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Aiblinger Zugunglück: Das System stoppte den Fahrdienstleiter zwei Mal

Die Ermittlungen nach dem Zugünglück vom Bai Aibling konzentrieren sich immer mehr auf den unglücklichen Fahrdienstleiter, und es geht dabei offenbar um folgenden Ablauf:

  1. Mit ca. vier Minuten Verspätung fährt der Zug von Holzkirchen ein, unterwegs nach Rosenheim.
  2. Der Fahrdienstleiter gibt die „Fahrstraße“ von Aibling via Aibling Kurpark nach Kolbermoor frei. Aber das System verweigert die gewünschte Signalstellung und hält den Zug fest.
  3. Der Fahrdienstleiter gibt die „Fahrstraße“ ein zweites Mal frei. Das System sagt wieder nein.
  4. Der Fahrdienstleiter löst eine manuelle Freigabe aus – und überstimmt damit das System.

Erst dann führt der Zug ab – was bis jetzt zwar hinterfragenswert ist, aber möglicherweise noch nicht gefährlich. Denn der Gegenzug, der in Kolbermoor wartet, steht zu dieser Zeit noch still.

Dann hält der Zug Richtung Rosenheim in Bad Aibling Kurpark, nimmt noch einmal Fahrgäste auf und fährt wieder ab. Erst irgendwann jetzt bahnt sich die Katastrophe an – denn jetzt fährt auch der Zug in Kolbermoor ab. Er hat ein grünes Signal. Woher? Das gilt noch als ungeklärt.

Aber es hat wohl damit zu tun, dass der Fahrdienstleiter jetzt doch bemerkt, dass da was nicht stimmt. Nicht einmal, sondern zwei Mal soll er jetzt Notrufe über den Bahnfunk abgesetzt haben. Die kommen bekanntlich nicht an. Die internen Auswertungen der DB Netz AG ergeben, dass das Funknetz funktioniert haben soll. Warum die Zugführer die Notrufe nicht hörten ist noch ungeklärt.

Unerfreulich bleibt ein Weiteres – nämlich die Informationspolitik der beteiligten Behörden sowohl untereinander als auch gegenüber der Öffentlichkeit. Staatsanwaltschaft und Polizei einerseits tauschen sich offenbar nicht oder zu wenig mit der bahneigenen Unfalluntersuchungsstelle andererseits aus. Von der ersten Aussage des Fahrdienstleiters scheinen Polizei und Staatsanwaltschaft bis heute nichts zu wissen. Hier stellt sich die nächste Frage, die niemand beantworten will: Wieso eigentlich benötigt die Bahn für sich neben der normalen Aufklärung eine eigene Aufklärungsbehörde?

bitterlemmer: