Fall Lachmann: Reden wir doch mal über die journalistischen Sitten insgesamt

Der Fall des geschassten Welt-Redakteurs Günther Lachmann ist in seiner Krassheit natürlich ein Einzelfall. Aber er ereignet sich in einem Umfeld, in dem eine zu große Nähe zwischen Journalisten und Politikern und generell Journalisten und ihren Protagonisten schlechte Normalität ist. Journalisten, die nebenbei als Berater tätig sind, sind beileibe nicht selten. Die betreffenden Kollegen machen daraus noch nicht einmal ein Geheimnis. Ich kenne einige, die nebenbei für Agenturen arbeiten und da genau diejenigen beraten, über die sie auch berichten. Manch einer betreibt seine eigene Agentur, sei es als richtige Firma, sei es als Einmann-Unternehmen. Manch einer wirbt sogar offensiv auf der eigenen Webseite für seine Doppeltätigkeit als Journalist einerseits und Protagonisten-Berater andererseits.

Dass Lachmann beruflich erledigt ist mag menschlich hart sein. Aber es war höchste Zeit, dass endlich mal auf der großen Bühne zum Thema wird, wie manche Journalisten den permanenten Interessenskonflikt zum Geschäftsmodell gemacht haben. Und es wäre sehr sinnvoll, diese Diskussion in Tiefe und Breite auszudehnen. Vielleicht besinnen sich noch schnell diejenigen, denen gerade ein bisschen mulmig zumute wird angesichts der Aussicht, die Journalistengilde könne demnächst von einem Tugendfuror heimgesucht werden, der in der Vergangenheit auch schon andere Berufsgruppen umsortierte. Je schneller die Betreffenden ihre Interessenskonflikte selber abstellen, desto ungeschorener dürften sie dann davonkommen.

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