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Das Kartell der Totalversager

Politik ist nicht nur ein schmutziges und unehrliches Geschäft, es ist auch ein Geschäft der verdrehten Werte. Versager gelten als erfolgreich. Schlechte Nachrichten gelten als gute. Worte gelten als Taten. Opportunismus gilt als Zivilcourage.

 

I.

Der Staat schwimmt im Geld. Der ausgeschiedene Finanzminister feiert sich für seine „schwarze Null“. Im realen Leben außerhalb der Politik wäre er eine solche. Die Konjunktur brummt seit Jahren – nicht dank der Politik, sondern dank der Wirtschaft und ihrer Mitarbeiter. Die Minderheit der Nettozahler unter der Bevölkerung zahlt zwangsweise immer größere Anteile ihres verdienten Einkommens an den parasitären Staat, der es dennoch nicht schafft, endlich die drückenden Staatsschulden zu begleichen. Wann, wenn nicht jetzt? Wenn die nächste Krise kommt, was dann? Und dass die nächste Krise kommt, das müssten die Regierenden wissen. Sie sind blinde Anhänger von Keynes, weshalb Sie vorgeben, sie betrieben keynsianische Konjunkturpolitik. Keynes predigte, der Staat möge in schlechten Zeiten mit staatlichen Eingriffen die Wirtschaft anschieben. Ja, das haben sie verstanden, die Versager. Keynes predigte auch, der Staat möge in guten Zeiten etwas zurücklegen, damit er in schlechten Zeiten ein Polster habe. An dieser Stelle versagen den Versagern immer die Ohren.

II.

Nach Jahren der Hochkonjunktur und Geldschwemme im Staatssack hat Deutschland eine schlechtere Mobilfunk-Infrastruktur als die Türkei, Estland, Lettland, Litauen, Österreich, Island, usw., usf. In einer Boomregion wie Oberbayern ist es unmöglich, am Handy in der Bahn ein Gespräch auch nur fünf Minuten unterbrechungsfrei zu führen. Zwischen München und Rosenheim, wo ein wesentlicher Batzen der von den Versagern verschwendeten Milliarden verdient wird, kann man froh sein, wenn mal eine Webseite dank Edge Bit für Bit bis zum funktionsfähigen Ende geladen wird. Es ist eine einzige Plage. Schuld ist die Deutsche Telekom. Diese Firma wird vom Staat als wichtigstem Eigentümer beherrscht. Sie geht nicht etwa mit gutem Beispiel voran, sondern mit schlechtem. Sie leistet sich die Unverschämtheit, Kunden die miesesten und teuersten Leistungen abzuknöpfen, weil der Staat seiner Firma gesetzliche Rahmenbedingungen schenkt, die das erlauben. Der Rest der Branche, inzwischen ein Oligopol aus drei im Grunde kriminellen Mafiabünden, folgt jubelnd. 

III.

Bei der Bahn geben Sie gerade größere Beträge für Reklame aus, um sich für ihre ICE-Expressstrecke zwischen Berlin und München zu selbstloben. Wow! 1989 fiel die Mauer, 1990 wurde Deutschland wiedervereint. Da hat der Versagerstaat dann glatte 27 Jahre gebraucht, um das zu schaffen, was seit 50 Jahren die Bullet-Train-Betreiber in Japan noch besser hinkriegen als die deutschen Staatsbahner nach derart langem Anlauf. Zwischen Peking und Shanghai funktioniert das auch besser und schneller. Statt sich für eine Selbstverständlichkeit zu loben sollten Bahn und ihre politischen Aufseherversager sich lieber daran machen, auch andere Städte mit zeitgemäßen Verbindungen auszustatten. Etwa Stuttgart, Köln, Frankfurt, Dresden, Hamburg. Oder, wenn wir mal europäisch denken, Prag und Wien. Da liegt es nur an den deutschen Versagern, dass es da bis heute eine nur skandalöse Bahnverbindung gibt.

IV.

Es gibt natürlich auch außerhalb der Berliner Bullshit-Schlösser Versager. In Madrid und Brüssel laufen davon auch viele herum. Es ist die Klasse von Schwätzern, die bei allem und jedem ihre Vorschriften bemüht, die sie denen vorhält, deren Geld sie für ihr Lotterleben einkassiert. Es sind offenbar überwiegend Leute, die keine Freunde, keine Familie und keine eigenen Kinder haben und denen darum jedes normale Gefühl von Leben, Leidenschaft und Zugehörigkeit abgeht. Die kennen nur ihre blutleere Formularscheiße. Herr Rajoy jammert, die Katalanen hätten gegen die spanische Verfassung verstoßen. Er selber verstieß gegen demokratische Grundregeln, die auch in der Verfassung stehen. Außerdem verstieß er gegen Menschenrechte, als er Hunderte Katalanen niederknüppeln ließ. Bei den Versagern in Brüssel und Berlin zählt allein die Sicht des Versagers Rajoy. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Auch Spanien ist ein Versagerstaat. Da funktioniert sogar noch weniger als in Deutschland. Das ging den Katalanen so massiv auf den Senkel, dass sie sich nach Befreiung sehnten. Das könnte in anderen von Versagern beherrschten Ländern auch noch so kommen. Es wäre eine gute Nachricht, die die Versager als schlechte ansähen.

bitterlemmer:

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  • "...endlich die drückenden Staatsschulden zu begleichen. Wann, wenn nicht jetzt?" Vielleicht sollten Sie die Funktionsweise unseres Geldsystems einmal näher studieren.

  • Nein. Aber bequem. Haben Sie den Text gelesen? Er schreibt ja schon sehr am Anfang, wie die Staatsschulden zunahmen, aus seiner Sicht aber ohne entsprechende Gegenleistung. So ist es wohl. Meine Argumentation war aber konkret eine andere: Staatsschulden sind aus Keynsianischer Sicht uU sinnvoll, aber nicht unbeschränkt und nur zum Zwecke des Konjunkturausgleichs. Dazu schreibt er allerdings bis zum Schluss nix, so dass ich mich, äh, höflich für Ihren Link bedanke.

  • Er beschreibt, dass Schulden nach keynesianischer Lesart den Kapitalstock einer Gesellschaft vergrößern, also als "gute" Schulden zu bezeichnen sind. Wolfgang Streeck folgend, dass der Kapitalismus ab den 1970iger Jahren begann, die Produktivitätsfortschritte nicht mehr "gerecht" zwischen Arbeit und Kapital zu verteilen, erwuchs daraus und eingedenk einer höhreren Sparneigung des Kapitals die verzweifelte Suche nach Anlagemöglichkeiten (Kapitalverwertung bei Marx) für das akkumulierte Kapital. Da Geldmögen sich spiegelbildlich zu Schulden verhalten, entsteht der Zwang, Nachschulder zu finden. You see?