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Bundesliga und iPhone-App: Staatskonzern konkurriert mit Gebührenfunk

Die staatliche T-Zeitung fürs iPhone: Geht anders als bei der Tagesschau auch ohne Dreistufentest

Die Deutsche Telekom gehört zu 30 Prozent dem Staat. Ihr Job ist es eigentlich, Deutschland mit modernen Datenleitungen zu versorgen, und zwar im Wettbewerb mit privaten Konkurrenten. Das allein ist den Managern aber zu langweilig und unglamourös. Darum streben sie mit Macht in das, was sie Contentgeschäft nennen und was nichts anderes ist als ein Auftritt als Medienunternehmen. Aktuell bietet die Telekom auf die Bundesliga-Übertragungsrechte im Bezahlfernsehen. Das wäre eine Konkurrenz zur öffentlich-rechtlichen Sportschau – auch, wenn es auf den ersten Blick anders aussieht. Formal bietet die Telekom gegen den Pay-TV-Privatsender Sky. Wenn aber T-Online Bundesligaspiele auch im Netz übertragen darf, dann wäre das sehr wohl eine Konkurrenz zur ARD – und nicht die erste.

Die Telekom tut auf dem Mediensektor ohnehin, was sie will. Da gibt es etwa gleich zwei Apps fürs iPhone, die nur dazu da sind, kostenlose Inhalte zu verbreiten – eine Wetter-App und eine Nachrichten-App. Erstaunlich ist daran vor allem, dass die Telekom ihre Apps geräuschlos in den App-Store brachte, während um die Tagesschau-App der ARD – zu Recht! – lautstark gestritten wird. Auch den Ausbau des T-Online-Portals zur werbefinanzierten Nachrichtenplattform scheint niemanden zu stören. Erst jetzt, beim Poker um die Bundesligarechte, kommen die Medienbehörden auf die Idee, dass Medienangebote des Staatskonzerns womöglich gegen geltendes Recht verstoßen.

Aber wer will sich wundern – Schwarz-Gelb schert sich ebenso wenig um Ordnungspolitik wie Rot-Grün. Warum muss der Staat Anteile an einer Leitungsfirma wie der Telekom halten? Warum muss diese Firma eine Art Monopol auf die sogenannte letzte Meile haben, also die letzten Meter Kupferdraht von den Verteilkästen bis in die Wohnungen der Kunden? Warum investiert diese Firma Millionen in Content-Rechte, während das Kerngeschäft verlottert?

Denn das ist die andere Folge des fehlenden Wettbewerbs: Deutschland hinkt beim Ausbau der Glasfasernetze heillos hinterher. Nicht zuletzt deshalb, weil die Telekom Monopolgewinne mit ihrem im Prinzip veralteten DSL-Netz einstreichen kann und keine Lust hat, sich bei neuen Netzen echter Konkurrenz zu stellen. Was leider auch ihr Hauptaktionär so sieht, der Staat, der praktischerweise den gesetzlichen Rahmen dafür schafft und den eigenen Laden zulasten der Allgemeinheit bevorzugt.

 

bitterlemmer: