Pofalla: Der Mann, der zu viel weiß?

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Wenn Dinge geschehen, die sich nur mit viel Aufwand halbwegs plausibel erklären lassen und dann immer noch nicht glaubwürdig klingen, dann steckt meistens etwas anderes dahinter. Da erklärte der kürzlich ausgeschiedene Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (54) zunächst, er wolle beruflich kürzer treten und mehr Zeit mit seiner gutaussehenden Frau verbringen. Und jetzt wird eigens für ihn ein neues Vorstandsressort bei der Bahn geschaffen, wie diverse Medien melden. Kürzertreten und Vorstandsjob – das passt eigentlich nicht zusammen. Es sei denn…

…Pofalla bekommt den Job, damit er sein Insiderwissen für sich behält, das er als Kanzleramtschef und Geheimdienstkoordinator angehäuft hat. Die mutmaßlichen 1,8 Millionen Euro Jahressalär bei der Bundesbahn wären demnach eine Art Schweigegeld. Und im Sinne einer Staatsräson, die gut zu postdemokratischen Gepflogenheiten passen würde, wäre dieses Geld wohl gut angelegt. Pofalla könnte, wenn er wollte, sicher einiges erzählen. Etwa, was ihn dazu bewog, die NSA-Abhöraffäre für beendet zu erklären, bevor dann der Wirbel um das Handy der Bundeskanzlerin aufbrandete.

Möglicherweise hat Pofalla auch manch andere Information aufgeschnappt. Vor allem im Bereich des Terrorismus wird ja manches gemunkelt, was Geheimdienste wissen oder ahnen könnten. Etwa die rund zehn Morde der dritten RAF-Generation, die bis heute nicht aufgeklärt wurden. Schon seit langem schwelt der Verdacht, die Geheimdienste könnten damit zu tun haben. Zu dieser Gerüchtelage trug nicht zuletzt bei, dass einer der mutmaßlichen Anführer der letzten RAF-Generation, Wolfgang Grams, 1993 auf dem Bahnhof von Bad Kleinem bei einem spektakulären Polizeieinsatz erschossen wurde. 1999 wurde Horst Ludwig Meyer in Wien von österreichischen Polizisten ebenfalls erschossen. Meyer soll einer der Mörder des Siemens-Managers Kurt Beckurts gewesen sein, was aber auch nie wirklich geklärt wurde. Schon möglich, dass Pofalla etwas darüber gehört haben könnte.

Oder später dann die NSU-Mordserie an überwiegend türkischen Zuwanderern: Auch da häufen sich ja die Merkwürdigkeiten, etwa, was den Mord an dem Internet-Betreiber Halit Yozgat 2006 in Kassel und das zufällige Auftauchen des Geheimdienstbeamten Andreas T. am Tatort betrifft. Das alles ist wunderbarer Stoff für Verschwörungstheoretiker. Die haben vergleichsweise leichtes Spiel, weil die Summe der Zufälle tatsächlich auffällig groß ist und die Erklärungen, die die Behörden der Öffentlichkeit präsentieren, einfach zu konstruiert klingen, um sie umstandslos glauben zu können.

Was mich zu Roland Pofalla zurückführt und zur naheliegendsten aller Fragen: Hatte die Bahn bisher niemanden, der in der Lage gewesen wäre, mit der politischen Führung in Berlin Kontakt zu halten? Meines Wissens wird z.B. der Bahnchef vom Bundesverkehrsministerium besetzt, da sollte man sich also ohnehin kennen. Warum dann ein lukrativer neuer Vorstandsjob, der den Kontakt zur Politik pflegen soll, den bis dato niemand vermisst hat, und dann für einen Mann, der sich eigentlich um seine Frau kümmern wollte und der in seinem Leben noch nie mit Bahn- oder sonstigen Verkehrsangelegenheiten zu tun hatte?

Ich würde ihn gern danach fragen, und nach vielem anderen logischerweise auch. Und ich bin sicher, auch viele andere Journalistenkollegen würden das gern. Außerdem diverse Staaten, große Unternehmen und wohl noch so einige. Aber ein Mann, der so viel Geld bekommt, dürfte wohl für niemanden zu sprechen sein.

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