Die zweite Chance

Man muss sich nur die zentralen O-Töne anhören, um zu verstehen, was dieses Mal bei der Wahl zum US-Präsidenten anders war als vor vier Jahren. Damals fanden beide Bewerber geradezu ikonische Sätze. Der Sieger, Barack Obama, versprach, er kenne ab sofort keine blauen und keine roten Staaten mehr, was für demokratische und republikanische Staaten steht, sondern nur noch ein einiges Amerika. Noch markanter war der zentrale Satz seines gescheiterten Herausforderers John McCain (der in deutschen Medien freilich sträflich unter Wert lief): Bisher sei Obama sein Rivale gewesen, ab sofort sei er sein Präsident. So viel Größe hatte diesmal keiner der Kandidaten.

Um mit Romney zu beginnen: Sein Zögern, die Niederlage einzugestehen, wirkt kleinlich und starrköpfig, so ganz untypisch für die demokratische Tiefe der USA. Und der Satz, den er dann herausbekam, ist irgendein dahingesagter Routine-Glückwunsch, der keiner besonderen Erwähnung wert ist. Obamas Auftritt war kaum besser. Zentral war seine öffentliche Liebeserklärung an seine Frau. Dass er die in den Mittelpunkt seiner Siegrede stellte, sagt viel darüber aus, wie die letzten vier Jahre an der Macht seinen Charakter verändert haben. Manche seiner einstigen Mitstreiter beschreiben ihn als zunehmend egomanisch. Man gönnt ihm seine Frau und sein privates Glück, aber auch in den USA wird niemand allein dafür gewählt, dass er die richtige Ehefrau zu finden in der Lage ist.

 

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