Das bescheuerte „Wetten dass…?“ ist tot und die Welt damit besser

„Wetten dass…?“ Was habe ich diese Sendung gehasst! Zeit meines Berufslebens hat sie mich verfolgt. Beim Radio, bei der Zeitung – keine Ahnung, wie oft ich diesen bescheuerten Mist angucken musste oder in der Redaktion herumsitzen und warten, bis der TV-Kritiker diesen bescheuerten Mist kommentierte. Oder ein sogenannter Skandal in dieser bescheuerten Mistsendung passierte, für den sich in Wahrheit kein Mensch interessierte. Allein, dass eine Sendung so bescheuert heißen kann. Mit drei Pünktchen und einem Fragezeichen. Wenn man das zum ersten Mal aufschreiben muss, dann merkt man erst, wie bescheuert das aussieht. So bescheuert wie alles, was mit dieser bescheuerten Sendung zusammenhing.

Zum Beispiel diese zu Pseudorelevanz aufgeblasenen Nicklichkeiten: Ein Rock ist zu kurz. Ein Witz ist zu platt. Dergleichen halt. Und ständig mussten wir so tun, als würde das irgendjemanden interessieren. Haben schließlich alle Medien so gehalten. ALLE! Ausnahmslos alle Medien berichteten permanent vor und nach, was bei jeder dieser bescheuerten Sendungen so passierte. Was sagt uns das? Das diese bescheuerte Sendung relevant war? Wohl eher, dass sich Medienleute, vor allem, wenn sie Chefs werden, ziemlich lemmingshaft verhalten.

Diese bescheuerte Sendung, deren Namen ich ab sofort nie wieder schreiben muss, war nämlich immer eine sichere Bank. Nicht, weil jemand sich wirklich dafür interessierte, sondern deshalb, weil alle darüber berichteten. Und wenn das alle tun, dann kann’s nicht falsch sein. Dann riskiert keiner was, wenn er auch drüber berichtet. Dann kann niemand entrinnen, kein Leser, kein Hörer, kein Zuschauer. Wenn nur genügend Medien denselben Mist schreiben oder senden, dann ist der Mist kein stinkender Mist mehr, sondern zwangsrelevantisierter Mist.

Zum Unglück für die Branche zeigt der Untergang dieser bescheuerten Sendung auch den Untergang der Lemmings-Medien. Alle haben jahrzehntelang nur aufeinander gestarrt. Medien starrten Medien an und schrieben in Medien, was sie erstarrt hatten. Schrieben, wenn die Quote dieser bescheuerten Sendung wieder schlechter war und kamen nicht auf die Idee, dass die Quote ihrer gelangweilten Leser stieg.

Ja, am Ende war es die sogenannte schweigende Mehrheit der Nichtmedienleute, die diese bescheuerte Sendung killte. Das „Fernsehpublikum“ wollte nicht mehr zugucken. Nicht mehr einschalten, nicht mehr drüber lesen. Ist das nicht erschreckend und toll zugleich? Die Zeiten sind vorbei, in denen eine öffentlich-rechtliche Anstalt bescheuerten Mist zu relevanter Größe hochschwätzen kann, einfach nur, weil sie kann.

Weil sie nämlich nicht mehr kann. Und das ist in Wahrheit eine echt gute Nachricht!

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