Warum meine Tochter nicht in der örtlichen Gemeinde getauft wurde, sondern eine weiter

Seit ein paar Tagen ist die kleine Mila Florentine getauft und damit offiziell ein Christenkind, evangelisch. Die Taufe war in der Kirche in Ebersberg. Örtlich wäre Grafing für uns zuständig gewesen. Aber Grafing fand ich nicht so gut, nachdem ich die Webseite der Gemeinde gesehen habe. Da gibt es einen Menüpunkt „Israel/Palästina“. Als ich den sah, dachte ich mir schon, dass Israel da nicht gut wegkommt, was sich dann bewahrheitete. Entscheidend für meine Entscheidung, meine Tochter nicht dort taufen zu lassen, war aber etwas anderes. Ich wollte eine Gemeinde und einen Pfarrer, die – wenigstens nicht zu offensichtlich – politischen Aktivismus über Glauben stellen.

Genau das ist es nämlich, was mir an meiner Kirche grundsätzlich missfällt. Nicht, weil ich zum frömmeln neige. Ich bete nicht ständig herum. Gottesdienste besuche ich eigentlich nur zu Weihnachten. Aber ich fühle mich dennoch genug als Christ, um in meiner heimischen Religion genügend Spiritualität zu finden. Einen Ersatz in Form des westlichen Lifestyle-Buddhismus, einer indisch duftenden Guru-Gläubigkeit, irgendeiner Naturgottheit, einer Sekte oder dem Glauben an den Atheismus benötige ich daher nicht. Das Dumme ist eben nur, dass ich ausgerechnet einer Konfession angehörige, deren Organisation sich kaum für den lieben Gott interessiert sondern vor allem für Politik.

Ich brauche aber keine Kirche für Themen wie Ladenschluss, Betreuungsgeld, Integration, Abschaffung der Wehrpflicht, Mindestlohn etc. Vor einigen Jahren saß ich in einem Weihnachtsgottesdienst, ebenfalls in einer evangelischen Kirche in Oberbayern. Da hielt die Pastorin eine Predigt, in der sie den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan forderte. Am liebsten hätte ich dazwischengerufen, wie man das in politischen Debatten halt macht, aber neben mir saß meine Mutter, da bin ich lieber still geblieben.

Also habe ich, als es um die Taufe meiner Tochter ging, erstmal geschaut, wie sich die örtliche Gemeinde präsentiert, und da stieß ich, wie gesagt, auf den „Israel/Palästina“-Menüpunkt der Gemeinde Grafing. Hinter dem findet sich eine große Auswahl von Artikeln, die allesamt Israel als „Besatzer“ und die Palästinenser als Opfer sehen. Es ist die simple Gut-Böse-Weltsicht, die Demagogen so an sich haben. Das wird natürlich in sanfter Sprache formuliert, wie Margot Käßmann sie sanfter nicht hinbekommen hätte, nur langatmiger, aber aber das ändert nichts am Klischee. Hier die Guten, da die Bösen. Schwarz-weiß. Einfache Erklärungen. Dummenfang.

Und eben genau die Sorte von Kirche, die ich nicht will. Die ich auch nicht wollte, wenn sie zufällig meine Meinung vertreten würde. Weil ich eine Kirche will, die für den lieben Gott da ist und nicht für Politik.

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