Jasmin-Weltrevolution: Schadenfreude über das Ende der Tyrannen

Wären nicht die Hunderten Toten, ermordet vom Mörderregime Gaddafi, wäre jetzt Anlass für ungetrübte Schadenfreude. So ist die Freude getrübt, aber doch vorhanden. Erinnert sich noch jemand, wie Gaddafi senior vor ein paar Monaten drohte, die Schweiz zu überfallen und zu zerschlagen? Was für ein historischer Moment, zu sehen, dass dieser Schwerverbrecher jetzt seine Strafe für 40 Jahre Gewaltherrschaft kassiert. Sage noch einmal jemand, die Welt sei nicht gerecht.

Oder die bulgarischen Krankenschwestern, die als Sündenböcke für eine schlampige Klinikführung herhalten und von Gaddafis Kerkermeistern übelst gefoltert und misshandelt wurden. Wie mögen die sich fühlen, wenn sie jetzt sehen, dass ihre Quäler mitsamt der Schreibtischtäter von der Revolution vertrieben werden?

Oder der Schleimer Berlusconi, der jahrelang Gaddafis Hintern aus der Innenperspektive betrachtete, jetzt verzweifelt dessen Gewaltsturm gegen das eigene Volk für “inakzeptabel” erklärt, gleichzeitig beobachten darf, wie gerade in diesem Augenblick der Druck in seiner von Libyen führenden Gaspipeline schwächer wird? Ebenso der notorische Sarkozy, der auch nichts dabei fand, den Irren von Tripolis in seinem Regierungsgarten zelten zu lassen und ihm den Louvre für einen VIP-Besuch sperren zu lassen?

Oder die Kohorte der libyschen Diplomaten am Sitz von Uno und diversen Regierungen (auch der deutschen), die jetzt verzweifelt ihre Fähnchen in den neuen Wind hängen und sich von Gaddafi distanzieren, vermutlich bös nervös über die Frage, ob die neuen Herrscher, von denen ja noch niemand weiß, wer sie sein werden, ihnen ihre schönen Posten mit Dienstauto, Dienstvilla, Pompösgehalt, Diplomatenpass und Lizenz zum Falschparken erhalten werden?

Oder die chinesischen Kommunisten, die gerade ihre Zensur heißlaufen lassen, um zu verhindern, dass ihr Volk etwas über die Jasmin-Weltrevolution erfährt? Hat sich mal jemand gefragt, warum die nicht wollen, dass darüber jemand spricht? Weil sie vielleicht ihre eigene Opposition fürchten, wie den Nobelpreisträger Lio Xiaobo? Weil sie wissen, dass ihre eigene Macht allein auf Gewalt und Gewehrläufe gestützt ist? Sie ahnen, dass sich auch ihr eigenes Volk nicht ewig in Ketten legen lässt?

Es ist großartig, was jetzt passiert. Es ist ein Sturm, der nicht nur die arabischen Regime hinwegfegt, sondern alle Diktatoren dieser Erde in Panik versetzt. Wann haben die demokratischen Regierungen den Mut, Schluss zu machen mit ihrer Schleimdiplomatie? Wann beginnen sie damit, die Folterherren endlich allesamt zu isolieren, ihre Botschafter rauszuwerfen und die Freiheitsbewegungen nicht länger zu behindern?

Was denkst Du?