Die Rente ist für alle gleich. Das ist ungerecht

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Alter Mann bei der Arbeit, nicht unglücklich aussehend | Foto: US National Archives

Unsere Rentendebatte ist ein typischer Fall von politischer Fantasielosigkeit und ideologischer Verblendung. Links ist für ein möglichst frühes Renteneintrittalter, Rechts für ein eher späteres. Beide Seiten werfen mit Dogmen um sich, die als Argumente nicht ernstzunehmen sind und die grundsätzlich ignorieren, was sich heutige und künftige Rentner für ihr Leben wünschen. Linke wie Rechte scheren alle über einen Kamm. Das zeigt die Debatte um die Rente mit 67. Politiker lieben es, Dinge für alle zentral zu bestimmen. Sie halten es für gerecht, wenn es danach aussieht, als würden alle gleich behandelt. Ist es aber nicht.

Dass nämlich Gerechtigkeit nicht dasselbe ist wie Gleichheit zeigt das Alter auf augenfällige Weise. Der eine ist mit 90 noch topfit, der andere durchlebt seine letzten Jahre hinter dem Schleier der Demenz. Jopi Heesters war bis zu seinem Tod mit 108 Jahren noch berufstätig, James Dean wurde nur 27. Mancher Frührentner genießt ein sorgenfreies Altenteil über die Spanne von 40 Jahren, mancher Selbständige, der bis 55 nicht weniger geschafft hat, steht mit 70 noch an der Werkbank. Ich habe Kollegen kennengelernt, die sich fit fühlen und vor dem letzten Arbeitstag fürchten und andere (zugegeben: mehr), die das Berufsende kaum erwarten können. Ein Drittel der Deutschen möchte länger arbeiten als Vater Staat ihnen zugesteht, drolligerweise häufiger Männer als Frauen, obwohl die heute schon trotz niedrigerer Lebenserwartung länger arbeiten.

Natürlich darf, wer will, auch heute schon später in Rente gehen, jedenfalls theoretisch. Praktisch ist das aber mit Mühe und Ärger verbunden. Die Lufthansa etwa duldet keinen Piloten über 60 und zieht dafür sogar vor Gericht. Die meisten Arbeitsverträge enthalten eine Klausel, laut der das Arbeitsverhältnis mit dem gesetzlichen Rentenalter endet. Wer weiterarbeiten will, muss sich durch einen Wust an Vorschriften wühlen – die regeln, wie viel mit welchen Folgen für welche Rentenanwartschaften und Steuervorschriften erlaubt oder verboten ist.

Das wird weder den Menschen gerecht noch der künftigen Altersstruktur unserer Gesellschaft. In unserem System ist die Rente nur dann sicher, wenn genügend Menschen Menschen arbeiten und nicht zu viele Rente beziehen. Wie wäre es, altertümliche Debatten bleibenzulassen und stattdessen alle Regeln außer Kraft zu setzen, die hinderlich sind, wenn jemand länger als bis 65 arbeiten will? Piloten eingeschlossen, deren Tauglichkeit ja jedes Jahr gründlich untersucht wird. Nicht das Jahresalter ist entscheidend, sondern körperliche und geistige Fitness.

Für Politik und Gewerkschaften mag es schwer hinnehmbar sein, ideologisch begründete Gleichheitsideale aufzugeben. Aber es wäre gerechter.

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