Die Frage, die eine Kollegin berühmt machte

„Berühmte Trump-Fragestellerin“ – so nennt der Medien-Branchendienst kress.de die dpa-Reporterin Kristina Dunz. Berühmt? Wie Einstein, Brad Pitt oder Donald Trump? Das erscheint mir übertrieben, und ich bin mir auch nicht sicher, ob die Betreffende das selbst so sieht. Sie hat ja nur bei einer PK (wenn auch auf höchster Ebene) eine Frage gestellt. Die richtete sie an Donald Trump. Sie lautete:

„Warum macht Ihnen Pressevielfalt eigentlich so große Angst, dass Sie so oft von Fake News sprechen und selbst Dinge behaupten, die dann nicht belegt werden können, wie die Äußerung, Obama habe Sie abhören lassen?“

Gute Frage. Der Jubel darüber ist sicher angebracht. Aber er ist vielleicht ein bisschen zu laut.

Wäre eine solche Frage nicht mutiger und angebrachter, würde man sie Putin oder Erdogan stellen? Oder dem türkischen Botschafter in Berlin? Ich bin ja nach wie vor nicht wirklich davon überzeugt, dass Trump die Pressefreiheit schleifen oder die Medien unterdrücken will. Ich glaube eher, dass sein Zoff, den er mit vielen Medien pflegt, die Medien stärkt. Das wäre anders, säßen US-Journalisten in Gefängnissen. So wie in Russland oder der Türkei.

Wäre eine Frage vergleichbarer Stoßrichtung nicht angebrachter an die Adresse von Angela Merkel oder an Justizminister Heiko Maas? Der brütet gerade ein Gesetz aus, das die Grenzen zwischen verbotenen Medieninhalten und erlaubter Meinungsäußerung auf Gutsherrenart zerkocht. Dieses Gesetz trägt den rätselhaften Namen „Netzdurchsetzungs-Gesetz“. Manche Experten halten es für verfassungswidrig. Mir ist nicht bekannt, dass Donald Trump ein Gesetz in der Mache hat, das derartig Richtung Zensur geht wie das der deutschen Bundesregierung.

Und wo sind Reporter zuletzt unrechtmäßig von Behörden verfolgt worden? An Fälle in Deutschland erinnere ich mich. Da war vor allem der Cicero-Fall. Strafverfolger und ein Landgericht gingen gegen einen Journalisten vor, und zwar nur deshalb, weil der seine Arbeit tat und dies innerhalb des gesetzlichen Rahmens. Erst das Bundesverfassungsgericht stoppte die staatlichen Presseverhinderer. Alles gut damit? Nein! Wer, bitte, hat die Ausdauer und die Ressourcen für den Gang durch alle Instanzen? Und kennt jemand einen vergleichbaren Fall aus den USA? Und wieso sind die, die gesetzwidrig gegen einen Journalisten vorgingen, eigentlich noch in Amt und Würden?

Und wie stehen wir eigentlich dazu, dass deutsche Gerichte Journalisten seit Jahren das Leben mit immer irreren Akkreditierungs-Auflagen und Sicherungsverfügungen erschweren? Auch das: nicht vorstellbar in den USA. Oder die Praxis des fliegenden Gerichtsstandes, den Hamburger Landgericht und OLG sich anmaßen, obwohl er ausdrücklich verboten ist. Seit Jahren nehmen die Hamburger Richter jede Klage gegen Medien an, auch, wenn sie örtlich nicht zuständig sind. Und weil sie als pressefeindlich bekannt sind klagt jeder, der Medien am Zeug flicken will, in Hamburg. Meist mit Erfolg. Wo bitte ist der Justizminister, diese gesetzteswidrige Praxis zu stoppen? Und fällt irgendjemandem noch eine westliche Demokratie ein, in der derartiges möglich ist? 

Bei aller Wertschätzung also dafür, dass jemand Trump mit dieser Frage konfrontiert hat – wäre es also nicht glaubwürdiger, zuerst im eigenen Stall auszumisten und sich vielleicht danach auch fremden Ställen zuzuwenden? 

  1. Gerhard Lehrke

    Haben Sie sich für dieses Event auch akkreditiert, Herr Lemmer? Inzwischen sagen Berliner Verwaltungsmitarbeiter einem nicht einmal mehr die Uhrzeit, wenn sie wissen, dass man Journalist ist. „Fragen Sie die Pressestelle“. Nichtsdestotrotz finde ich die Verbindung, die du zwischen den Vorgängen in den USA und in D herstellst, falsch. Schon deshalb, weil der orangefarbene Mann noch nicht wirklich viel Zeit hatte, seine Paranoia auszuleben.

  2. christophlemmer

    Hi Lerry, dann denk‘ Dir den Zusmmenhang doch einfach mal weg. Warum halten wir eigentlich redaktionell die Klappe, wenn uns Verwaltungsmitarbeiter nicht mal mehr die Uhrzeit verraten? Warum hauen wir derartiges (Dein Beispiel symbolisch genommen) nicht den Müllers und Merkels auf den PKs um die Ohren? Wenn wir, und damit Zusammenhang wieder hergestellt, mit derartigem dem Trump kommen, dann doch wohl den unsrigen erst Recht.

Was denkst Du?