Mit diesem Avatar schmückte Martin N. seine Beiträge im Pädophilen-ForumDer Admin der Kinderschänder-Seite Jungsforum.net weist selber darauf hin: “Es gibt begründete Hinweise darauf, dass der Serienmörder Martin N./M. auch zu verschiedenen Zeiten Pseudonyme im JF hatte.” Um welche Pseudonyme es sich handelt, verrät er nicht. “Aus Gründen der Beweislast möchten wir diese Pseudonyme zum aktuellen Zeitpunkt hier nicht veröffentlichen und nicht veröffentlicht sehen.” Dem lässt sich abhelfen. Nach Informationen der Organisation Carechild lautet das offenbar meistverwendete Pseudonym des Mannes, der den Mord an dem neunjährigen Dennis Klein und zwei weitere Jungen gestanden hat, “GerdX”. Seinen letzten Beitrag setzte er wenige Tage vor seiner Verhaftung ab. Er lautet: “Gerade mal halb zehn und schon völlig blau”.
Seine Beiträge sind purer Ekel, häufig obszön, zotig und gewalttätig. Wer mag, kann sie nachlesen. Sie stehen noch online. “GerdX” sei ihm beim Auswerten des Forums schon lange aufgefallen, weil er außergewöhnlich deutlich und aggressiv schreibe, sagt Carechild-Sprecher Michael Kappe, den ich im Auftrag der B.Z. befragte. Dabei findet sich im “Jungsforum” nur die legale Spitze dessen, was die Kinderschänderszene im Netz treibt. Es ist offenbar eine Art Eintrittsportal zur Kontaktaufnahme und Plattform für unaufwändigen Austausch. Dateien werden hier nicht gehandelt.
Für diese Zwecke empfiehlt der Admin das Tornetz, ein verschlüsseltes konspiratives Konstrukt, das nur mit spezieller Software betreten werden kann und für dessen Nutzung Insiderkenntnisse nötig sind. Dort werden offen Erfahrungsberichte über Missbrauch und Tötung von Kindern ausgetauscht, dort gibt es die Bilder und Videos solcher Taten. Detaillierte Informationen dazu hier.
Martin Kappe sagt, im “Jungsforum” seien im Prinzip nur Sexualstraftäter unterwegs, die noch nicht erwischt worden seien. Der Server soll in den Niederlanden stehen. Als Betreiber findet sich in der Whois-Datenbank eine niederländische Gesellschaft. Die wiederum betreibt eine Domain, deren Betreiber in den USA registriert sind. Tatsächlich sollen die Admins in Deutschland sitzen. Eine Zeitlang unterhielt das “Jungsforum” ein Spendenkonto in Cottbus.
Dass sich das Forum praktisch ausschließlich mit dem Missbrauch minderjähriger Jungen beschäftigt, ist evident. So startete einer der Administratoren im November 2008 eine längere Diskussion unter dem Titel: „Wie befriedigt man einen Jungen am geilsten?“ In seinem Beitrag beschreibt er detailliert, wie er selber dabei vorgeht.
Eine Seite des Forums widmet sich der Konspiration. Neben der Empfehlung für das Tornetz rät der Verfasser auch zu verschlüsselten Chat-Programmen. Wohl wissend, worum es hier geht, fügt er diese Weisheit an: „Wer als Verbrecher gilt, sollte auch wie ein Verbrecher denken und handeln! Das heißt: keine Mitwisser! (d.h. auch schon grenzwertige Situationen sollte man besser nicht erzählen)“.
Martin N. war eine Art Star in diesem Forum. Er schrieb regelmäßig, meist kurze, sehr scharfe und gezielte Sätze. Mehrfach wird er von anderen dafür gelobt. Das ist gespenstisch. Hier schreibt kein Maulheld, hier schreibt einer über reale Taten. Martin N. tötete nach bisheriger Ermittlungslage über einen Zeitraum von mindestens 19 Jahren. Drei Morde gab er zu. Die Polizei verdächtigt ihn zudem, zwei weitere Jungen ermordet und etwa 40 missbraucht zu haben. Er soll seine Opfer auch fotografiert haben.
Mindestens drei Mal war ihm die Justiz auf den Fersen: 2005 hatte ihn eine Mutter angezeigt, weil er ihre Söhne nackt gestreichelt haben soll. Gegen eine Geldzahlung wurde er freigesprochen. 2006 wurde er in wegen Erpressung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte von einem Mann 20.000 Euro verlangt und drohte, dessen Kinderpornos zu veröffentlichen. 2007 geriet er erstmals unter Verdacht, Dennis Klein ermordet zu haben, konnte sich aber im Verhör mit Lügen entziehen.
Offenbar fiel seine Neigung auch bei diversen Sozial- und Jugendämtern auf. Die behielten ihre Informationen freilich für sich. Jahrelang verfügten unterschiedliche Dienststellen nur über Fragmente, die für sich genommen wertlos waren. Erst jetzt werden sie nach und nach zusammengefügt. Wie ich zudem erfahren habe, hat sich die Justiz auch schon mit Komplizen N.s beschäftigt, jedoch ohne greifbares Ergebnis. Ob Martin N. ein Einzeltäter war, muss sich erst noch erweisen. Im “Jungsforum” tummeln sich mehrere Mitglieder, die – teils unerträglich selbstmitleidig – über einschlägige Gefängniserfahrungen berichten. Welche Dimension die Verbrechen von Martin M. tatsächlich haben, scheint noch völlig unklar.
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Wer will angesichts harter Tatsachen noch begreifen, worüber die Politik eigentlich diskutiert, wenn sie das Wort “Kinderpornografie” in den Mund nimmt. Dieser Begriff ist eine arge Verharmlosung – als ginge es hier um Fotos und nicht um Kinderschicksale. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, den ich in anderem Zusammenhang schon einmal heftig verspottet habe, nannte mir jetzt den vermutlich zutreffenden Grund dafür, dass Martin N. (nur Martin N.?) so lange unbehelligt bleiben konnte. Es liege an den Datenschutz-Bestimmungen. Sachbearbeiter riskierten ihre Karriere, wenn sie Informationen mit anderen Dienststellen teilen. “Wir schützen Daten, nicht Menschen”, so Wendt. “In jeder Behörde treten sich die Datenschutzbeauftragten auf die Füße. Aber wo sind die Kinderschutzbeauftragten?”
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