Ausgerechnet Kröber… dachte ich. Aber sein Gespräch mit Beate Lakotta ist nachdenklich und aufschlussreich

Gerichtsgutachter Hans-Ludwig Kröber hatte schon mal das Pech, sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt zu haben und mir damit genau vor die Flinte zu laufen – im Fall Peggy. Da war er ja zuerst derjenige, dessen Gutachten dem Gericht zur Verurteilung eines offensichtlich Unschuldigen verhalf und der dann im Wiederaufnahmeverfahren etwas unglücklich daherkam und auf identischer Tatsachenbasis nicht mehr ausschließen wollte, dass das Geständnis dieses geistig unterbelichteten Mannes auf polizeilicher Manipulation beruhen könnte. 

Jetzt hat Spiegel-Gerichtsreporterin Beate Lakotta Kröber für ein Interview gewonnen. Das passt – Lakotta ist die, die sich immer wieder traut, auch mal gegen die gesamte Meute anzuschreiben. Im Fall Mollath war sie eine der wenigen, die es wagte, nicht nur das harmlose Psychiatrie-Opfer in ihm zu sehen (ich habe den Mann mal kennengelernt und hatte den Eindruck, dass er schlicht nicht richtig tickt).

Auch um Mollath geht es in dem Interview. Kröber war ja einer derjenigen, die ihn begutachteten. Und über dessen heutigen Zustand und seine Gefährlichkeit oder Harmlosigkeit, je nachdem, sagt er, sehr zutreffend:

Er ist als Medienstar in eine völlig neue Lebenssituation gekommen. Von seinen Verschwörungstheorien um bayerische Finanzskandale hört man nichts mehr.

Worauf der interessanteste Punkt dieses Interviews folgt: Was bedeutet es eigentlich, jemanden als gefährlich einzuschätzen? Wie hängen Verbrechen und Persönlichkeit zusammen? Kröbers Antwort:

Viele Taten sind ein punktuelles Versagen eines normalen Menschen in einer Situation, die ihn moralisch überfordert, in der er sich aus Affekten heraus – Wut, Gekränktheit, romantischen Gefühlen – falsch entscheidet. Aber die schlimme Tat gibt nicht wirklich Aufschluss darüber, dass seine Persönlichkeit anders wäre als die anderer Menschen.

Eigentlich logisch, oder? Ein Mensch ist nicht rund um die Uhr gleichbleibend böse und der andere nicht gleichbleibend rund um die Uhr gut. Wie also soll ein Gutachter die Gefährlichkeit eines Täters für die Zukunft richtig einschätzen, eine Gretchenfrage in vielen Strafprozessen? Kröber sagt selbstkritisch, er habe sich des öfteren getäuscht, eben genau deshalb, weil die Situationen, die auf einen Menschen zukommen, nicht vorhersehbar sind.

Man möchte fast hinzufügen: Wäre doch auch die Justiz so selbstkritisch, denn nur die verantwortet den Schaden, wenn Urteile daneben gehen. Der Gutachter ist nur fachlicher Berater, nicht mehr.

  1. Luise Schmuck

    Mit dem Fall Mollath habe ich mich intensiv befasst,,,,ich habe auch das Gutachten von H. Kröber gelesen.
    Beim Fall Mollath hätte es gar kein Gutachten geben dürfen, weil ihm keine einzige schwere Straftat nachgewiesen werden konnte. Das ist das Entscheidende im Fall Mollath.
    Fr. Lakotta hat mit H.Mollath gesprochen, als er bereits mehrere Jahre in Gefangenschaft mit schwerst Gestörten gegen seinen Willen eingesessen hat.. Ich würde gerne Fr. Lakotta sehen, wie sie ticken würde, hätte man sie selbst eingesperrt. Dabei ging es nicht einmal darum wie H. Mollath tickt, sondern ob er gefährlich war oder noch ist.. Sie wollte wohl mit ihrer gegensätzlichen Meinung halt auch nur Aufmerksamkeit erhaschen.

    Der Fall Mollath hat mir gezeigt, wie gefährlich es ist, wenn Psychologie, Justiz und Journalismus zusammen arbeiten. Es ist eine Macht erkennbar die mich an die frühere Inquisition erinnert.
    Beim Fall Mollath und auch im Fall Peggy hat sich der Journalismus als Segen erwiesen. Bitte macht weiter so….solange es noch eine bedingte Pressefreiheit gibt.
    Die Psychologie sollte einmal kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden, bevor sie mit ihren Gehilfen still und heimlich versucht uns zu entmündigen.
    Kennst du das Buch “ Die Abschaffung der Psychotherapie“ von Jeffrey M. Masson ?

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