Die Abzocker von der Rettungswache

Ich mag Bayern wirklich. Ich könnte etwas über die Bergsicht und die freundlichen Menschen ringherum schreiben, aber gerade eben habe ich nach viel Gezerre die erste Rate eines Geldbetrags an ein Anwaltsbüro überwiesen, das im Auftrag der zentralen Abrechnungsstelle der bayerischen Rettungsdienste auf mich losging. Die Rechnungsstelle, die auch noch den passenden Namen ZAST trägt, Zast wie Zaster, fordert das Geld deshalb, weil ich vergangenes Jahr auf dem Katzensitz eines Rettungswagens etwa zehn Kilometer von der B304 bis nach Wasserburg mitgefahren bin. Das wiederum deshalb, weil ich auf dem Beifahrersitz eines Autos saß, das von einem Lieferwagen gerammt wurde – wofür weder die Fahrerin des Autos etwas konnte noch erst recht ich selber, denn ich saß ja, wie gesagt, auf dem Beifahrersitz. Im ganzen waren wir zu dritt unterwegs – also die Fahrerin und ich und dazu die Mutter der Fahrerin auf der Rückbank. Letztere verknackste sich bei dem Aufprall des Lieferwagens die Wirbelsäule, weshalb sie auch dringend in die Klinik musste. Und wir beiden anderen, die überwiegend unversehrt blieben, fuhren halt mit – denn unser Auto war dank Aufpralls und einer Reise in die Leitplanke völlig zerfetzt.

Die Rechnung, die der Zaster-Verein mir für die Mitfahrt schickte, belief sich auf runde 500 Euro. Aus denen wurden nach bösen Telefonaten am Ende 330 Euro, die nunmehr leider auch vollstreckungsreif sind. Richtig wütend hat mich dabei der aberwitzige Zynismus gemacht, mit dem sowohl die Zaster-Kassierer als auch die Anwältin argumentieren. Ich hätte ja ein Taxi nehmen können. Was immer ich vorzubringen versuchte, unterbrachen diese schrecklichen Personen mit der lautstarken Frage: „Sind Sie jetzt mitgefahren oder nicht?“ Ja, bin ich, aber wieso soll ich für eine Mitfahrt im Rettungswagen, der ohnehin eine Verletzte transportierte, eine derart absurde Geldsumme bezahlen? Und vor Ort klang das natürlich auch erstmal ganz anders. Da lud der nette Sanitäter mich generös zur Mitfahrt ein, „wir fahren ja jetzt eh nach Wasserburg“.

Normalerweise scheinen die Krankenkassen solche Beträge zu begleichen, offenbar ohne große Überprüfung. Wenn drei Personen bei dieser Fahrt dieselbe Summe in die Kasse des Rettungsunternehmens spülten, haben ihr diese zehn Kilometer mehr als 1000 Euro eingebracht. Schon an dieser Stelle werde ich wütend. Noch wütender werde ich angesichts der Tatsache, dass ich nichts weiter getan habe als auf dem Beifahrersitz eines in einen Unfall verwickelten Autos zu sitzen, um mich jetzt mit dieser Forderung herumzuschlagen. Das ist einfach absurd, und darum handelt dieser Text auch nicht von der schönen bayerischen Natur, sondern davon, dass man vor einer Fahrt nach Bayern unbedingt seinen Versicherungsschutz überprüfen sollte.

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