Wenn das Dummen-Medium Fernsehen die Verdummung von Kindern im Fernsehen anprangert

Es tut nicht gut, ständig vor der Glotze abzuhängen

Typische öffentlich-rechtliche Schizophrenie: Einerseits betreiben sie den KiKa, der unter irreführenden Etiketten Eltern das gute Gefühl vermittelt, ihrem Nachwuchs mit niveauvollen Sendungen etwas Gutes zu tun. Andererseits betreiben sie das Bildungsprogramm arte für den Staatstragenden, der sich für intellektuell hält. Für den senden sie heute Abend um 21.45 Uhr die möglicherweise sehenswerte Doku „Fernsehen aus dem Fläschchen“. Die beschäftigt sich mit den Folgen spezialisierter Fernsehsender für Kleinkinder in den USA (über den KiKa reden sie da nicht. Natürlich nicht.)

Dass Fernsehen Kleinkindern schadet, ist seit langem bekannt. Die Übermittlung von Geschehnissen mit bewegten Bildern, nur mit sparsamen Dialogen garniert, blockiert die sprachliche Entwicklung. Kindern lernen nicht, Beobachtungen in Worte zu fassen. Stattdessen werden sie an Bilderkonsum gewöhnt. Der abstrakte Denkprozess, der Worte für das Nacherzählen von Bildern finden lässt, verkümmert, bevor er gelernt wurde. Fernsehen verdummt Kinder. Es spielt dabei keine Rolle, welche Programme laufen. Es ist das Medium an sich. Wer es nicht glaubt: Fragt doch mal ein Kind, was es gerade auf der Mattscheibe gesehen hat. Sehr unwahrscheinlich, dass das Kind das in geraden Sätzen erzählen kann.

Insofern ist es verdienstvoll, wenn arte die wirklich perversen TV-Formate BabyTV und BabyFirst aufs Korn nimmt, die, ausgehend von den USA, inzwischen in 65 Ländern laufen. Aber zu verschweigen, dass die hauseigene ARD schon lange dasselbe mit dem KiKa tut, ist verwegen. Unsere Staatsmedien schaffen es, jede kranke Manipulationsidee, die irgendwo auf der Welt geboren wird, noch zu steigern. Sie skandalisieren, was andere so treiben und treiben dasselbe, nur umkränzt von Pathos und Pseudomoral. Zur Verdummung der Kinder gesellt sich zusätzlich Verlogenheit.

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