Wie private und halbgewerbliche Fahrer der Bahn Konkurrenz machen

Kurze Pause auf dem Rastplatz: Der Besitzer dieses Kleinbusses inseriert private Mitfahrgelegenheiten, dürfte aber eher kommerziell unterwegs sein

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich eine neue Transportbranche entwickelt, die von der Unfähigkeit der staatlich geplanten Großsysteme profitiert. Auf den Webseiten von Mitfahrzentralen tummeln sich immer häufiger Anbieter, deren Fahrten wohl eher gewerblich als privat sind. Ihre großen Konkurrenten schlagen sie in fast allen Disziplinen. Und irgendwie muss man ja von A nach B kommen.

 

In den letzten Wochen buchte ich häufiger Fahrten bei Mitfahrgelegenheiten.de. Meistens waren es private Fahrer, die unterwegs gern Gesellschaft haben und sich einen Beitrag zu den Benzinkosten wünschen. Gelegentlich waren es aber auch Fahrer, die zwar privat auftraten, aber anders wirkten. Beispiel: Treffpunkt Petuelring in München zur Abfahrt nach Berlin. Ein junger Türke spricht mich an, ob ich zu denen gehöre, die bei ihm eine Mitfahrt gebucht haben. Er lotst mich in eine Seitenstraße, in der sein Mercedes-Kleinbus parkt. Wenig später sind alle Sitze belegt –  acht an der Zahl. Jeder Mitfahrer zahlt 30 Euro, die Fahrt geht los. Knapp sechs Stunden später sind wir in Berlin. Der Fahrer hatte es gemütlich angehen lassen, außerdem legte er eine Pause ein. Schneller als der ICE war die Fahrt dennoch.

Und witziger. Neben mir, auf dem Mittelplatz, saß ein junger Mann, der ein arg bessessen war von seinem iPhone und seinem iPad. Mal zog er das eine, dann das andere Gerät hervor und tat beschäftigt. Rechts neben ihm saß eine junge Frau, die das erstmal langweilte, die dann aber auftaute, als der junge Mann Angry Birds spielte. Nach kurzer Zeit hatte sie es geschafft, sich das iPad auszuleihen und katapultierte dann selber über den iPad-Schirm. Hinter mir hustete ein skurriler Typ mit enormen Koteletten und entschuldigte sich jedesmal höflich mit dem Hinweis, er habe eine chronische Lungenentzündung. Wann immer sich eine Gelegenheit ergab, zündete er sich eine Zigarette an. Später erzählte er, er sei Death-Metal-Musiker und habe gerade eine längere Tour hinter sich. Vorn saß eine heftig aufgetakelte junge Dame, die während der gesamten Fahrt angestrengt auf die Straße guckte.

Einen Platz zum Mitfahren zu bekommen ist problemlos. Da hatte ich noch nie ein Problem. Umgekehrt bin ich auch schon selber gefahren und habe Mitfahrplätze angeboten. Das klappt nicht immer. Offenbar ist das Angebot an Plätzen größer als die Nachfrage. Aber die Branche professionalisiert sich. Die Standardziele sind fast fahrplanmäßig zu erreichen. Nach oder von Berlin, Hamburg, Köln oder München gibt es Dutzende Fahrten täglich. Man kann sich aussuchen, ob man am Morgen oder am Abend reisen möchte.

Im Vergleich mit der Bahn schneidet das Verkehrsmittel MFG nicht schlecht ab. Es ist deutlich billiger und selbst auf ICE-Strecken schneller, erst recht, seit die Bahn ein Tempolimit von 160 einführte. Bei der Sicherheit dürfte die Bahn vorn liegen. Als Fahrgast weiß man im vorhinein nicht, wie fähig der Fahrer ist, dem man sich anvertraut. Auch die Platzverhältnisse sind im Zug meist besser. In punkto Pünktlichkeit schlägt MFG die Bahn gefühlt um Längen. Verlässlich ist die Methode auch. Bisher hat mich kein Fahrer im Stich gelassen.

Angesichts der absehbaren weiteren Verschlechterungen bei der Bahn dürfte MFG noch attraktiver werden.

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