Haben Kinderlose mehr Sex, wenn der Staat ihnen höhere Steuern abknöpft?

Immerhin hat die Union es geschafft, eine Debatte anzustoßen. Kinderlose sollen als Strafe höhere Steuern zahlen, verlangt die sogenannte Junge Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Das Argument ist das übliche: Es sei ungerecht, wenn Kinderlose weniger gesellschaftliche Lasten tragen als Eltern, und für die künftige Entwicklung würden mehr Kinder benötigt. Der Befund mag stimmen. Aber was würden höhere Steuern dazu beitragen? Bringen sie höhere Staatseinnahmen, mehr Kinder, beides oder nichts davon? Vielleicht helfen ein paar Fakten weiter.

  1. In Deutschland beträgt die Geburtenrate 8,3 – das heißt, es gibt auf 1000 Einwohner 8,3 Lebendgeburten. In den Vereinigten Staaten beträgt die Geburtenrate 13,83, in der Schweiz 9,53, in Schweden 10,18. In Deutschland ist sie auch dann eher niedrig, wenn man Länder mit ähnlichem Lebensstandard und ähnlicher Entwicklung vergleicht. Strafsteuern für Kinderlose gibt es in keinem dieser Länder.
  2. Die staatlichen Leistungen für Kinder sind schon heute ein Art Strafsteuer für Kinderlose – in dem Sinn, dass sie aus dem Gesamtsteueraufkommen bezahlt werden, aber eben nur Eltern zugute kommen – wie das Elterngeld, das ja nicht grundlos so heißt. Gebracht hat es nichts. Wir erinnern uns an die irreführenden Zahlen, mit denen die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen zunächst höhere Geburtenraten dank Elterngeld bekanntgab und dann zurückrudern musste. Ob solche staatlichen Leistungen eine Art von Gerechtigkeit im politischen Sinn herstellen, sei dahingestellt.

Offenbar ist es schwierig, einen Zusammenhang zwischen Steuern (oder Fördermitteln, die ja eine Art negative Steuer sind) und dem Kinderwunsch der Menschen zu finden. Wer das Kinderkriegen staatlich steuern will, sollte zuerst nachweisen können, dass er das kann – oder dass es überhaupt möglich ist.

Daran sind Zweifel angebracht. Die hohe Geburtenrate in den USA wird mal mit religiösen Hintergründen, mal mit dem Ausleben des optimistischen und zukunftsgewandten American Dream begründet. Das ist anderswo ähnlich. Dass ein Mann und eine Frau anfangen, Kinder zu machen, um Geld von Vater Staat zu bekommen oder nachdem sie ihre letzte Steuererklärung begutachtet haben, klingt so bescheuert und lebensfern wie es ist. Eine Frau bittet ihren Mann meist aus anderen Gründen, ihr ein Kind zu machen.

Das politische Ziel der Nachwuchs-Unionler, mit mehr Nachwuchs die Bevölkerungspyramide wieder ins Lot zu bringen, mag ja richtig und gut gemeint sein. Aber mit Steuern lässt sich das nicht steuern. Das hören Politiker ungern, denn es ist ihre Lieblingsmethode – und sie ist eigentlich immer nur gut gemeint, ohne zu funktionieren. Nicht bei der Energie, nicht bei der Landwirtschaft, nicht bei Mitfahrzentralen und auch nicht bei Familiengründungen.

Foto: The Library of Congress via flickr

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