Schon wieder was über Ken Jebsen? Ja, denn der RBB scheint sich nicht dazu durchringen zu können, dem Antisemiten, Hetzer und Verschwörungstheroretiker Jebsen endgültig das Mikrofon wegzunehmen. Tatsächlich stehen Programm- und Senderleitung offenbar immer noch hinter ihm. Vielleicht sollten die Herrschaften einmal in schriftlicher Form zu sich nehmen, was Jebsen sonst nur durchs Mikrofon hechelt. Gelesen wirkt es stärker auf die Ratio und nicht so emotional wie beim Hören. Und man bemerkt schneller, dass da was nicht stimmen kann – etwa, wenn er Facebook zur CIA-Verschwörung erklärt.
O-Ton Jebsen aus seiner Sendung vom 30. Oktober 2011: “Bei Facebook ist es eben so, dass in der Konzernspitze nicht nur der Herr Zuckerman, der nette Junge von nebenan sitzt, sondern da sitzt auch der eine oder andere Mann inzwischen vom CIA, also dem amerikanischen Geheimdienst, und der ist ja nunmal dafür bekannt, dass sie – das ist Teil des Geschäftsmodells – Daten sammeln und gegen die User verwenden.” Woher Herr Jebsen das wissen will? Quellen nennt er nicht, tut er übrigens nie. Also helfe ich aus: Es war offenbar das amerikanische Satireportal Onion, das Facebook zur CIA-Außenstelle erklärte. Also nur Satire, wie in deutscher Sprache auch bei basic thinking nachzulesen ist, nicht Ernstfall, wie Ken Jebsen erzählt.
Dann fragt er, ob sich unsereins davon bedroht fühlen muss, was jetzt, wissend, dass er offenbar eine Satire nicht verstanden hat, fast bemitleidenswert lächerlich wirkt. Ken Jebsen übertrifft unser entschiedenstes auch nur theoretisch denkbares Ja: “Das bedeutet konkret folgendes zum Beispiel…” – und es folgt ein Beispiel ohne jegliche Beispielhaftigkeit, weil es sich um eine freie Erfindung handelt: “Du kannst zum Beispiel alle Journalisten, die sich kritisch zu Genmais eines amerikanischen Konzerns äußern, die kannst du schon mal so ein bisschen überwachen, wenn die über Facebook miteinander kommunizieren.”
Und wofür soll das gut sein? Jebsen: “Du kannst hingehen und sagen, okay, diese Person schreibt für diese Zeitung. Und dann buchst du als so ein US-Konzern bei dieser Zeitung eine große Kampagne, die sehr viel Geld für die Zeitung bringt, und wenn dieser Journalist dann einen kritischen Bericht über dieses Unternehmen bringen möchte, dann wird sich der Chef der Zeitung sehr wohl überlegen, ob er sich das leisten möchte. Wenn dieser Bericht nämlich erscheint, dann wird der Werbekunde abspringen.” Möglicherweise kommen wir mit dieser Einlage der Frage näher, warum Jebsen seit Jahrzehnten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk auftritt – dort sind solche Märchen über private Medien, vor allem Zeitungen, annähernd Allgemeingut.
Dann ging es um die Occupy-Bewegung. Zuerst die üblichen Schilderungen: Gute Protestler gegen böse Staatsmacht. Und dann wieder ein echter Ken Jebsen: “Ich kenne ein bisschen die europäische Geschichte. Und das, was wir hier Demokratie nennen – das ist eine Regierung, die vom Volk gewählt wurde – das wurde ja in Wirklichkeit in vielen europäischen Ländern mit Gewalt installiert.” Worauf seine Komoderatorin fragt: “Zum Beispiel?” Und Jebsen antwortet: “Ja also, du sprichst ja spanisch, zum Beispiel in Spanien, Franco, oder auch Portugal, da haben ja über 40 Jahre lang Diktatoren quasi sind da eingesetzt worden vom amerikanischen Geheimdienst, zusammen mit der Nato, und die haben dann massiv gegen das Volk regiert, und zwar mit allen Tools, die da zur Verfügung standen und noch zur Verfügung stehen. Das ist dann Folter, das sind Terroranschläge, das ist Polizeistaat.”
Die CIA kommt dann – natürlich – auch bei der Griechenland-Krise ins Spiel. “In Griechenland wurde die Regierung 1971 von der CIA durch eine Militärdiktatur ersetzt”, wirft die Komoderatorin dem Moderator ein Stichwort zu. Der sprudelt wieder los: “Genau. Ist allgemein bekannt. Da muss man sich vielleicht auch die Frage stellen, ob das vielleicht mit der aktuellen Krise in Griechenland zu tun hat. Warum nach einer Diktatur, nach einer Militärdiktatur gibt es 2000 Familien in Griechenland, die da das sagen haben. Das ist eine klassische militärische Struktur. Und über Italien brauchen wir gar nicht reden”, sagte Jebsen, um sogleich aber genau das zu tun, fatalerweise: “Da gab’s ja so viele Regierungswechsel, die da stattgefunden haben. Und immer, wenn ein gewählter Minister mit kommunistischen Hintergrund ins Amt gewählt wurde, ich sag nur: Aldo Moro, dann ist es schon mal passiert, dass er durch Geheimarmeen in die Luft gesprengt wurde.”
Dumm nur: Aldo Moro war Christdemokrat, auch nicht irgendein Minister, sondern Ministerpräsident, und seine Mörder waren Leute, die sich Kommunisten nannten, nämlich eine Terrortruppe namens Brigate Rosse, für Ken Jebsen also eine Ansammlung von Geheimarmeen im Auftrag der – natürlich! – CIA.
Anschließend redet er über Wikileaks, jetzt sehr wirr: “Er (Julian Assange) ist auf jeden Fall ein Staatsfeind für alle Leute, die Dinge lieber nicht veröffentlich sehen wollen. Er ist vielleicht sogar mehr als der Staatsfeind. Denn: Als damals Wikileaks, wenn du dich erinnerst, diese Daten veröffentlicht hat, der Spiegel hat das ja auch abgedruckt, es wurde ja, auch große Gazetten haben das abgedruckt, da hat ja sofort die Firma Amazon hat ihm ja praktisch die Server gekündigt, denn Wikileaks aufgrund des Speicherplatzes, den sie ja auch benötigten, haben ja auch Amazon-Speicherplatz gemietet, der wurde dann gekündigt. Und dann ist das Unternehmen Wikileaks dazu übergegangen, es einfach zu spiegeln, ja, das heißt, man konnte das nicht mehr aus dem Netz herausbekommen.”
Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, wie Jebsens Komoderatorin auf das Thema hinführte, nämlich mit einem Exkurs über Julian Assange: “Der war ungefähr vor einem halben, dreiviertel Jahr ungefähr so häufig in den Schlagzeilen wie seinerzeit Gaddafi, aber davon hört man jetzt nicht mehr so wahnsinnig viel. Man weiß, er ist vergewaltigt worden, und ob’s da einen Prozess gibt, wie da der Stand der Dinge ist, das weiß man alles nicht mehr wirklich, und es gibt auch momentan keine Veröffentlichung mehr und Enthüllungen, und des finden wahrscheinlich so des US-Verteidigungsministerium oder europäische Diplomaten oder auch Regierungen gar nicht so schlimm. Aber Ken, wie ist da im Moment der Stand der Dinge? Was ist mit Wikileaks?”
Jetzt hätte Ken korrigieren können, dass nicht Assange vergewaltigt wurde, sondern vergewaltigt haben soll und unter Tatverdacht steht. Er hätte auch sagen können, dass man alles darüber in den Zeitungen oder auf Nachrichtenportalen im Netz nachlesen kann, dass man also sehr wohl sehr genau weiß, wie der Stand der Dinge ist (Assange hat noch eine Gerichtsinstanz in England vor sich, danach wird er vermutlich nach Schweden abgeschoben), aber stattdessen sagte Jebsen: “Ja, Stand der Dinge ist, dass, wenn du die Wahrheit veröffentlichst, und nichts anderes macht ja Wikileaks, Wikileaks erfindet diese Daten ja nicht, wenn du das machst, dann bekommst du Probleme.”
Zum Schluss ein Blick auf den antizionistischen Kämpfer Jebsen. In seiner KenFM-Folge “über den Staat ‘Palästina’” entwirft er folgendes Wunschbild für die Zukunft: “In Palästina entsteht eine Art palästinensisches Yad Vashem, das all der palästinensischen Opfer gedenkt, die durch israelische Besatzung umgekommen sind und ein zukünftiger israelischer Präsident besucht dieses Mahnmal für den Frieden in einem neu gegründeten souveränen Staat Palästina und kniet dort nieder wie einst Bundeskanzler Willy Brandt vor den jüdischen Opfern in Warschau niederkniete.”
Mit anderen Worten: Ken Jebsen hält das heutige Israel für etwa so verbrecherisch wie das frühere Nazi-Deutschland.
Vielleicht erzählt er uns in einer seiner nächsten Sendungen von den israelischen Gaskammern, der israelischen Wannsee-Konferenz oder den palästinensischen Zwangsarbeitern. In gewohnt messerscharfer Hetzrhetorik, in schnellem Sprach-Stakkato, allein auf Emotion fixiert.
Und natürlich in öffentlich-rechtlichem Informations- und Bildungsauftrag.
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