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Merkel spricht im Staatsradio ein Machtwort zur Griechenland-Debatte und erklärt wie üblich nichts

Screenshot der RBB-Webseite. Die Kanzlerin ist gleich zwei Mal zu sehen

Man muss das mal erklären, was da gerade in den Hinterzimmern von Politik und Redaktionen gefummelt wird. All diese Schlagzeilen, die besagen, dieser oder jener in der Bundesregierung vertrete diese oder jene Ansicht zu Griechenland und zur Schuldenkrise haben ja handfeste Quellen, auch, wenn die nicht immer offenliegen. Etwa das Interview, das Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt dem Berliner Staatssender RBB gewährte. Neben so inhaltslosen Sätzchen wie: „Und deshalb sollte jeder seine Worte sehr sorgfältig wägen“, die die Funkbeamten unter dem Schlagwort „exklusiv“ wie eine Sensation feiern, findet sich dann auch folgende Aussage der Redaktion: „Die CDU-Vorsitzende ging damit – ohne ihn namentlich zu erwähnen – deutlich auf Distanz zu FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.“ Dieser Satz enthält mehr, als der normale Leser erkennen kann (und soll).

Tatsächlich hat der RBB das wohl nur deshalb so aufgeschrieben, weil die Berater der Kanzlerin es dem RBB-Mitarbeiter ausdrücklich auftrugen. Das ist üblich. Nach außen soll es so aussehen, als sei die Frau Kanzlerin furchtbar zurückhaltend und greife niemanden persönlich an, aber trotzdem soll ihr Groll rüberkommen. Also formuliert sie im Interview einen Satz, den ihre Berater anschließend dem sogenannten Journalisten erklären. Der tut dann so, als sei er irre klug und in der Lage, nicht nur der Kanzlerin Sätze zu hören, sondern auch zwischen den Zeilen ihre Gedanken zu lesen. Ein abgekartetes Spiel, das in der Landschaft üblich ist.

Zurück zum Thema: In der Sache hat die Kanzlerin heute deutlich gemacht, dass sie ihr Wohlergehen von der griechischen Regierung, den griechischen Gewerkschaften und allen anderen, die in Griechenland Macht haben, abhängig macht. „Sie gehe davon aus, dass Griechenland wisse, was es zu tun habe, so Merkel weiter“, notiert der Hofberichterstatter. Leider macht Merkel damit nicht nur ihr eigenes Wohlergehen von einem Land abhängig, das seit zehn Jahren keine Zusage eingehalten hat, sondern auch das finanzielle und wirtschaftliche Wohlergehen Deutschlands.

Was soll man sagen – hoffen wir mal das Beste.

bitterlemmer: