Solidarische Grüße

sherlock ard

Stimmt, die neue Rundfunkabgabe ist tatsächlich eine Solidaritätsabgabe. Es ist so, wie NDR-Intendant Lutz Marmor es sagt. Das ARD-ZDF-Deutschlandradio-Medienanstalten-System ist mit Kindergärten und Universitäten vergleichbar. Auch da zahlt ja jeder Steuerzahler, ohne deshalb von Erzieherinnen beaufsichtigt oder von Professoren ausgebildet zu werden. Darum täuscht sich Henrik M. Broder, der Marmors Gebühren-Rechtfertigung als Narrenstück abtut. Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat mit der neuen Gebühr, die mit dem Neuen Jahr gilt, tatsächlich erst den Status aller sonstigen öffentlichen Einrichtungen erreicht – nicht im Scherz, sondern ernsthaft.

Der zeichnet sich dadurch aus, dass Steuer- und Gebührenzahler erstmal das System finanzieren und dann jede abgerufene Leistung nochmal extra bezahlen.

  • Beispiel 1: Mit Steuermitteln wird der Aufwand für alle Meldeämter des Landes bezahlt. Wer aber einen neuen Ausweis oder einen Stempel im Kraftfahrzeugschein will, muss den jeweils einzeln vor Ort zahlen.
  • Beispiel 2: Die Politik kämpft seit längerem mehr oder weniger erfolgreich dafür, dass Studenten eine Studiengebühr bezahlen.
  • Beispiel 3: Jeder Kita-Platz wird von den Eltern für jedes dort versorgte Kind mit teuren Monatsgebühren zusatzfinanziert und damit, sofern sie arbeiten und Steuern zahlen, doppelt bezahlt.

Insofern handelt es sich bei den Steuergeldern, die in diesen Institutionen landen, wohl wirklich eher um eine Art Spende, also Geld, das vom eigenen Konto verschwindet und irgendwo im Nirgendwo landet. Ähnlich ist das mit den öffentlich-rechtlichen Sendern jetzt auch. Nehmen wir die großartige Sherlock-Reihe: Die war irgendwann letzten August an irgendeinem Tag um 23.30 Uhr zu sehen. Wer da keine Zeit hatte, der hat seine GEZ-Gebühr jedenfalls nicht für den Genuss eines Sherlock-Films bezahlt. In der Mediathek der ARD findet er sich nicht. Und er ist „aktuell nicht im Programm“, wie die Webseite der Anstalt in amtlich schönfärberischem Sprachgestus mitteilt, als werde sich das demnächst ändern. Wer Sherlock sehen will, kann sich die Folgen stattdessen bei iTunes herunterladen. Das kostet dann für eine komplette Staffel 6,99 Euro. Damit wäre das Kita-/Meldeamts-/Uni-Prinzip endlich auch fürs Fernsehen umgesetzt. Die Gesellschaft zahlt das Gehalt und Altersversorgung von Herrn Marmor und das seiner Tausenden Kollegen und Mitarbeiter, und für jeden Film zahlt der Kunde extra.

Übrigens ist Sherlock keine Ausnahme. Wer z.B. Sportereignisse auf einem laut GEZ-Definition neuartigen Empfangsgerät (Computer, Smartphone) empfangen will, wofür er ja auch bisher schon gebührenpflichtig war, schaut sogar dann in die leere Röhre, wenn er gehorsam der zeitlichen Planung der Programmherrschaften gehorcht. Bundesliga- oder Länderspiele sind online gleich gar nicht empfangbar. So gesehen ist der Ansatz von Lutz Marmor auch nicht revolutionär, sondern nur evolutionär.

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