#Peggy-Prozess: Gutachter Kröber korrigiert sein Gutachten – ein bisschen…

Der nächste Hinweis, der auf Freispruch für den geistig minderbemittelten Ulvi Kulac deutet: Am fünften Prozesstag kam der psychiatrische Gutachter Hans-Ludwig Kröber aus Berlin zu Wort. Er hatte im ersten Prozess befunden, das Geständnis von Kulac, er habe Peggy ermordet, sei glaubhaft. Ohne sein damaliges Gutachten wäre der Angeklagte wohl nicht wegen Mordes verurteilt worden. Jetzt korrigierte seine Einschätzung nach einem langen Referat, das mal in die eine, mal in die andere Richtung tendierte. Am Ende sagte er, Ulvi habe zwar ein „gutes“, aber „mit hoher Wahrscheinlichkeit falsches Geständnis“ abgelegt.

Bei der Befragung durch das Gericht schwankte er weiter. Zwischendurch klang er, als wolle er das Geständnis doch für glaubwürdig erklären. Da allerdings schoss der Vorsitzende Richter Michael Eckstein dazwischen und erklärte:

„Wir sind uns doch alle darüber im Klaren, dass die Beurteilung der Glaubwürdigkeit alleinige Aufgabe des Gerichts ist.“

Diese Feststellung ist natürlich eine Binse, aber dass er sie genau hier anbrachte, kann man eigentlich nicht missverstehen. Das Gericht ist offenbar davon überzeugt, dass das Geständnis falsch war. Und das Geständnis war 2004 das einzige Beweismittel. Jetzt ist es erledigt – und der Freispruch wohl nur noch eine Formsache.

Spannender könnte die Vernehmung von Peggys Mutter am nächsten Prozesstag werden – deshalb, weil die Verteidigung sie in den Kreis der möglichen Verdächtigen einschließt. Das hatte Rechtsanwalt Michael Euler schon unmissverständlich festgestellt und damit die Kripo Bayreuth kritisiert, die sich auf drei andere Verdächtige konzentriert und – allerdings schwach argumentiert – auch von Ulvi Kulac noch nicht ganz lassen will. Die Ermittlungsbehörden teilen Eulers Verdacht offensichtlich nicht, auch, wenn die Vertreter der Staatsanwaltschaft sich nicht dazu bewegen ließen, zumindest informelle Ermittlungen (die es in der Praxis de facto immer mal gibt gibt, auch, wenn die Justiz das immer bestreitet) auszuschließen.

Susanne Knobloch lässt sich davon wohl wenig beeindrucken. Wie zu hören ist, wird sie kein Zeugnisverweigerungsrecht geltend machen und sich auch den Fragen der Verteidigung stellen.

  1. Joachim Adamek

    Noch einmal danke für die erstklassigen Berichte. Sie fügen sich wie farbige Steine ins Mosaik, so dass das Bild in Teilen eine neue Tiefenstruktur bekommt. Es wäre zu wünschen, wenn am Ende das ganze Bild sichtbar würde.

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