Warum die geplatzte Intendantenkür beim MDR gut ist – für’s Land und für den gescheiterten Kandidaten

Natürlich war es unausweichlich, dass jetzt alle Welt wieder die Skandalanstalt beschwört, die der MDR ja tatsächlich auch ist. Eine öffentlich-rechtliche Anstalt, in der Spielsüchtige zu Direktoren aufsteigen, in der die GEZ-Budgets für Kinder- und Unterhaltungsprogramme verzockt werden und die jetzt die Kür eines neuen Intendanten krachend versemmelt. Aber wenn man die Sache nüchtern betrachtet, hat sie ihre klaren Vorteile. Auf Dauer dürfte sie den gescheiterten Kandidaten weniger schädigen als diejenigen, die das System MDR hochhalten. Es ist ein weiterer Baustein auf dem Weg, das längst nicht mehr akzeptable öffentlich-rechtliche Rundfunksystem zu beerdigen.

Die Vorgänge im MDR dokumentieren aufs Beste das verlogene Märchen von der Staatsferne des dominanten Mediensystems in Deutschland. Angefangen mit den Rundfunkräten: Ein exklusiver Club von Vertretern sogenannter gesellschaftlich relevanter Gruppen, wobei die Landesparlamente und dort vor allem die Parteien bestimmen, wer dazu gehört.

Dann die, wie üblich, intransparente Kür des Kandidaten. In diesem Fall hat wohl der Leiter der sächsischen Staatskanzlei, Johannes Beerbaum, die Strippen gezogen und versucht, sich eine persönliche Marionette auf den Intendantenstuhl zu setzen. Das ist nicht ungewöhnlich, vergleichbares gab es immer wieder. Dass ausgerechnet Merkels Regierungssprecher Intendant des Bayerischen Rundfunks wird, legt für sich genommen ja auch nicht gerade Staatsferne nahe. Aber so dämlich wie beim MDR ist das wohl selten angestellt worden.

Jeder kann jetzt ziemlich mühelos sehen, wie verkommen dieses System ist. Dass es da kaum noch möglich ist, eine öffentliche Verteidigungshaltung einzunehmen, zeigte sich daran, dass es keiner tut. Die Freunde des ARD-ZDF-Staatsfunks sind schon seit einiger Zeit ziemlich abgetaucht. Dabei wehte ihnen der Wind noch nie so heftig ins Gesicht wie derzeit. Ein paar weitere Windstärken wären freilich wünschenswert.

Und der gescheiterte Kandidat – der hat zwar eine Klatsche abbekommen, aber seine Redakteure werden ihn schon wieder aufnehmen. Er hatte sich da offenbar ohnehin auf ein Himmelfahrtskommando eingelassen. Die Schlangengrube MDR, gesegnet mit den üblichen Skandalen aller öffentlich-rechtlichen Sender plus den alles verschlimmernden Stasi-Seilschaften ist vermutlich unführbar.

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