Wenn es unglaubwürdig aussieht, dann liegt das möglicherweise daran, dass es unglaubwürdig ist

Martin Schulz möchte Minister werden. Wollte er neulich noch nicht. Und weil Martin Schulz ein Großpolitiker ist, durchfeuchtet vom Geist des Weitblicks und der Vision, wollte er nicht nur vorübergehend nicht Minister unter Angela Merkel werden, sondern für immer und nie und nimmer. Klick auf das Video, um Schulz sagen zu hören, er wolle nie unter Angela Merkel Minister werden. Nie. Noch einmal: Nie.

Jetzt enthüllt der Spiegel, Martin Schulz wolle doch Minister werden. Finanzen oder Äußeres würden ihm gefallen. Und Spiegel-Korrespondent Veit Medik hat kein Problem damit, Schulzens neuen Minister-Ehrgeiz so zu kommentieren: „Unglaubwürdig? Keineswegs.“ Um es kurz zu machen: Die Überschrift ist mit Abstand das Beste an dem Kommentar. Sie suggeriert, es sei möglich, sowohl eine Aussage als auch ihr Gegenteil logisch und schlüssig unter einen logischen Hut zu bringen. Aber es bleibt bei der Suggestion. Insofern ist es sinnvoll, den Kommentar komplett bis zum Schluss zu lesen. Je weiter sich der Text optisch von der Überschrift entfernt, desto weiter entfernt er sich auch von der steilen These der Überschrift. Am Ende geht es um ganz anderes. Man hat fast vergessen, wie die Überschrift hieß, wenn man das letzte Wort gelesen hat.

Resümee: Wenn Martin Schulz heute das eine sagt und morgen das Gegenteil, dann ist es genau das, wonach es aussieht: unglaubwürdig. Wenn ein Journalist behauptet, es sei nicht, wonach es aussieht, obwohl es nur deshalb so aussieht, weil es so ist, dann ist das unschlau. Weil es die Glaubwürdigkeit des Journalisten und seines Mediums auf das Maß der Schulz-Glaubwürdigkeit reduziert.

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