Ist unser Universum nur eine Computersimulation? Schon möglich, meint Computer-Genie Schmidthuber

Univ. Prof. USI Prof. SUPSI Dr. rer. nat. TUM Dr. rer. nat. habil. TUM Dipl. Inf. Univ. TUM Jürgen Schmidhuber
Univ. Prof. USI Prof. SUPSI Dr. rer. nat. TUM Dr. rer. nat. habil. TUM Dipl. Inf. Univ. TUM Jürgen Schmidhuber

Die Frage gehört zu den spannendsten, die Menschen sich stellen können: Sind unser Leben und unser Universum real, oder sind sie nichts als eine Computersimulation wie im Film Matrix? Zuletzt diskutierten darüber einige der klügsten Köpfe der Welt bei einer Veranstaltung in New York, die sich World Science Festival nennt. Einer auf dem Podium war der deutsche Gelehrte, Professor, Computerwissenschaftler und Künstler Jürgen Schmidhuber (48). Ja, sagte Schmidhuber, es sei durchaus möglich, dass wir Menschen nur Bits und Bytes einer riesigen Rechenmaschine seien – und lieferte dazu eine simple Begründung.

“Diese sogenannten Zufälligkeiten sind  gar nicht zufällig”, erklärte Schmidhuber. “Sie sind pseudo-zufällig, und es gibt einen einfachen Code, der sie berechnet”. Schmidthuber weiß, worüber er da spricht, denn das Wesen der Zufälle und die Bestimmung der Ursachen für Komplexitäten gehören zu seinen Spezialgebieten. Eine seiner Lieblingsthesen lautet (wenn ich es richtig verstanden habe), dass mit minimalem Programmcode maximale Komplexität bis bin zum Chaos erzeugt werden kann. Solche Erkenntnisse verbindet Schmidhuber mit Gedanken über die Lernfähigkeit neuronaler Systeme, seien es menschliche Gehirne oder künstliche Gebilde. Er beschäftigt sich mit so faszinierend-abseitigen Fragen wie der, ob Maschinen aus eigenem Antrieb das Lernen lernen können. Oder, anders gesagt: Ob sie durch Selbsterkenntnis ihre Basisfunktionen umprogrammieren können, auch die, auf denen ihre Selbsterkenntnis beruht. Das Ergebnis seines Gedankenexperiments lautet: Ja, jedenfalls im Prinzip.

Nähert man sich von dieser Seite der Ausgangsfrage, ob also unser Universum tatsächlich nur eine Computersimulation ist, dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob der betreffende Computer von lebenden Wesen konstruiert wurde oder ob er sich selbst erschaffen hat, denn im Prinzip müsste er das dann selber können. Für uns Menschen würde es freilich einen gewissen Unterschied bedeuten, ob wir zweckfreies Experiment einer seelenlosen maschinellen Intelligenz wären oder Spielzeug einer überlegenen Spezies. Was von beiden die bessere Alternative wäre, ist vermutlich ebenfalls schwer zu entscheiden. Und dann wäre da noch der Umstand, dass einige besonders kecke Menschen sich gerade daran machen, den Schöpfern der Simulation, deren Resultat sie sind, auf den Leib zu rücken und sie zu enttarnen. Würde das den Programmierern des Universums gefallen oder eher nicht? Und gäbe es die Möglichkeit, einzelne Menschen oder auch das gesamte Universum bei Bedarf einfach neu zu starten? Immer lautete der Titel der Veranstaltung in New York “Rebooting the Cosmos”.

Offenbar hatten Schmidbauer und seine Kollegen eine Menge Spaß bei ihrer Debatte. Einer warf ein, es stelle sich die Frage, ob das Universum auf einem Mac oder einem PC simuliert werde. Schmidhuber antwortete, es müsse etwas außergewöhnlich Schönes und Klares sein, wie die ersten Zeilen des Linux-Programmcodes. Dass Schmidhuber mit ästhetischen Argumenten aufwartet, ist wiederum keine Überraschung. Sein erstes Geld verdiente er als Grafiker in einer Druckerei, bevor er studierte und mit 30 als jüngster Professor Deutschlands an der TU München habilitierte. Wie viele mathematisch orientierte Wissenschaftler ist er ungewöhnlich musikalisch, spielt Gitarre und komponiert.

 

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