Wiederaufnahme im Fall #Peggy: Gutachter Kröber in der Zwickmühle

Prof. Hans-Ludwig Kröber, forensischer Psychiater aus Berlin, spielte beim Zustandekommen des Fehlurteils gegen Ulvi Kulac 2003 im Fall Peggy eine entscheidende Rolle – und könnte in der Wiederaufnahme dieses Frühjahr ein Debakel erleiden. Das Gericht hat ihn aufgefordert, sein damaliges Gutachten noch einmal neu zu verfassen, jedoch mit einem wichtigen Unterschied: Diesmal soll er den Stand der polizeilichen Ermittlungen berücksichtigen, den er damals – angeblich – nicht kannte. Der Job ist riskant. Stellt sich Kröber als unwissendes Opfer dar, das damals von Polizei und Justiz unzureichend informiert wurde, dann blamiert er seine Auftraggeber. Wäscht er die Ermittler von jeder Schuld rein, dann würde er sich selber bloßstellen. Ulvis Anwalt dürfte sich heute schon darauf freuen, den Gutachter in der öffentlichen Verhandlung zu zerlegen.

Kröbers Auftrag für den ersten Prozess in den Jahren 2003 und 2004 lautete, die Glaubwürdigkeit des Geständnisses von Ulvi Kulac zu bestimmen. Kulac hatte ja in einem inzwischen legendären Verhör nach falschen Vorhalten, ohne Anwalt, nach mysteriösem Ausfall des Tonaufzeichnungsgeräts und wohl auch dank Anwendung einer gesetzwidrigen Verhörmethode den Mord an Peggy gestanden. Wenig später widerrief er das Geständnis. Kröber sollte Kulac untersuchen und festlegen, was jetzt stimmte – Geständnis oder Widerruf. Kröber erklärte das Geständnis zur Wahrheit und den Widerruf zur Lüge. Dabei schrieb er auch, dass die Polizei keine Tathergangshypothese für den Mord an dem Mädchen entwickelt habe. Deshalb hätten die Ermittler keine Version der Tat gehabt, mit der sie Ulvi im Verhör hätten konfrontieren können. Das freilich war objektiv falsch, denn es gab eine Tathergangshypothese. Dass Kröber davon nichts gewusst haben soll, ist exakt einer der Wiederaufnahmegründe.

Der Auftrag des Gerichts für den kommenden Wiederaufnahmeprozess ist auf den ersten Blick bestechend logisch. Kröber, so lautet die Vorgabe, soll sein damaliges Gutachten noch einmal von vorn verfassen und nur ein Detail verändern: Er soll berücksichtigen, dass es die Tathergangshypothese gab.

Sein nachgebessertes Gutachten wird Kröber im Wiederaufnahmeverfahren präsentieren, das am 10. April beginnt. Sein Auftritt wird aber mit Sicherheit anders verlaufen als die Auftritte von Gerichtsgutachtern sonst. Üblich ist, dass Gutachter ihre Expertenmeinung zum Besten geben, höchstens ein, zwei Verständnisfragen beantworten müssen und dann wieder entlassen werden. Dieses Mal dürfte es dagegen scharfe Nachfragen von der Verteidigung geben.

Das liegt zum einen daran, dass Kröbers Gutachten inzwischen von anderen Sachverständigen ausgewertet und teils vernichtend kritisiert wurde. Es enthält grobe handwerkliche Fehler. Zum anderen hat Kröber den Verteidiger von Ulvi Kulac, Michael Euler, in einer E-Mail an mich auch persönlich geschmäht und außerdem jeden, der das damalige Urteil für falsch hält, als Verschwörungstheoretiker diffamiert. Das dürfte Euler sicher nicht dazu motivieren, Kröber unnötig mit Samthandschuhen anzufassen.

  1. Ralph Gaida

    Prof. Kröbers Ruf ist inzwischen ruiniert. Er hat sich als arroganter, opportunistischer Gefälligkeitsgutachter erwiesen und seine Reputation bis in alle Ewigkeit verspielt. Er hat die öffentliche Blamage, der er sich jetzt gegenübersieht, verdient. Eines steht für mich jedoch außer Frage: Wenn er sich im neuen „Gut“achten zwischen dem Bloßstellen seiner selbst und der Bloßstellung von Polizei und Justiz entscheiden muss, dann wird er, seinem aufgeblähtem Ego entsprechend, die für ihn natürliche Entscheidung treffen.

  2. Pete Denker

    Was mir auffällt, es gibt zahlreiche Berichte, aus denen hervorgeht, dass der Verurteilte Ulvi Kulac immer wieder von einander abweichende „Tatversionen“ zu Protokoll gab.

    Wie kann man daraus herleiten, dass das „Geständnis“, welches letztendlich die Basis des Gerichtsverfahren werden sollte, auf wahren Erlebnissen beruht?

    Schon die Ermittler gerieten an den Rand der Verzweiflung, fragten welche Version denn nun die richtige sei.

    Auf die Idee, dass keine der Wahrheit entspricht, kamen weder die Vernehmen, noch der Gutachter.

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