die bisherige Debatte nicht gegeben: „Durch den neuen Internetdienst können Kriminelle die Objekte in aller Seelenruhe betrachten. Sie können sehen: Wie ist das Haus gesichert?“.

Man könnte sich jetzt fragen, ob Wendt pure Polemik betreibt oder ob er wirklich glaubt, Streetview liefere Echtzeit-Bilder. Ein Krimineller, der seine Raubzüge mit Hilfe von Streetview ausbaldowert, ginge ja das Risiko ein, dass eine von ihm entdeckte Alarmanlage womöglich durch eine neue ausgetauscht sein könnte, denn er weiß ja nicht, wie alt das Straßenfoto ist, das er da gerade sieht. Es könnte durchaus zwei Jahre auf dem Buckel haben. Er würde ziemlich bedröppelt gucken, würde er geschnappt, weil er zu dusselig war, die Zuverlässigkeit seiner Informationsquelle zu überprüfen.

Der nächste Satz schafft dann fatale Klarheit über den Kenntnisstand des Polizeigewerkschafters. Er hege Zweifel, ob die Polizei Google Streetview für ihre Zwecke nutzen könne, schreibt die FAS und zitiert Wendt so: „Es ist rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist.“ Dieser Satz toppt alles. Denn es sind zunächst technische und nicht rechtliche Gründe, die eine virtuelle Streifenfahrt unmöglich machen. Die würde, wie gesagt, durch eine Straßenlandschaft führen, von der niemand wissen kann, wie alt sie ist. Polizeigewerkschafter Wendt scheint tatsächlich zu glauben, irgendwie, vielleicht via Satellit, fange Google seine Bilder live und bewegt ein, könne womöglich sogar durch Wolken oder um die Ecke gucken. Wendt scheint überdies, das zeigt seine Äußerung auch, zu wünschen, dass die Polizei über einen solchen Dienst verfügt, was aus anderen Gründen völlig inakzeptabel ist. Hier empfehle ich den Klassiker 1984 von George Orwell.

Abseits der Lustigkeit über so viel Ignoranz stellt sich diese eher ernste Frage: Ist es nur die Polizeigewerkschaft, die derartigen Unsinn glaubt und wünscht, oder reicht derartige Unfähigkeit auch in die Führungsetagen der Kripo?

  1. Irgendwie muss das doch schon weh tun, oder?

  2. Pingback: till we *) . Blog » Kurz: Fakten über Google Street View, #1

  3. Es soll Menschen geben die haben schon geglaubt sie wüssten was ihr Nachbar gerade macht, weil er in Google Earth auf seiner Dachterasse steht. Komisch nur dass es da gar nicht regnete obwohl es aus dem Fenster schauend aussah als ginge die Welt unter :)

  4. Labarababa

    Polemisch drauf bitterlemmer? Wer meint denn Echtzeit-Streifzüge? Wer meint denn das Einbracher geschnappt werden, bloß weil sie 2 Jahre alte Informationen nutzen? Vor- und Nachteile sachlich zu diskutieren geht anderes. Hier scheint lediglich jemand Freude daran zu haben, vermeintlich Menschen gefunden zu haben die dümmer sind als man selbst. Vermeintlich.

  5. Gustav

    Hahaaaa! Dümmer als die Polizei erlaubt, der Kommissar da :D

  6. George

    @ Labarababa
    Dem kann ich nur beipflichten. Diese Polemik ist wenig zielführend. Niemand sagte etwas von Echtzeit-Überwachung.

  7. Naja es spricht für die desinformierende Presselandschaft im Sommerloch. Wenn der gute Mann sich nur auf die Informationen aus den polemischen Leistungsschutzerzeugnissen verlässt ist er halt aufgeschmissen.
    Ausserdem denk ich das es ein running gag unter den Journalisten ist, die sich überbieten wollen in der Darstellung vermeintlich verblödeter Interviewpartner und die Leute dahingehend auch schön im Regen stehen lassen.
    Und ganz davon abgesehen – ich musste wirklich lachen, danke für die Info :)

  8. @George – es ist egal ob das jemand sagte, der Gewerkschafter vermutet es, weil er denkt er wüsste es weil alle Offliner / Zeitungen so darüber sprechen und denken. Das ist nicht der erste der sich hier ins Fettnäpfchen setzt und über Dinge redet von denen er keine Ahnung hat.

    (Beispiel http://www.rp-online.de/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/Buergerprotest-gegen-Google_aid_892897.html oder Titelseite der BILD vom Samstag)

  9. Stimmt, wie gut daß es so Leute gibt. Durch solchen Unsinn wird das ganze erträglicher. Wie eine kleine Kabarett Einlage. Sonst wär man ja nur noch am verzweifeln. ;)

  10. Pingback: Google Street View - Segen oder Fluch?

  11. marius

    @Labarababa und @George

    Was für ein Interesse sollte ein Polizist daran haben, eine Streifenfahrt nicht in „Echtzeit“ zu machen? Wenn die Street View Bilder ja eben nicht in Echtzeit angezeigt werden und das Aufnahmedatum auch unbekannt ist – was wollen die Polizisten dann auf den Bildern entdecken? Und wenn hohe Funktionäre einer Polizeigewerkschaft solchen Unsinn verbreiten (vorausgesetzt die FAS zitiert korrekt) dann kann man das schon mal mit etwas Polemik aufgreifen.

    Das Niveau der ganzen Street View-Debatte ist einfach nur furchtbar und zeichnet ein Bild von einer technik- und innovationsfeindlichen Kultur die einen wirklich verheißungsvollen Ausgangspunkt für die Zukunft hier in Deutschland darstellt.

  12. “Durch den neuen Internetdienst können Kriminelle die Objekte in aller Seelenruhe betrachten. Sie können sehen: Wie ist das Haus gesichert?” – klar können sie das.

    “Es ist rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist.” bezieht sich wohl eher darauf den Gedankengang möglicher Straftäter nachzuvollziehen oder Auffälligkeiten schon vorher zu erkennen.

    also mit so viel Verdreherei kann ich über JEDEN ne angebliche „Satire“ schreiben …

  13. Hahaha! Hahahaha!!

  14. Ebenso viel Polemik sollte man unterstellen, wenn du einen Sprecher der Polizeigewerkschaft mit allen Mitgliedern der Polizeigewerkschaft gleichstellst.

    Die gefundene Aussage ist schon ein Hammer, dennoch gibt es sicherlich auch wissende KollegInnen, die dürfen allerdings selten etwas sagen.

    • bitterlemmer

      Naja, der Chef spricht halt für den Laden, dafür ist er gewählt worden. Aber ich würde nie pauschal behaupten, dass alle Polizisten dumm wären. Schon deshalb nicht, weil ich einige ziemlich schlaue kenne (die wohl auch gerade den Kopf über ihren Obermufti schütteln).

  15. Ich find Street View gut. Wenn ich aus dem Fenster genau in die Linse gucke, kann ich sogar sehen, wer mich ausspioniert! Geil!

  16. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, soll weiterhin gefordert haben, auf virtuellen Zivilstreifengängen verpixelte Polizeibeamte einsetzen zu wollen.

  17. scherii

    Dazu passt das Beispiel aus der Politik, wie die netten (älteren) Herren mit dem brisanten Thema umgehen, bei dem gemeinhin von „Killerspielen“ gesprochen wird.
    Leider sind die da teils sogar ignoranter. Da passt Mario Barths Spruch mal wie eine Faust aufs Auge:
    „wenn man keene Ahnung hat, einfach ma‘ Fresse halten“.
    Hätte das Herr Wendt doch nur vorher zu Kenntnis genommen..

  18. Pingback: Und täglich grüßt das Sommerloch – wider die Street View Hysterie | sozlog

  19. Man sollte die Deutsche Polizei Gewerkschaft nicht zu ernst nehmen. Sie ist viel kleiner und Radikaler als die Gewerkschaft der Polizei.

  20. Wummsdich

    @Simon: Ist das wie Judäische Volksfront und Volksfront von Judäa? ;-)

  21. Wummsdich: … durch die Tür links (nicht verpixelt) die Treppe rauf. Jeder nur ein Kreuz,

    scnr

  22. Pingback: » Google Street View - eine Übersicht ART FOR EYE

  23. Typisch GdP, Aufmerksamkeits Defizit Syndrom. Am ersten Mai nächstes Jahr werden sie auch wieder 500 tote Polizisten erwarten, wartet es ab.

  24. _Flin_

    Da hat der Herr Wendt aber den Datenschutz nicht bedacht. Denn das geht ja gar nicht mit den virtuellen Streifenfahrten. Mal davon abgesehen, dass ja die Einbrecher dann immer genau sehen können, wo gerade ein Polizeiauto ist. Außer man würde die Streifenwagen bei den virtuellen Streifenfahrten tarnen. Zum Beispiel als Katze. ;-)

  25. Guter Beitrag. Dabei sollten auch Beamte die Vorteile im Blick im behalten.

    http://streetwear-optimization.com

  26. Sylvia

    Ich habe das gleiche gedacht wie du, als ich das in der FAS gelesen habe. Ich hatte dabei nur noch mehr Bauchweh, weil ich quasi vom Fach bin ;) und weiß, dass es gerade bei der (oft beratungsresistenten) hohen Polizeiführung eine große Unwissenheit bzgl. Netz-Themen gibt.

    Allerdings kam dieses Aussage (wie immer) von einem Gewerkschaftler und ich hasse es, dass es in der Presse dargestellt und auch so wahrgenommen wird, dass hier jemand für „die Polizei“ spricht.

    @wummsdich leider ist das nicht ganz so lustig wie bei Monty Python ;) aber vom Prinzip her stimmt das!

    • bitterlemmer

      Das war mir klar, und ich hoffe, dass meine Abschlussfrage auch deutlich gemacht hat, dass die Äußerung eben von einem Gewerkschafter stammt.

  27. „oder reicht derartige Unfähigkeit auch in die Führungsetagen der Kripo? “

    Ja. Ich arbeite in dem Laden. Ein uneingeschränktes, herzhaftes und zutiefst überzeugtes: „JA“. Wer schon mal gesehen hat, wie ein Kriminaloberrat nach dem Tanken die Zapfpistole steckenließ und dann die Säule umriß, kann das bestimmt unterschreiben. JA.

  28. Das mit der digitalen Streife zeigt m.M.n. schon deutlich, dass sie nicht verstanden haben, worum es bei Street View geht.

    Das mit den Einbrechern ist aber eine ganz andere Geschichte. Natürlich kann man keine Details wie Türschlossmarken erkennen, aber nützlich sind die Infos trotzdem. Professionelle Einbrecherbanden steigen nicht nur bei einem ins Haus, sondern nehmen ganze Nachbarschaften durch, eben weil es sich einfach lohnt, die Sicherheitslage eines Viertels im Gesamten zu analysieren und dann gezielt zuzuschlagen. Street View kann hier schon sehr hilfreich sein. Es wird nicht darüber entscheiden, durch welches Fenster der Einbrecher in ein Haus einsteigt, hilft ihm aber seine Trefferchancen zu erhöhen.

    Und auf gewisse Weise hat dann auch dieser Artikel tatsächlich etwas damit zu tun: Er zeigt leider, um wieviel die kriminellen den polizeilichen Führungskräften in Sachen Nezunutzung voraus sind.

  29. VonFernSeher

    „Netznutzung“ sollte das heißen.

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