
Die Gauner sind gut getarnt und clever, die Masche dreist und offenbar immer wieder erfolgreich. Betrüger versuchen verstärkt, Wohnungssuchende auf den Immobilienportalen Immobilienscout24, Immowelt und Immonet zu prellen. Sie versprechen schöne Wohnungen, die sie nicht haben. Kasse machen sie, wenn sie vorab Kaution und erste Miete verlangen, angeblich gegen Mietvertrag und Schlüssel. Was als gelegentlicher Einzelfall begann, breitet sich neuerdings spürbar aus, wie zahlreiche Kommentare zeigen. Die Betreiber der Portale sind alarmiert. Mit Technik und Aufklärung wollen sie dagegen angehen. Immobilienscout und Immowelt haben außerdem Staatsanwaltschaften eingeschaltet.
Alle drei Anbieter gehen ähnlich vor. Hier die Antworten ihrer Pressestellen.
Wie machen Sie verdächtige Angebote ausfindig?
- “Um unsere Nutzer zu schützen, haben wir verschiedene technische Filter installiert, mit denen wir neu eingestellte Objekte überprüfen”, sagt der Sprecher von Immobilienscout24, Marcus Drost. “Verdächtige Objekte können wir damit in der Regel innerhalb kurzer Zeit identifizieren.” Monatlich entfernt Immobilienscout24 rund 300 Angebote, allerdings nicht nur wegen Betrugsverdachts, sondern generell wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen.
- “In technischer Hinsicht haben wir darauf reagiert, indem wir softwareseitig neu eingestellte Inserate auf verdächtige Hinweise scannen”, so Frank Kemter von Immowelt. “Auf diese Weise werden die meisten der Betrugsanzeigen erst gar nicht veröffentlicht, beziehungsweise nach kurzer Zeit wieder offline genommen.”
- “Unser Sicherheitsteam überprüft die Datenbank regelmäßig nach Auffälligkeiten und löscht zweifelhafte Angebote sofort”, antwortete Christian Storbeck von Immonet. “Zur Unterstützung der händischen Qualitätskontrolle haben wir automatische Prüfungen in unser System eingebaut. So lassen wir täglich sog. Suchagenten über Großstädte laufen, die anzeigen, wenn Größe und Preis eines Angebots so gar nicht zusammenpassen. Dabei wird auch erkannt, wenn überdurchschnittlich viele Anfragen zu einem Objekt einlaufen, z.B. bei einem sehr niedrigen Preis. Diese Objekte werden geprüft und bei Erhärtung des Betrugsverdachtes umgehend entfernt.”
Wie gehen Sie gegen die Betrüger vor?
- Immowelt hat Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg erstattet. “Die Verfolgung dieser Straftaten gestaltet sich allerdings als schwierig, da die Täter vom Ausland aus agieren und ihre Identitäten geschickt verbergen”, sagt Sprecher Kemter. “Sie arbeiten mit falschen/gestohlenen Identitäten und die IP-Adressen sind verschiedener Herkunft, was darauf schließen lässt, dass die Täter Anonymisierungsdienste nutzen.”
- Immobilienscout24 hat die Staatsanwaltschaft Berlin eingeschaltet, so Sprecher Drost. Außerdem betreibt das Portal einigen Aufwand, um die technische Abwehr auf dem Stand der Dinge zu halten. “Dies gleicht allerdings oftmals einem ‘Katz-und-Maus-Spiel’, da die Betrüger ihrerseits auch ihre Strategie kontinuierlich ändern.”
- Immonet geht anders vor und hat bisher keine Anzeige erstattet. “Hier sind wir als Portal außen vor, da wir nicht Eigentümer der eingestellten Immobilien sind”, sagt Sprecher Storbeck – anders als seine Kollegen bei den anderen Portalen. Ob Nutzer ihrerseits Anzeige erstattet haben, ist unbekannt.
Wichtigster Faktor: Nutzer über die Tricks informieren
Wichtigster Faktor bei der Bekämpfung der Betrüger ist für alle drei Portale Information. “Grundsätzlich sollte man vorsichtig sein, wenn ein Angebot unverhältnismäßig günstig ist oder die Bilder im Exposé nicht zur Lage passen”, warnt Immobilienscout24-Sprecher Drost. Allzu traumhafte Angebote wirken freilich für viele Nutzer von vorneherein verdächtig. Die Betrüger stellen sich darauf ein. “Wir haben beobachtet, dass sich die Strategie der Betrüger mit der Zeit etwas gewandelt hat”, so Immowelt-Sprecher Kemter. “Waren es vor ein oder zwei Jahren noch Inserate, in denen Luxuswohnungen zu einem völlig unrealistischen Dumpingpreis feilgeboten wurden, so sind es heute öfter vermeintliche Schnäppchen-Angebote, die aber noch nicht so unrealistisch billig sind, dass man die Betrugsabsicht schon als Laie sofort erahnen könnte.”
Der wichtigste Rat – hier sind sich alle Anbieter einig – lautet, in keinem Fall vorab Geld zu bezahlen, schon gar nicht in bar oder über einen Bargeldtransfer bei Western Union, TNT oder ähnlichen Anbietern.
Wer mehr wissen will – die Immobilienportale haben Informationsseiten zum Thema geschaltet. Hier die Links:
- Die Infoseite von Immobilienscout24
- Die Infoseite von Immowelt
- Die Infoseite von Immonet
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