In den gierigen Klauen des fürsorglichen Steuerstaats

Gerade kommt meine Freundin ins Zimmer und teilt mir folgendes mit: Von dem Geld, das ihr Arbeitgeber ihr kulanterweise jeden Monat für Kinderbetreuungskosten bezahlt, habe sich das Finanzamt rund die Hälfte einverleibt. Das ist blöd, weil die Kinderbetreuung tatsächlich so viel kostet, wie der Arbeitgeber beiträgt, meist sogar noch etwas mehr. Das ist auch deshalb blöd, weil unsere private Kasse sowieso immer eher knapp bestückt ist, anders als – bekanntermaßen – die Staatskasse.

Vielleicht liegt es daran, dass wir unsere Kleine privat mit Hilfe einer Babysitterin betreuen lassen und uns bisher nicht entschließen konnten, sie in eine Krippe zu stecken. Es ist mir ziemlich egal, ob der Staat das gut heißt oder nicht, es geht ihn keinen Pfifferling an. Aber es ist ein starkes Stück, die Kostenerstattung des Arbeitgebers als gewöhnliches Arbeitseinkommen aufs Brutto draufzuschlagen und dank kalter Progression abzukassieren.

Gerade angesichts der jüngsten Debatte über die Rekordeinnahmen für den Fiskus und den Versuch einer einflusslosen Unions-Minderheit, die kalte Progression endlich abzuschaffen, fällt mir kein juristisch unheikles Wort für die Personen Merkel, Gabriel und Schäuble ein. Und wenn ich dann so höre, wie Komplizin Schwesig von Familienförderung faselt, dann wird aus kalter Progression kalte Wut.

  1. Kinderbetreungskosten sind Sonderausgaben und können zu 2 Dritteln von der Steuer abgesetzt werden. Vom übrigen Drittel werden nur dann max. 42% fällig, wenn das restliche Einkommen nach Abzug der sonstigen Freibeträge über 52.000 Euro im Jahr beträgt. Da kann eigentlich keine Hälfte zusammenkommen. Vielleicht einmal einen Steuerberater konsultieren.

    Natürlich reicht es nicht, dass der Arbeitgeber einen Teil des Gehalts als Kinderbetreuungskosten bezeichnet, sondern das muss Ihre Freundin schon selbst deklarieren, z. B. bei der Einkommenssteuererklärung. Wenn sie ihre Ausgaben nicht als Betreuungskosten geltend macht, ist es Einkommen. Letztlich wird das nicht anders gehandhabt als mit allen anderen Sonderausgaben: sie müssen individuell geltend gemacht werden. Woher soll der Staat sonst davon wissen?

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