Beiträge

Wie immer werde ich misstrauisch, wenn das etablierte rot-grüne Milieu sich allzu einig ist, und zwar auf diese unangenehme Art, dass der Eindruck entsteht, man vertrete dort nicht eine von mehreren möglichen Ansichten, sondern eine höhere, nicht diskutable Wahrheit. Diverse Sprecher von SPD und Grünen, allerdings auch der eine oder andere aus der Union,  sprechen nach dem griechischen Referendum immer noch davon, Griechenland im Euro-Währungsverbund zu halten. Damit erinnern sie mich ein bisschen an ihre Genossinnen und Genossen, die nach dem 9. November 1989 auch meinten, die Wiedervereinigung Deutschlands stehe mitnichten auf der Tagesordnung.

Weiterlesen

Griechenland bandelt neuerdings mit Russland an. Putin soll der klammen Regierung aushelfen. Das wird er bestimmt gerne tun. Die Reaktionen sind voraussehbar bzw. jetzt schon zu besichtigen. Der Westen wird sich genervt bis empört geben. Aber warum eigentlich? Die Griechen haben gerade erst ihre neue Regierung aus Links- und Rechtsradikalen gewählt. Wenn diese Regierung ein paar grundlegende Dinge anders regeln will als ihre Vorgänger, dann hat sie dafür das Mandat des Souveräns. Was regen wir uns also auf?

Weiterlesen

Zwei Parteien in Deutschland jubeln über das Wahlergebnis in Griechenland – die Linkspartei und die AfD. Das ist ziemlich komisch. Nicht nur, weil beide aus völlig gegensätzlichen Gründen jubeln, sondern auch deshalb, weil der linke Jubel nicht ganz ernstgemeint sein kann und sich die deutsche Linkspartei schon am Tag nach der Wahl im politischen Lager links der Mitte isoliert hat – was daran liegt, dass sich die linke Syriza einen rechten Koalitionspartner ausgesucht hat.

Dabei hätte Linken-Parteichef Bernd Riexinger ahnen können, was kommt. Syrizia-Chef Alexis Tsipras hatte schon lange vor der Wahl laut und deutlich wissen lassen, wer sein bevorzugter Koalitionspartner sein werde, nämlich die als rechtspopulistisch bezeichnete Partei „Unabhängige Griechen“. Trotzdem lobte er erstmal, Syriza wecke die Hoffnung
Weiterlesen

Drolligerweise hat bisher niemand den naheliegenden Zusammenhang zwischen der neuen Merkelschen Skepsis gegen Griechenlands Mitgliedschaft in der Euro-Zone und dem neuen Euro-Land Litauen gezogen. Wegen Litauen kann es nämlich neuerdings passieren, dass Deutschland kein Stimmrecht mehr im EZB-Rat hat. Die Nationalbankpräsidenten spielen seit dem Jahreswechsel eine Art „Reise nach Jerusalem“. Wer der 19 Herren schafft es, einen der 18 Sitze am Tisch zu ergattern? Sollte Griechenland gehen, wäre wieder alles im Lot – jedes Euro-Land hätte wieder ein festes Stimmrecht. Womöglich erklärt das, warum ein Tabu für die Regierung plötzlich doch nicht mehr ganz so tabu ist.

Dieser Artikel kostet 19 Cents. Wer sich diesen Preis nicht leisten kann oder möchte kann mir eine Nachricht schicken und einen Voucher-Code zum kostenlosen Lesen anfordern.

Da werden diverse Sektkorken geknallt haben, als unsere Politiker heute früh wieder mal ein Griechenland-Hilfspaket verabschiedeten. Der Konkurs ist wieder einmal verschoben. Und wieder einmal tun die Verantwortlichen so, als könnten sie einen überschuldeten Staat entschulden, ohne seine Schulden zurückzuzahlen. All diese Pakete, Instrumente und Konstruktionen dienen in Wahrheit ja immer nur dem einen Ziel, eben genau dies zu verschleiern – aus unterschiedlichen Motiven.

Weiterlesen

Martin Schulz (SPD) macht erstmals vernünftigen Vorschlag

Lang hat’s gedauert und richtig teuer ist es geworden, aber jetzt scheinen die Euro-Ideologen am Ende ihres Lateins zu sein. So sehr am Ende, dass sie vernünftige Ideen präsentieren. Der SPD-Europapolitiker Martin Schulz plädiert für eine Sonderwirtschaftszone in Griechenland. Heißt: Weniger Steuern, weniger Regeln, mehr Freiheiten. Jesses, muss die Lage dramatisch sein, dass Schulz diese absolut vernünftige Idee bringt – denn das Risiko, dass er jetzt eingeht, ist gewaltig: Es könnte passieren, dass die Konjunktur überall dort rasant in Fahrt kommt, wo Vater Staat zurückgeschnitten wird, was andernorts Sehnsüchte nach ähnlichen Freiheiten wecken könnte.

Das mögen sie, die Linken, zynisch wie sie sind. Griechenland müsse mit Nahrung und Medikamenten versorgt werden, meint Linken-Parteichef Bernd Riexinger. Wie schön, dass endlich eine Not der guten alten Schule ausbrechen könnte, die sich schon vorab propagandistisch ausschlachten lässt. Mit aller Not- und Krisenromantik, heldenhalften Helfern, und das auch noch völlig gefahrlos, denn in Griechenland wird ja nicht herumgeschlossen. So, wie in Syrien, wo weit über 100.000 Menschen in ihrer Not und in Angst ums nackte Überleben auf der Flucht sind, weshalb sich die Hilfsorganisation Care ihrer annimmt und genau das dorthin schickt, was dort gebraucht wird, nämlich Nahrung und Medikamente.

Weiterlesen

EU hilft Athener Verschwörungstheoretikern im Wahlkampf

Die Geste ist zu offensichtlich: Die gern zitierten „informierten Kreise“ um die EU-Troika stellen Griechenland in Aussicht, nach der Wahl am Sonntag über das angebliche „Spardiktat“ nachzuverhandeln. Das ist nichts anderes als der hilflose Versuch, den Verantwortlichen für die griechische Krise, Pasok und Nea Dimokratia, beim Wahlkampf unter die Arme zu greifen. Beide behaupten neuerdings in jeder Fernsehdiskussion, die Krise sei nur ein Resultat der „Politik des Memorandums“. Gemeint sind die Auflagen der Geldgeber-Länder. Erfunden hat dieses Argument allerdings die linksextreme Syriza. Eine alte Marketingregel besagt: Wenn der stärkste Akteur im Markt ein auffälliges Image besitzt, dann profitiert er von den Nachahmern, nicht aber die Nachahmer vom Nachahmen. Die Syriza hat das Argument der „Politik des Memorandums“ nicht nur erfunden, sie führt auch in den Umfragen vor den Traditionsparteien. Der nett gemeinte Versuch der Brüssler Bürokraten dürfte also verpuffen oder nach hinten losgehen.

Blick in ein Beinhaus: Nach einigen Jahren in der großen Grabstätte werden die sterblichen Überreste hier verwahrt

Es gibt Lösungen, die sind verblüffend pragmatisch. Auf den griechischen Inseln ist es üblich, dass Tote nur begrenzte Zeit in ihren Gräbern liegen. Auf die Dauer reicht einfach der Platz nicht aus, um Generation auf Generation in voller Länge zur Totenruhe zu betten. Ist die Zeit vorüber, auf Karpathos scheinen es um die zehn Jahre zu sein, wie der Augenschein zeigt, wandern die Gebeine in Blechkartons und werden in Regalen im Beinhaus gestapelt. Jeder Friedhof hat so ein Beinhaus. Auch die Alltagsgegenstände, die die Hinterbliebenen ihren Toten mitgeben, kommen in den Karton. Manchmal sind das ganz profane Dinge, etwa ein Plastikfeuerzeug.

Weiterlesen

, Wenn Griechenland Pleite geht, trifft es Luxemburg am härtesten

Manch einer mag sich fragen, was den luxemburgischen Politiker Jean-Claude Juncker ständig beim Thema Griechenland umtreibt. So wacker wie er fordert niemand, den Griechen möge die Staatspleite erspart bleiben, obwohl die faktisch längst eingetreten ist. Vielleicht liegt es daran, dass kein anderes Land derart vom Wohlergehen der Banken abhängt. Die tragen 27 Prozent zum luxemburgischen Bruttoinlandsprodukt bei. Im europäischen Durchschnitt sind es nur 6 Prozent, in Deutschland 5 Prozent. Die Banken wiederum haben in den letzten Monaten Wetten auf die Pleite Griechenlands im großen Stil angenommen. Anders gesagt: Die Banken wetteten, Griechenland werde überleben (und vertrauten dabei auf das, was Juncker und andere Politiker sagten) und nahmen Geld von denen, die glauben, Griechenland werde nicht nur real, sondern auch formell Pleite gehen. Was das für die Banken bedeutet, erschließt sich aus einem Schreiben von Finanz-Staatssekretär Hartmut Koschyk. Demnach haben allein die deutschen Banken 76,2 Milliarden US-Dollar für solche Wetten riskiert. Kein Wunder, dass die Ratingagenturen jetzt die Banken herabstufen wollen, und ebenfalls kein Wunder, dass Jean-Claude Juncker wieder einmal vorpreschte und versprach, kommenden Montag würden die anderen EU-Länder 130 Milliarden Euro nach Athen überweisen.