Lässt sich an Kindermusik ablesen, wie kinderfreundlich ein Land ist?

Bin ich eigentlich in diesem Land der einzige, der sich leicht verzeifelt fragt, welche Musik er seinem Kind vorspielen kann? Und zwar ohne dem Kind schon zu Beginn seines Lebens jeden guten Geschmack abzugewöhnen?

Ich bezahle inzwischen für mehrere Musik-Abos im Netz. Die Suche nach „Kinderlied“ oder „Kindermusik“ erbringt eigentlich durchgehend billigste Schrottmusik. Schmierige Synthieklänge, entweder durchgeknallte oder uninspirierte Sänger, die als Sänger zu bezeichnen jeden wirklichen Sänger beleidigen würde, überinfantilisierte Stimmung – es ist einfach grauenhaft. Zu den besseren Angeboten gehört ein gewisser Kalle Klang. Da kommt wenigstens hier und da mal eine echte Gitarre vor. Ganz nett musiziert, aber hoffnungslos aus der Zeit ist ein Albm namens „Die kleine Geige“.

Sucht man dagegen französische oder englische Kindermusik, dann schmeißen sowohl iTunes als auch Google und Amazon ein riesiges Angebot an teils fantastischen Alben und Stücken aus. Was bedeutet das? Sind uns unsere Kinder egal? Scheren sich Angelsachsen und Franzosen mehr um die Seelenwelt ihrer Kinder als wir? Streiten wir Deutschen lieber über Kindergartenzuschüsse und mehr Stellen für Erzieher und Sozialarbeiter statt dass wir uns um die Empfindungen unserer Kinder kümmern? Stimmt es, dass wir in Wahrheit die Kinderfeinde sind, für die wir uns sogar selber halten? Was ist das hier eigentlich für eine kulturelle Wüste, wenn Schnappi ein Hit werden kann? Und ist eigentlich mal jemandem aufgefallen, dass es offenbar keinen einzigen neuen akzpetablen Kindertitel gibt, sondern bestenfalls akzeptable Neuinterpretationen alter Kindermusik? Wie krank ist es eigentlich, Kindern eine Billigqualität zuzumuten, die sich kein Erwachsener freiwillig anhören möchte?

Wie verwahrlost sind wir kulturell eigentlich, wenn Nenas Kinderalben zum Besten zählen, was es seit langer Zeit gibt? Und was heißt es übrigens auch für Medien, wenn die wenigen guten Kindermusiker völlig unbekannt sind und von den ansonsten über jeden Schmarrn daherschwätzenden Feuilletons ignoriert werden?

Ich bin da mal auf eine Jonina (mit o) gestoßen, von der es bei iTunes drei Alben gibt, davon eines mit Kirchenliedern für Kinder. Das war echt befreiend. Die kann richtig singen und sie hat ein kleines Ensemble guter Musiker mit echten Instrumenten beisammen. Bei Angelsachsen und Franzosen eine Selbstverständlichkeit, hierzulande rare Ausnahme.

Bin ich eigentlich der einzige, den das stört?

Was denkst Du?