Flat-Tax: Politische Macht zerschlägt wirtschaftliche Vernunft

Dunkelgrün: Länder mit Flattax (zwischen zehn und 25 Prozent). Hellgrün: Polen, wo die Einführung geplant ist

Mehr als ein Dutzend Länder der Welt kennen eine Steuerbürokratie wie die deutsche nicht mehr. Es handelt sich um praktisch ganz Osteuropa und Island. Dort passt die Steuererklärung auf den sprichwörtlichen Bierdeckel, denn dort gibt es einen einheitlichen Einkommensteuersatz, eine Mehrwertsteuer und sonst im wesentlichen nichts. Die Vorteile: Kein Belegesammeln, keine Pauschalen, die man kennen muss, keine verschwendete Zeit für die Bearbeitung der eigenen Steuer. Wie kann man da nur gegen sein?

Das Konzept einer Flat-Tax wird beileibe nicht nur von Paul Kirchof vertreten. Viel erfahrener damit ist sein emeritierter Heidelberger Kollege Manfred Rose, der die Flat-Tax in 14 Ländern als Regierungsberater eingeführt hat. Praktisch ganz Osteuropa arbeitet mit der Einheitssteuer. In Deutschland gehört FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle zu ihren Fans. Beim FDP-Parteitag 2008 stellte er das Rose-Modell zur Abstimmung, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Dabei hat die Flat-Tax bewiesen, dass sie nicht nur den Aufwand für den Steuerbürger minimiert, sondern auch Staatsfinanzen sanieren, Schulden abbauen und die Arbeitslosigkeit halbieren kann – wie das Beispiel der Slovakei zeigt.

Dass das Modell in Deutschland chancenlos ist, hat darum nichts mit Vernunft oder Argumenten zu tun, sondern allein mit Machtinteressen. Eine Flat-Tax ohne Ausnahmen nimmt der Politik die Möglichkeit, in das Leben ihrer Bürger einzugreifen. Sie stärkt individuelle Freiheit und Autonomie. Das wollen die Parteien nicht, bis hinein in die FDP. Sie wollen dirigieren, regulieren und erziehen. Der Steuerdschungel mit seinen Subventionen (165 Milliarden Euro jährlich), Werbungskosten, Pendlerpauschalen und sonstigem Unfug ist ein wichtiges Instrument dafür.

  1. Ich bin für die Flat-Tax!

  2. Offensichtlich profitieren alle von diesem Modell:
    http://www.faz.net/artikel/S30770/steuern-kirchhof-modell-die-reichen-profitieren-am-meisten-30106612.html
    (Rechte Spalte) Das kann nur eines bedeuten: das Steueraufkommen sinkt massiv. Wer soll dann die Ausgaben übernehmen? So ein Traumtänzer …

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