Gegen Hannes Jaenicke sind Jesus und Chuck Noris arme Wichte

Unkritische Geister nennen Hannes Jaenicke Multitalent. Was er nicht alles macht: Schauspielern, fürs ZDF Dokus produzieren, als Aktivist die Welt verbessern. Er ist Actionheld und Medienstar, Helikopterpilot und Intellektueller. Ein hybrides Wesen, das eigens für schlichte Geister erfunden wurde. Bei RTL ballert er sich durch billige Effektfilme. Das ZDF lässt ihn den Naturforscher simulieren. Und ihm selber genügt es nicht, eine Rolle nach Drehbuch zu spielen, sondern er tut so, als verkörpere er in einem Fiction-Drama sich selbst und als sei die Fiktion höchstens halb fiktiv.

Ein hübsches Beispiel für diese Vermischung und Aushöhlung der Genres veranstalten RTL und Spiegel TV dieses Wochenende für und mit Hannes Jaenicke. Zuerst läuft ein platt-blöder Spielfilm, in dem Superhannes als Heliflieger eine hübsche PR-Tussi übers Meer schaukelt und dabei einen Skandal entdeckt: CO2, das in unterseeischen Gaskavernen gelagert wird und eine menschgemachte Katastrophe auslöst. Das ist zwar in jeder Hinsicht Bullshit, aber zur Steigerung des Nervenkitzels folgt sodann ein auf journalistisch getrimmtes Machwerk unter dem Spiegel-Label, in dem derselbe Hannes Jaenicke, diesmal nonfiktional, die angeblichen Gefahren der unterirdischen CO2-Lagerung anprangert.

An dieser Stelle ein inhaltlicher Exkurs. Die Technik, die der Fernsehmann anprangert, ist zum Sendezeitpunkt bereits tot. Der Bundesrat hat unmittelbar vor dem Ausstrahlungstermin ein dafür notwendiges Gesetz gekippt (jetzt wirklich nonfiktional und real). CCS nennt sich das Verfahren, um das es geht, und Hannes Jaenicke (diesmal der echte, ohne Drehbuch) weiß natürlich genau, was das ist und erklärt es einem Fernsehblättchen namens Teleschau so:

„Die englische Abkürzung für ‚Carbon Capture and Storage‘ und eine große Umweltsauerei. Kaum ein Deutscher weiß bis jetzt, was das ist. Wir können das mit einem Schlag einem Millionenpublikum beibringen.“

Abgesehen davon, dass das Millionenpublikum entspannt sein kann, weil CCS politisch, wie gesagt, schon tot ist, wenn der Hannes loslegt, ist es freilich andererseits keineswegs ausgemacht, dass CCS tatsächlich eine Umweltsauerei ist. Genau genommen weiß das noch niemand (außer Hannes Jaenicke & Co.). Was nur jeder weiß, ist, dass nach dem hektischen Atomausstieg (ganz nach dem Geschmack von Hannes Jaenicke) der Strom jetzt verstärkt aus Kohlekraftwerken kommen soll. Das wiederum ist blöd, weil Kohlekraftwerke CO2 in die Atmosphäre pusten. Das wiederum ist nochmal blöd, weil, wie auch Hannes Jaenicke findet, die Welt davon zu warm wird und die Eisbären sterben. Genau deshalb haben schlaue Leute (also andere als Hannes Jaenicke) überlegt, ob man das CO2 im Schornstein wegfischen und unter der Erde vergraben kann, also eben dieses CCS. Ob es funktioniert, weiß noch niemand. Das Gesetz, das der Bundesrat vor dem Wochenende kippte, sollte nur die Erprobung und Entwicklung von CCS erlauben, nicht mehr. Aber schon das war zu viel im „real existierenden Mutterland des Klimaschutzes“, wie FAZ-Wirtschaftschefin Heike Göbel heute ätzt. Weil wir eben Leute wie Hannes Jaenicke samt RTL und ZDF haben, verstärkt von Teleschau und anderen, die natürlich viel schlauer sind und umständliche Tests und Erprobungen nicht brauchen, um zu wissen, dass das nur eine „Umweltsauerei“ sein kann.

Noch ein paar Worte zu Hannes Jaenicke: Der Mann wurde in den USA geboren und pendelt viel durch die Gegend. Deutschland, USA, Berlin, Frankfurt, Köln, München. In Berlin wohnt er gern in einem Kudamm-Hotel, wie er komischerweise ausgerechnet der SPD verriet (seriöse Medien mit nachfragenden Journalisten scheint er zu meiden). Gegenüber der Gothaer Versicherung (so kuriose Quellen hatte ich selten) zählt er sein umfassendes Engagement für Blinde, Hungrige, Verfolgte, Affen und deutsche Provinztheater auf. Er lässt sich für Fair Trade fotografieren. Natürlich ist er gegen Stutgart 21. Für jeden Flugkilometer spendet er einen Betrag an einen Verein namens atmosfair.de, den man lieber nicht zu genau untersuchen möchte. Ein Klicken durch die „Projekte“ fördert zutage, dass die Initiatoren zwar weltweit Projekte anstoßen, aber scheinbar nirgendwo über das Planungsstadium hinauskommen. Ernst blickend, vor einem Eisbärenfell posierend, schwafelt Hannes Jaenicke dafür über das seiner Meinung nach „komplett destruktive System“ unserer Wirtschaft. Dessen angenehme Seiten nutzt er dennoch gern, etwa als Werbeträger der Firma Solarworld.

Dagegen sind Jesus und Chuck Noris arme Wichte.

Foto oben: Franz Richter via Wikipedia

 

 

 

 

  1. Bei aller Sympathie für die kritische Betrachtung des windigen Herrn Jaenicke – ich habe kein Verständnis für Ihren Versuch, in einem Nebensatz atmosfair ein Schmuddel-Image anzuheften. Es besteht meines Erachtens kein Grund dafür, die Seriosität des Vereins in Zweifel zu ziehen. Ihre Behauptung, die Projekte kämen nirgends über das Planungsstadium hinaus, ist schlicht unwahr, wie sich zeigt, wenn man dem von Ihnen gesetzten Link folgt.
    Zudem erfährt man auf der Internetseite, dass sowohl die Arbeit von atmosfair als als auch die von atmosfair finanzierten Projekte regelmäßig von unabhängiger Seite geprüft werden. Ich sehe keinen Anlass, dies in Zweifel zu ziehen. Wenn Sie einen Anlass sehen, tun Sie ihn bitte kund.

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