Schick, schwarz, schlau: Hightech-Gadget fürs Fahrrad

Jetzt ist mein Smarthalo doch eingetroffen – als hätte mein Schmähtext gegen den Zoll wie ein Fußtritt gewirkt. Mit 8,75 Euro Zollnachnahme war der Spaß auch noch überraschend preiswert. Was das Ding kann? Navigieren, Zeit messen, Fitness tracken, Anrufe melden, das Rad bewachen und Licht spenden. Manches richtig gut, anderes noch nicht so ganz.

Coole Verpackung, die ich da aus der Versandpappe hole. Weiß, schlichtes Design, Vorbild Apple. Das Gerät darin passt: Einfach nur schwarz, ohne unnötige Schnörkel, sogar extrem unterkühlt. Man sieht, wenn das Teil ausgeschaltet daliegt, quasi nur eine glatte schwarze Oberfläche. Als ich es mit einem USB-Ladekabel verbinde ändert sich das kurz: ein kleines rotes Lämpchen leuchtet. Ich aktiviere Bluetooth am iPhone und starte die Smarthalo-App. Die begrüßt mich mit dem Hinweis, dass ein Software-Update vorliege. Ich bestätige, das Update spielt sich anschließend von allein auf.

Die App steuert nicht nur das Gerät, sondern beinhaltet auch Installations- und Gebrauchsanweisung. Der erste Ladevorgang dauere rund vier Stunden, heißt es darin. Das geht bei mir viel schneller. Schon nach zwei Stunden zeigt die Akkuanzeige (ebenfalls in der App auf dem iPhone) 100 Prozent Ladestand an. In der Installationsanleitung steht, es gehe am schnellsten, wenn man das Smarthalo per mitgeliefertem USB-Kabel an den Computer hänge. Ich habe stattdessen mein Kindle-Ladegerät benutzt – offensichtlich eine gute Entscheidung.

Der Anbau an den Fahrradlenker ist ein Klacks. Die Anleitung ist detailliert, verständlich und deppensicher. Alles Material ist übersichtlich in kleine Klarsichttütchen verpackt. Eigenes Werkzeug wird nicht benötigt. Nach zehn Minuten ist die Halterung am Lenker montiert. Danach muss man eine Art Magnetschlüssel an das Smarthalo-Gehäuse halten, wodurch der Haltemechanismus entriegelt wird. Man kann das Gerät dann auf die Lenkerhalterung stecken. Abnehmen lässt es sich ebenfalls nur mit dem Magnetschlüssel. Das sei diebstahlssicher, meint der Hersteller. Mal sehen.

Die Navigation basiert auf dem Kartenmaterial von Openstreetmap. Warum nicht Google? Das dürfte mit Lizenzkosten zu tun haben und muss auch kein Nachteil sein. Openstreetmap gilt als gut gepflegt. Die ersten Fahrten bestätigen das. Zum Start: Von Bruckmühl zu einer Adresse in Bad Aibling. Ich gebe Start und Ziel in der App ein. Als ich mich dem Fahrrad nähere begrüßt mich Smarthalo mit einem bunten Lichterkranz im Display. Später dient das Rund aus mehrfarbigen LEDs als Navi-Anzeige. Leuchtsignale auf der linken Seite: Links abbiegen, wobei das Gerät auch stumpfe oder spitze Kreuzungswinkel als spitz oder stumpf anzeigt. Zuerst lotst es mich auf eine nicht so tolle Strecke, die ich aber ignoriere und stattdessen einen Fuß-/Radweg am Bahndamm wähle. Das Navi kapiert sofort und führt mich zum Ziel. Eine einzige Kreuzung hat es übersehen, hier hätte ich mich verfahren.


Zweite Tour: Zum Biergarten Filzenklaas bei Tuntenhausen. Das Lokal ist in der Datenbank nicht verzeichnet (anders als bei Google), aber wenn ich auf dem iPhone den Finger ein Weilchen auf den Zielpunkt in der Karte drücke versteht die App das als Zieleingabe. Brav! Die Fahrt führt über das Gelände des Maxlrainer Schlosses. Eine etwas verschlungene Struktur von kleinen Wegen (siehe Foto). Smarthalo navigiert souverän übers Gelände und am Schloss vorbei und findet tatsächlich den kürzesten Weg zum Filzenklaas. Auf dem Rückweg gibt’s allerdings Aussetzer. Zwei Mal beendet sich das Navi ohne ersichtlichen Grund. Möglicherweise liegt’s am Mobilnetz der Telekom: Immer wieder steht nur unbenutzbares Edge zur Verfügung. 

Aber im Grunde funktioniert das Navigieren wunderbar. Ein paar Kleinigkeiten sind noch zu verbessern, etwa an den Anzeigen in der App. Die Meldung, dass das Ziel erreicht sei, wid nur unvollständig angezeigt (da fehlt ein Wort). Unterwegs werden Weg-Anweisungen nur auf Englisch vermeldet, da sind wohl noch nicht alle Sprachfiles übersetzt. Kreisverkehre werden als normale Kreuzung angezeigt, die Anzeige für links abbiegen bedeutet also (meist): Kreisverkehr an der dritten Ausfahrt verlassen. Das soll sich aber ändern. Die Hersteller sind hier noch am Überarbeiten. Vermutlich dürfte es demnächst ein Update geben.

Toll funktioniert die Frontlampe. Auf dem Heimweg dämmert es. Links von mir schimmert der Wendelstein rötlich im Sonnenuntergang, vor mir hat sich automatisch die LED-Beleuchtung eingeschaltet. Mit der App lässt sich einstellen, ob sie dauerleuchten oder blinken soll. Mit zwei sanften Schlägen auf den Kopf lässt sich die Lampe auch händisch ein- oder ausschalten. Meine vorherige normale Frontlampe habe ich hiermit entfernt.

Ebenfalls nichts auszusetzen gibt’s an der Alarmfunktion. Ist der Besitzer außer Reichweite schaltet sie sich automatisch scharf. Nimmt dann wer das Rad und bewegt es, warnt Smarthalo zunächst mit drei roten Lichtpunkte vor. Wackelt es weiter wird Smarthalo immer lauter. Der Warnton könnte tatsächlich manchen Fahrraddieb verschrecken.

Zur Anruf-Meldung kann ich noch nichts sagen, weil mich während meiner bisherigen Fahrten einfach niemand angerufen hat. Trage ich ggf. nach.

Eher unbrauchbar ist der Fitness-Tracker. Eigentlich soll er Zeit, Entfernung, Durchschnittsgeschwindigkeit, Kalorien und „eingespartes CO2“ anzeigen – jaja, wir leben halt im Zeitalter grüner Politik. Aber mir bleibt rätselhaft, wie man der App erklärt, dass sie jetzt bitte mit der Datenerfassung beginnen möge. Einmal gelingt es mir, dann wieder nicht, und die einzige gemessene Fahrt lässt sich nicht mehr abrufen, obwohl es eine Funktion dafür gibt. Die Fitness-Funktion gefällt mir schon konzeptionell nicht. Besser wäre es gewesen, die Daten an die Apple-Health-App zu übergeben. So aber ist das eine Insellösung, zudem eine merkwürdige.

Und schließlich: Wie schaut’s aus mit dem Stromverbrauch? Der Hersteller meint, eine Akkuladung reiche gut und gern drei Wochen. Ob das hinhaut wird sich zeigen. Am ersten Tag ging der Smarthalo-Akku schon runter von 100 auf 67 Prozent. Am Tag darauf zeigt er wieder 75 Prozent an. Klar wird, dass das Gerät jedenfalls eine Weile durchhält. Ebenfalls klar wird aber auch, dass das nicht für das iPhone gilt, das ja vor allem beim Navigieren auch die Hauptarbeit leistet und seine Infos nur auf dem Smarthalo anzeigen lässt. Eine Stunde Fahrt haben ein Drittel des iPhone-Akkus geleert. Längere Touren dürften ohne Powerbank kaum zu machen sein.

Unterm Strich bleibt aber: Tolles Teil. Macht Spaß. Das hat sicher auch mit dem Exklusivitätsfaktor zu tun, denn zu kaufen gibt es das Smarthalo bisher nur direkt beim Hersteller in Kanada.

Übrigens hätte ich so etwas auch gern für mein Motorrad. Motorrad-Navis sind alle wie Auto-Navis, mit Hässlichkeit und umständlicher Bedienung. Da wäre das Smarthalo ein echter Fortschritt, und Akkukapazität wäre mit Anschluss am Bordnetz kein Thema.

  1. haste Glück gehabt – beim Zoll. Hier in Berlin musste die Rechnung vorzeigen und dann auf die 139 $ 19 % Zoll zahlen – aktuell 22,30 €. Bei dir haben sie wohl nur die außen angebrachte Zollerklärung über 50 Can$ als Grundlage genommen. Ich musste sogar das Päckchen öffnen und erklären, was es ist. Und jetzt warte ich erst einmal, ob der Inhalt mir gefällt….

  2. Matthias Meckel

    meines ist auch beim zoll gelandet. habe nach über 2 jahren die rechnung bzw zahlungsbeleg nicht mehr gehabt,aber smarthalo hat sie mir nochmal geschickt. auf der rechnung steht 119 dollar fürs gerät+25 dollar versand. bin mal gespannt wieviel ich latzen muss -_-

Was denkst Du?