Auf die Privatbahn einschlagen, vor der Staatsbahn kuschen?

Vor drei Jahren verlor die staatliche Deutsche Bahn die Streckenrechte für die Verbindungen zwischen München, Rosenheim, Salzburg und ein paar weitere Strecken im Alpenvorland. Eine Tochter der französischen Veolia hatte die Ausschreibung gewonnen. Der Übergang klappte nicht so toll. Ein paar Tage gab es Verspätungen, gelegentlich fiel mal ein Zug aus. Der Landrat von Rosenheim und die Bürgermeisterin von Rosenheim regten sich schwerstens auf und schickten der neuen Bahngesellschaft böse offene Briefe. „Die Ihnen anvertrauten Strecken sind kein Experimentierfeld“, hieß es da. „Tausende Pendler“ seien betroffen, die Strecke für Rosenheim „eminent wichtig“.

Heuer gab’s wieder einiges von besagter Strecke zu berichten. Erst stießen bei Abd Aibling zwei Züge zusammen. Dann, kaum war die Unfallstelle geräumt, trat ein Notfahrplan in Kraft, weil auf einer Parallelstrecke gebaut wurde. Tageweise fuhr kein einziger Regionalzug, auch nicht dieses Wochenende, auch nicht diesen Montag. Seit Monaten herrscht schlicht Chaos. Ersatzbusse kommen mal wie geplant, mal zu früh, mal viel zu spät, mal gar nicht. Die Bahn ist entlang der Mangfalltalstrecke kein planbares Verkehrsmittel mehr.

Derweil hat sich in den vergangenen drei Jahren einiges verändert. Der Rosenheimer Landrat hat gewechselt. Die Rosenheimer Bürgermeisterin ist noch dieselbe. Von „eminent wichtig“ ist freilich keine Rede mehr. Die regionalen Honoriatioren fürchten auch nicht mehr, der Bürger könne massenhaft von der Bahn aufs Auto umsteigen und damit Umweltfrevel betreiben. Vor drei Jahren fürchteten sie das noch.

Dabei war die Chaosphase vor drei Jahren, offen gestanden, nicht besonders schlimm. Ich kann mich selber noch daran erinnern. Ein paar Tage lästige Unpünktlichkeit, dann waren alle neubestellten Züge endlich geliefert und der Betrieb lief besser als je zuvor. Wirklich kein Weltuntergang. Die Chaosphase dieses Jahr dauert, wie gesagt, seit Monaten, und sie ist unvergleichlich krasser.

Warum dann schweigen Landrat und Bürgermeister diesmal? Warum spendet kein Bundestagsabgeordneter kritische Worte, wie vor drei Jahren ein CSUler aus Traunstein, der folgenden Satz zu Protokoll gab, an dem er gewiss sorgfältig feilte:

„Der Start des Pendlerverkehrs auf der Bahnstrecke Freilassing-München durch die Bayerische Oberlandbahn war kein Fehlstart, wie in einigen Zeitungen zu lesen war, sondern eine Bruchlandung!“

Jetzt hält auch der den Mund. Wohl deshalb, weil die private Zuggesellschaft nicht die geringste Schuld am diesjährigen Chaos hat. Das geht durchweg aufs Konto der staatlichen DB Netz. Die kann offenbar tun und lassen, was sie will. Die Tausenden Pendler mögen sich aufregen, den Posteninhabern ist es wohl wurscht.

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