Das linke Dilemma mit dem linken Tsipras und seinen rechten Partnern

Zwei Parteien in Deutschland jubeln über das Wahlergebnis in Griechenland – die Linkspartei und die AfD. Das ist ziemlich komisch. Nicht nur, weil beide aus völlig gegensätzlichen Gründen jubeln, sondern auch deshalb, weil der linke Jubel nicht ganz ernstgemeint sein kann und sich die deutsche Linkspartei schon am Tag nach der Wahl im politischen Lager links der Mitte isoliert hat – was daran liegt, dass sich die linke Syriza einen rechten Koalitionspartner ausgesucht hat.

Dabei hätte Linken-Parteichef Bernd Riexinger ahnen können, was kommt. Syrizia-Chef Alexis Tsipras hatte schon lange vor der Wahl laut und deutlich wissen lassen, wer sein bevorzugter Koalitionspartner sein werde, nämlich die als rechtspopulistisch bezeichnete Partei „Unabhängige Griechen“. Trotzdem lobte er erstmal, Syriza wecke die Hoffnung

„auf eine neue, gerechtere Politik für die Griechen“.

Auch die grüne Frontfrau Simone Peter genoss unbedacht das Gefühl des linken Sieges und meinte:

„Das ist jetzt die Chance für einen Kurswechsel, für einen Neuanfang.“

Naja, der ist jetzt in Sicht, der Neufanfang, und zwar so, wie Tsipras ihn vorausgesagt hat und wie auch Riexinger und Peter es hätten wissen müssen. Freuen wir uns auf die üblichen verquasten Debatten im Lager der linken und linkeren Parteien. Sie haben, genau genommen, schon begonnen. Ein anderer Grüner, der Bundestagsabgeordnete Manuel Sarrazin, forderte die Linkspartei auf, sich nunehr von Tsipras zu distanzieren – denn der gehe

„nur wenige Stunden nach seinem Wahlsieg in Griechenland mit Rechtspopulisten ins Bett.“

Immerhin erweist sich Sarrazin als linientreuer Parteipolitiker, der seiner eigenen Parteichefin denselben Ratschlag erspart, als habe nur die Linkspartei sogleich über Tsipras‘ Sieg gejubelt. Und bei der Linken meldet sich der unvermeidliche Gregor Gysi zu Wort, natürlich nicht etwa zur Athener Extremisten-Volksfront, sondern für ein ziemlich billiges Ablenkungsmanöver. Auf Twitter meint er:

Auch die Kanzlerin muss ihre Niederlage eingestehen. Das Wahlergebnis ist eine Absage an Kürzungen + Sozialkahlschlag

Als hätten die Griechen den deutschen Bundestag gewählt. Dagegen ist der Sarkasmus der AfD richtig befreiend. Deren Freude über den Syriza-Sieg besteht ja darin, dass sie jetzt den Austritt Griechenlands aus dem Euro erwartet.

Das sagt uns zweierlei: Zum einen, dass der Sarkasmus der AfD mehr mit der Realität zu tun hat als der linke Versuch, das Athener Wahlergebnis in linkem Sinne einzuordnen. Zum anderen, dass die gemeinhin als rechtspopulistisch bezeichneten Kräfte in Deutschland und Griechenland keine Gemeinsamkeiten pflegen, nicht einmal der äußeren Form halber.

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