Quotenfrau ist – zugegeben – ein böses Wort. Es suggeriert, Frauen wĂŒrden in Zeiten der Quote nur deshalb auf Posten rutschen, weil die Quote ihnen die TĂŒren öffnet und nicht die individuelle FĂ€higkeit. Allerdings ist es ja genau der Zweck der Quote, Frauen zu bevorzugen. Insofern ist nicht auszuschließen, dass das Ergattern eines quotierten Postens andere FĂ€higkeiten erfordert als das Ergattern eines unquotierten Postens. Das beginnt schon damit, dass der Hinweis, man sei zufĂ€llig weiblich, im Fall eines quotierten Postens einen Vorteil gegen die mĂ€nnlichen Bewerber bedeutet.

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Der Fall Relotius hat viel mit Donald Trump zu tun, oder treffender: Mit dem Bild, das deutsche Medien von Donald Trump zeichnen. Als die republikanische Partei ihren Vorwahlkampf austrug, da galt Trump fast allen deutschen Medien, den Leitmedien zumal, als verrĂŒckter Kobold, der gewiss keine Chance auf die Nominierung habe. Und doch wurde Trump republikanischer PrĂ€sidentschaftskandidat und zog gegen Hillary Clinton von den Demokraten ins Rennen. Gegen Hillary! Links, weiblich, intellektuell, irgendwie europĂ€isch – Hillary war die erklĂ€rte und fast einhellige Favoritin der deutschen Großmedien. Sie war derart favorisiert, dass die Publizistik jede objektive Analyse fahren ließ und mit maximal verzerrter Wahrnehmung behauptete: Hillary wird gewinnen. Hillary wird die erste Frau im Weißen Haus. Links, sozial, irgendwie europĂ€isch, eine Art messianische Erscheinung. Es kam aber wieder anders. Die WĂ€hler in den USA wĂ€hlten Trump. Die deutschen Medien standen sehr nackig da. Es folgte Kritik am US-Wahlsystem. Plötzlich war Putin schuld. Oder es war diese angeblich dumme Landbevölkerung, diese angeblich durchweg tumben weißen Trash-Gestalten mit ihren fetten Pickups-Trucks, die Winchester geschultert, das Whisky-Glas in der Hand, die grölend ihren Donald auf dem Stimmzettel ankreuzten und damit das gute Amerika, das „diverse“ Amerika, an die Wand nagelten.

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Alexa: Gutenachtgeschichte! Wer zu Hause eine Alexa hat und ihr eine Gutenachtgeschichte abverlangt, der bekommt eine tĂ€glich frische Produktion fĂŒr Kinder. Die hat nicht der Amazon-Konzern in Auftrag gegeben – schreiben, sprechen und produzieren lassen –, sondern der Bayerische Rundfunk. Den Nutzer kostet sie nichts. Bzw: Jeder Amazon-Nutzer in Deutschland ist zwangslĂ€ufig natĂŒrlich auch GebĂŒhrenzahler. Insofern darf man die Kindergeschichte von Alexa prinzipiell als mitgezahlt ansehen, jedenfalls in Bayern. Dass bayerische GebĂŒhrenzahler die Kindergeschichten fĂŒr norddeutsche Kinder mitfinanzieren sei jetzt außen vorgelassen. Interessanter ist schon die Frage, warum Nichtbesitzer einer Alexa die tĂ€gliche Gutenachtgeschichtenproduktion fĂŒr solche Alexa-Besitzer mitfinanzieren mĂŒssen, die am Abend zu mĂŒde sind, um ihrem Nachwuchs selber ein MĂ€rchen vorzulesen. 

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CDU-Chefkandidat Friedrich Merz hat in der Asyldebatte offenbar einen richtigen Punkt benannt, der bisher aber nicht verstĂ€ndlich rĂŒbergekommen ist. Ihm ging es ja um eine eiheitliche Asylregelung fĂŒr Europa. Demnach muss man wohl tatsĂ€chlich ĂŒber das deutsche Asylrecht nachdenken. Es ist nĂ€mlich eine deutsche Besonderheit. Die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung schreibt dazu:

Das GG gewĂ€hrt als eine der wenigen Verfassungen der Erde unter bestimmten Voraussetzungen jedem politisch Verfolgten einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf Asyl (Art. 16 a GG) und zieht damit die historischen Lehren aus der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft (1933–45).

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Wirtschaftsminister Peter Altmaier ist es peinlich, dass in „seinem“ Deutschland, in dem er Wirtschaftminister ist, stĂ€ndig die Funkverbindungen abreißen. Naheliegenderweise ist ihm das gegenĂŒber seinesgleichen peinlich. Denen aus seiner Peergroup. Das sind also Minister und Staatsleute aus anderen LĂ€ndern. Diejenigen Dam- und Herrschaften, denen man sich auf EmpfĂ€ngen, Banketten, Konferenzen und dem Bundespresseball begegnet. Altmaiers Szene. Der Kreis von Leuten, wo sie unter sich sind. Lifestyle. Altmaier gehört zur Peergroup der Staatsleute auf Ministerlevel. Staatsleute-Peergroup ist wie Hiphopper, Biker, Hipster, GrĂŒnökos oder Nazis. Man hat seine eigene Sprache, an der man sich erkennt. Man trĂ€gt gewisse Klamottenmarken. Man hört staatstragende Musik und liest hilfreiche Zeitungen. Statt auf dem Bakfiets rollt man in einer Limousine umher und hat – besonders cool und vom Plebs der Parlamentarier nicht zu kopieren – jederzeit einen Jet mit Hoheitspatch am Leitwerk zur VerfĂŒgung. Staatsgrenzen existieren fĂŒr die StaatsmĂ€nner nicht, sie haben nĂ€mlich einen Diplomatenpass (aber den haben auch die plebsigen Parlamentarier). Das Gute an der Minister-Peergroup ist, dass sie nur wenige Mitglieder hat. Okay, auf einer Uno-Vollversammlung drĂ€ngeln sie sich alle. Und vor allem diese unangenehmen Scheichs mit ihrem angeberischen Tross, die schon auf dem Flughafen auffallen, wenn da fĂŒr jeden von denen gleich ein ganzer Flugzeug-Konvoi landet. Oder diese afrikanischen Diktatoren mit ihren Frauen, die wie ChristbĂ€ume behĂ€ngt herumlaufen. Oder dieser Trump, der wirklich glaubt, er sei die Nummer 1 in unserer Peergroup. Und dieser Chines, der immer auf Understatement macht aber nur mit dem Finger schnipst, und Tausende Leute hopsen auf sein Kommando.

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Am 30. November wollen die Vereinten Nationen ein weiteres Paket mit anti-israelischen Resolutionen beschließen. Israel ist offenbar der Teufel der Welt. Gerade erst hat das Land neun Verdammungen der Weltgemeinschaft kassiert. NatĂŒrlich stimmte die Bundesregierung auch gegen Israel, gemeinsam mit Holocaust-Leugnern, Kriegstreibern, Massenmördern, Sklavenhaltern, Feiglingen und Opportunisten. Israel muss schlimmer sein als die alle. Keiner der Holocaust-Leugner, Kriegstreiber, Massenmörder, Sklavenhalter, Feiglinge und Opportunisten hat je so viele Verdammungen der Weltgemeinschaft kassieren mĂŒssen wie Israel. Das war diesmal wenige Tage nach dem 9. November. Zum 9. November schaltete auch Heiko Maas seine zittrige Betroffenheitstonlage ein und schwadronierte ĂŒber die Reichspogromnacht. Bevor er sich dann in die antisemitische Front in der UN-Vollversammlung einreihte.

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Ich bin jetzt Mitglied der CSU. Auf dem Sankt-Martins-Umzug in Tochters Kindergarten habe ich das einem anderen Vater erzĂ€hlt. Er schaute mich ĂŒberrascht an: „CSU? Echt?“ Nach einer Pause: „Wieso?“ Ich bin mir sicher, diese Reaktion werde ich noch hĂ€ufiger erleben. WĂ€re ich bei den GrĂŒnen eingetreten, wĂ€re das anders. GrĂŒne geht in meinen Kreisen irgendwie immer. CSU muss man erklĂ€ren. Und weil es mir gegen den Strich geht, dass man CSU so anders erklĂ€ren muss als GrĂŒne, gerade ĂŒbrigens auch in Kollegenkreisen, genau darum bin ich eingetreten. Jedenfalls war das einer der GrĂŒnde.

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Wenn ein AfD-Politiker irgendeinen provokanten Satz ablĂ€sst, dann bebt Mediendeutschland bis zur Oberkante der nach oben offenen Richter-Empörungs-Skala. Wenn ein Verbrechen zur Debatte steht, bei dem ein rechtsextremer TĂ€ter schlimme Dinge anrichtete – teils wörtlich aus Aussagen vor Gericht zitiert: „Fortpflanzungsrelevante Dysfunktion“; schmerzfrei weder stehen, sitzen oder liegen können nach Bauchdurchschuss; nach Jahren immer noch „eingeschrĂ€nkte Ventilation“ nach Thorax-Durchschuss; akute psychische Symptome nach Verlust des eigenen Kindes; Selbstmordabsichten und konkrete Selbstmordversuche nach Verlust des eigenen Kindes; etc. –, wenn also konkrete Taten zur Debatte stehen, dann bebt rein gar nichts in Mediendeutschland. So etwas wird annĂ€hernd ohne Öffentlichkeit verhandelt.

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Ich möchte gern helfen, die Debatte ĂŒber Holzofen-Feinstaub und -Stickoxide aus der Twitterblase heraus in die Real-Welt zu transportieren. FĂŒr alle Nicht-Twitterer: Angestoßen hat die Debatte @kachelmann. Ihm fiel auf, dass Messstationen unerklĂ€rliche Schadstoffspitzen messen, die mit Autoverkehr und der Dieseldebatte nicht erklĂ€rbar sind. Ausgerechnet Freitagabends, wenn alle gemĂŒtlich zu Hause sitzen, es draußen wenigstens ein bisschen kĂŒhl ist, schießen die Werte in die Höhe und ĂŒbertreffen teils bei weitem die Rushhour-Spitzen. Insofern ist die Diesel-Debatte wirklich gespenstisch. Denn es sind gar nicht die Diesel, die die Luft zuvörderst verpesten. Die grĂ¶ĂŸere Belastung kommt aus Holzöfen. Das ist wiederum insofern verrĂŒckt, als es ein reines Luxusproblem ist. Ich missgönne niemandem einen gemĂŒtlichen Abend. Aber ich habe mehr VerstĂ€ndnis fĂŒr unvermeidliche Abgase als fĂŒr vermeidliche, vor allem dann, wenn die vermeidlichen die schlimmeren sind. Ein bisschen verrĂŒckt ist auch, dass alle möglichen Politiker, vor allem von SPD und GrĂŒnen, stĂ€ndig ĂŒber den Diesel twittern und dass Fahrverbote nötig seien, aber konsequent jeden Hinweis auf die schlimmere Problematik mit den Holzöfen ignorieren. Das geht inzwischen so weit, dass Fahrverbote fĂŒr Diesel nach 24-Stunden-Durchschnittswerten verhĂ€ngt werden sollen, wobei die Grenzwerte gerade nicht wegen der Dieselautos ĂŒberschritten wurden, sondern wegen der Holzöfen. Es wĂ€re nicht blöd, wenn sich die Politik irgendwann doch der RealitĂ€t anpasst statt verzweifelt versucht, die RealitĂ€t ihrer Ideologie unterzuordnen.

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Vor bald drei Wochen flog die MĂŒcke zum ersten Mal in meiner Wohnung herum. Sie war etwas grĂ¶ĂŸer und krĂ€ftiger als die DurchschnittsmĂŒcke. Ihr Körper schimmerte in einem brĂ€unlich-transparenten Farbton, anders als die gewöhnlichen schwarzen MĂŒcken, die man sonst so kennt.  

Meistens sah ich sie allerdings nicht, sondern hörte sie nur, nĂ€mlich nachts im Dunkeln. Sie war stets schon von Weitem beim Anflug zu hören. Ihr FlĂŒgelgerĂ€usch war ungewöhnlich sonor. Sie klang, als habe sie etwas mehr Hubraum als normale MĂŒcken. Wenn sie sich mir nĂ€herte, dann nahm die LautstĂ€rke kontinuierlich zu, bis sie direkt vor meinem Ohr kreiste, wĂ€hrend mein Kopf auf dem Kissen lag. Ich schlug dann immer mit der Hand nach ihr, also auf mein Ohr, oder, wenn ich dachte, dass sie Richtung Stirn abschwirrt, auf die Stirn. Aber ich habe sie nie erwischt. 

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