Alte gegen junge Wähler: Der Versuch der Brexit-Delegitimierung

„Das ist ja das Fatale, dass die Alten für die Jungen entschieden haben.“

Natürlich war die ARD mit ihrer Kommentatorin Korrespondentin Hanni Hüsch ganz vorn dabei, als sich gleich nach dem Brexit-Referendum die Einschätzung verbreitete, hier hätten die Alten den Jungen mit ihrer Entscheidung die Zukunft verbaut. Kann man so sehen, ist aber vor allem demagogisch. Natürlich hatten die Alten bei dem Referendumg die Mehrheit, wie auch bei jeder anderen Wahl in jedem der überalterten europäischen Länder. Man könnte auch sagen, die Alten setzen den Jungen eine große Koalition vor, die ihre Zukunft mittels ewiger Staatsschulden und untragbarer Rentenlasten verbaut. Kausal läge dieser Vorwurf sogar viel näher als im Fall des Brexit. Aber da ist er nicht zu hören. Warum nicht?

Weil es Hanni Hüsch & col. nicht um Junge und Alte geht, sondern nur darum, dass sie den Brexit nicht mögen. Darum argumentieren sie im Fall des Brexit so und in anderen Fällen anders.

Würde es Ihnen tatsächlich um Junge und Alte gehen und darum, das Wählergewicht der jungen Generation zu stärken, dann müssten sie der früheren SPD-Familienministerin Renate Schmidt oder dem heutigen Finanz-Staatssekretär Jens Spahn (CDU) beispringen, die ein Familienwahlrecht fordern, bei dem jedes Kind eine Stimme erhält. Das würde zwar nicht die Bevölkerugspyramide sogleich ins Lot bringen, aber jedenfalls die Wahlvolkspyramide untenrum ein bisschen kräftigen.

Ich habe nur den Verdacht, dass Hanni Hüsch & col. exakt das gar nicht wollen. Es wäre ja gegen ihre eigenen Interessen. Das macht es umso unappetitlicher, dass sie jetzt selektiv so argumentiert, allein zu dem Zweck, eine demokratische Entscheidung aus privaten Meinungsgründen zu delegitimieren.

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