March for Science oder March for Bias?

Für die Freiheit der Wissenschaft auf die Straße zu gehen finde ich im Prinzip super. Wissenschaft und Medien haben manches gemein. Beide gedeihen am besten, wenn man sie einfach machen lässt. Beide haben ein Problem, wenn sie vom Staat oder sonstwie von fremden Interessen gebremst oder gesteuert werden. Insofern ist es okay, wenn Wissenschaftler und Freunde der Evidenz sich dagegen wenden, von Donald Trump behindert zu werden. Allerdings macht es hellhörig, wenn es erst Trumps bedarf, um gegen staatliche Einmischung zu protestieren, denn da gäbe es auch andere Anlässe.

Beispeilsweise finde ich es unsäglich, dass der deutsche Staat so tut, als sei Homöopathie eine ernstzunehmende Heilmethode. Das tut er, denn er verhängt die Apothekenpflicht auf homöopathische Hokuspokus-Medizin. Für wirkungsloses Schütteln gen Erdmittelpunkt womöglich bei Mondschein gelten also strengere Regeln als für Calcium, Natrium oder Vitamin C, die auch in Drogerien im Regal stehen. Das ist unwissenschaftlicher Humbug. 

Und ein wenig anrüchtig finde ich auch, dass die Ausrichter des March for Science sich stets auf den Klimawandel berufen. Ich finde das nicht deshalb anrüchig, weil ich bezweifle, dass sich das Klima wandelt oder dass die Wissenschaften hier nicht forschen sollten, sondern weil hier eine These zur vermeintlichen Tatsache umgemendelt wird, nämlich die, dass der Mensch die Chance habe, Klimawandel zu verhindern und – weitere These – dass das überhaupt sinnvoll ist. Die Ursachen und Folgen des Kimawandels scheinen mir eher noch gar nicht fertig erforscht zu sein und die Einflüsse von Sonne und kosmischen Partikeln eher unterbelichtet. Und die aggressive Niederschrei-Rhetorik auf solche Einwände finde ich noch weniger wissenschaftlich.

Darum frage ich mich schon, wie ehrlich die Motive der Marschierer sind. Es ist nicht im mindesten mutig, gegen Trump auf die Straße zu gehen. Wer das tut, riskiert nichts. Hierzulande noch weniger, als Trump hier nicht regiert. Hierzulande protestieren ja auch eher Leute, die mit hiesigen staatlichen Führung gut können und noch besser von ihr leben. Das macht nochmal misstrauisch. Geht’s vielleicht weniger um Freiheit der Wissenschaft? Oder doch eher um die Durchsetzung eines engen Weltbildes? Quasi wissenschaftliche Binnenpluralität im Sinne des Zeitgeistes?

Das wäre dann eher das Gegenteil von frei.

  1. Ich denke, man sollte Apotheken und Drogerien auseinanderhalten und Natrium, so es denn in Drogerien zu erhalten sein sollte, nicht mit Wasser zusammen einnehmen ;-)

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