Politische Parallelwelten – Teil 9: Ein Insider packt aus

Der Mann nennt die Dinge beim Namen. Anders ausgedrückt: Er sagt, was Sache ist. Noch anders ausgedrückt: Er steht auf dem Boden der Tatsachen. Oder noch anders ausgedrückt: Er redet Klartext, und zwar in deutscher Sprache. Die Rede ist natürlich von Thilo Sarrazin, der der BamS ein großartiges Interview gegeben hat. Was er darin zum Besten gibt, wird den Hass der politischen Klasse auf ihn weiter schüren. Die tut ja tagtäglich und hauptamtlich das Gegenteil. Sie manipuliert, damit niemand mitbekommt, was Sache ist. Sie schwebt im Wolkenkuckucksheim. Sie redet wortreiches Blabla. Sie hört sich nur deutsch an, spricht in Wahrheit aber eine andere Sprache.

Wofür nur ein einziges Beispiel genannt sei. Die politische Klasse (alle eingeschlossen: Merkel, Schäuble, Gabriel, Gysi, Greenpeace, Sozialverbände, Gewerkschaften, Unternehmerverbände – einfach alle!) spricht ständig vom Sparen und meint mit Sparen etwas ganz anderes als der normale deutsche Muttersprachler. Die politische Klasse redet von Sparen, wenn Sie 2010 mit 319,5 Milliarden Euro so viel Geld ausgibt wie nie zuvor in der deutschen Geschichte. Sie nennt es Sparen, wenn sie dafür neue Nettoschulden in Höhe von 80,2 Milliarden Euro aufnimmt. Ich nenne es Verarschung, wenn unsere Politiker so etwas Sparen nennen. Sparen ist, wenn man Geld übrig behält und auf die Seite legt. Sparen ist nicht, wenn man seinen Urlaub mit einem Kredit bezahlt. Das ist vielmehr einfach dämlich. Auch, wenn die Politiker nächstes Jahr etwas weniger Geld auf den Kopf hauen wollen (nach jetzigem Stand, aber der kann sich natürlich noch ändern), wird es wieder nicht zum Sparen reichen, weil auch nächstes Jahr wieder neue Schulden gemacht werden. Die Webseite des Bundesfinanzministeriums, die diese einfachen Wahrheiten wortreich verdreht und verbiegt, ist eine Unverschämtheit.

Zurück zu Sarrazin. Im BamS-Interview schleicht er sich an überraschender Stelle an die staatliche Verschwendungssucht heran. Eigentlich geht es um die Zuwanderung. Der Interviewer will wissen, was Sarrazin von einer Veranstaltung hält, die unsere Politiker (und die meisten Journalistenkollegen) Integrationsgipfel nennen. Sarrazins Antwort ist ein Knaller. Hier packt endlich mal einer aus, der den Laden von innen kennt. Er sagt:

„Als langjähriger Politiker und Staatsbeamter war ich in 35 Jahren an Tausenden überflüssigen Veranstaltungen beteiligt. Ich habe dann oft ausgerechnet, was das wohl kostet. Aber dann habe ich mir gesagt: Solange wir hier sitzen, können wir keinen anderen Unfug anstellen.“

Der Rest ist ebenso lesenswert. Dafür lohnt sich der Weg zum Kiosk.

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  2. Ja, auch ich bewundere Menschen, die 35 Jahre an Tausenden überflüssigen Veranstaltungen teilnehmen und erst zum geschickten Ausstieg ins Rentenglück ordentlich auf die Kacke hauen und so tun, als wäre das alles ein Versehen gewesen. (…)

    Wann hat der Mann eigentlich zuletzt gelächelt?-> http://bit.ly/911UR9. In meinen Augen nämlich die unmissverständlichste Art, auch gefährlichen Kopftuchmädchen mutig entgegenzutreten. (Thilo ist ein alter Grantler, wie man hier bei uns sagen würde)

    Deswegen freu ich mich umso mehr, wenn du uns mehr der verdrehten/entfremdeten Begrifflichkeiten aus dem Wolkenkuckucksheim erzählst. Denn auch ich habe ganz nach dem Vorbild unserer führenden Köpfe schon die seltsamsten Formen des „Sparens“ übernommen. Ganz nach dem Motto „Warum denn nicht, die tuns doch auch.“

    • bitterlemmer

      Naja, er war als Senator auch schon der einzige, der noch als Amtsträger immer wieder Klartext geredet hat. Der Vorwurf, er hätte stillschweigend seine Karriere durchgezogen, passt je gerade bei ihm nicht so richtig. Und für seinen Gesichtsausdruck kann er nichts. Ist die Folge eines Schlaganfalls.

  3. Naja, dass er als Finanzsenator quasi im Alleingang für die Fast-Pleite Berlins zuständig gewesen ist, bleibt da dann doch ein wenig außen vor, wa?

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