Medienkritik meiner Mutter: Sie ärgert sich über einen Satz in der FAZ, der vermutlich beifallheischend genau für sie geschrieben wurde. Gesichtsmasken begegnen einem inzwischen in den kuriosesten Situationen. Iranische Flugzeuge sind doch keine rechte Propaganda. Und Soforthilfen heißen nur so, außer in Berlin.

Wer darf leben, wer muss sterben?

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Corona sorgt für unerwartete Fronten: Sozialisten ergreifen versehentlich Partei für Besitzer von Geschäfts-Immobilien in A-Lagen. In Bad Aibling haben Antidemokraten die beiden demokratisch gesinnten Bürgermeister-Kandidaten unterstützt, was die einen den anderen zum Vorwurf machten und die anderen bei den einen nicht einmal bemerkten. Vor den Supermärkten sieht es neuerdings dystopisch aus. Und der Trend der selbstgenähten Anti-Seuchen-Maske dient eher der Mode als der Gesundheit.

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Zehn Mitarbeiter, die sich um einen einzelnen Podcast kümmern. Zehn Leute, die man in Zeiten von Corona auf die Schnelle mobilisieren kann. Solche Ressourcen muss man erstmal haben. Dazu natürlich auch das Näschen für den richtigen Moment: Auf die Welle steigen, wenn sie sich gerade am schönsten aufbaut. Das nötige Equipment auf Abruf bereit – neben den zehn Leuten auch annähernd unbeschränkte technische und finanzielle Ressourcen und gesetzlich abgesicherten Reichweitendruck – das gibt es in der deutschen Medienlandschaft nur bei ARD und ZDF.

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Unmenschlicher Tod

Aus Straßburg wie aus Bergamo wird berichtet, die Ärzte müssten Corona-Opfer sterben lassen. Zu wenige Kapazitäten. Triage. Entscheiden, wer leben darf und wer nicht. Zugleich kann man lesen, der Corona-Tod sei grausam und fühle sich wie Ertrinken an. Dazu sehen wir Fotos, auf denen Menschen auf Krankenhausfluren liegen. Alles zusammen ergibt ein fürchterliches und unmenschliches Bild. Falsch ist dieses Bild vermutlich nicht, aber wohl doch sehr zugespitzt. Aus dem Elsaß wird auch berichtet, dass die Sterbenden palliativ betreut werden. Sie erhalten Opiate oder vergleichbare Mittel. Aus Italien ist darüber nichts zu lesen. Ich unterstelle den Italienern aber nicht, dass sie ihre Sterbenden im Stich lassen.

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Auf WhatsApp verbreitet sich gerade eine Audionachricht viral, in der „Elisabeth, die Mama von Poldi“, mit einer vermeintlichen Insider-Info über das Corona-Virus aufwartet. Sie kenne da jemanden an der Uni in Wien. Und da hätten sie sich gefragt, warum in Italien so verhältnismäßig viele Menschen von dem Virus getötet werden. Und dann seien sie im Labor darauf gekommen, dass Ibuprofen den Krankheitsverlauf verschärfe. Allerdings ist das kompletter Fake, was „Elisabeth, die Mama von Poldi“ da redet. Die Uni Wien kennt ihren Clip auch schon und dementiert entschieden.

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Im Mangfallboten , der Tageszeitung im westlichen Landkreis Rosenheim, stand zu Wochenbeginn eine Geschichte über die Schließung einiger Klassen der Luitpold-Grundschule (u.a. auch die Klasse meiner Tochter). Die Reporterin Eva Lagler hatte auch mit Eltern gesprochen, die sich da durchaus kritisch äußerten. Außerdem gab sie das Gespräch mit einer Mutter wieder, die erzählte, die Familie sei in den Ferien in Südtirol gewesen. Sie hätten den Verdacht, sie könnten sich infiziert haben. Sie hätten darum Kontakt mit Behörden aufgenommen. Die hätten ihnen zum Testen geraten. Das hätten sie getan.

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Wenn sich ein Bioladen in einem Wahlkampf für einen Kandidaten engagiert, mit Plakat im Schaufenster und Aufsteller auf dem Trottoir, für welche Partei wird er wohl werben? Die Frage ist natürlich rhetorisch gemeint. Es ist eh jedem klar, dass ein Bioladen für die Grünen wirbt. Grün und bio gehört ja irgendwie zusammen. Der Bioladen ist die Konsumkapelle grüner Lebensart. Man kauft nicht, weil es besser schmeckt oder günstiger sättigt, sondern um ein Bekenntnis abzulegen. Wer im Bioladen kauft, glaubt, er kaufe „regional“, ohne Genetik (oder so), ohne Chemie (oder so) und irgendwie gesünder (oder so). Und lässt sich das einen Extra-Aufschlag auf den Preis kosten und findet es großartig, wenn Grüne pauschal für teurere Lebensmittel eintreten.

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Erst vor ein paar Tagen galten Prepper noch als rechtsextrem. Sie horteten nicht nur Essbares, um für den Tag X vorbereitet zu sein, sondern auch Waffen, enthüllten Medien. Sie wappneten sich für den Bürgerkrieg gegen Migranten und Muslime. Sie vernetzten sich übers Internet. Sie trainierten wehrsportartig den Ernstfall. Der Grüne Konstantin von Notz forderte schärfere Überwachung der Prepper-Szene. Aber seit dem 29. Februar 2020 würde das heißen: Verfassungsschützer in die Supermärkte. Denn der 29. Februar 2020 ist der Tag, an dem Deutschland Prepper wurde.

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Der Modus Vivendi ist mal wieder derselbe wie bei anderen rechtsextrem motivierten Terroranschlägen. Ein Einzeltäter besorgt sich eine Waffe und ermordet Menschen, die er anhand eines rassistisch gestrickten Rasters auswählt. Er hinterlässt eine Art Erklärung, Vermächtnis, Manifest, Theorie, Begründung, Rechtfertigung oder wie man das sonst nennen möchte. Er hat seine Tat – vermutlich – im Alleingang geplant und ausgeführt. Und er war – vermutlich – gleichwohl in ein gedankliches Netz eingebunden, in das auch der NSU gehörte, der Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke, der Münchner OEZ-Attentäter David Sonboli, der Norweger Anders Breivik und weitere quer über den Globus.

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Manchmal genügt eine Kleinigkeit und ein System kracht zusammen. Niemand versteht dann, wie es passieren konnte, dass ein für sich genommen minimales Ereignis so eine große Wirkung entfaltet. Als Beispiel der jüngeren deutschen Geschichte gilt der Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Es gab damals eine Erhöhung der Arbeitsnorm. Für sich genommen kein Grund, gleich den ganzen Staat kippen zu wollen. Und doch ging es den protestierenden Arbeitern genau darum, und genau darum konnten nur russische Panzer die SED (umbenannt in Linkspartei) an der Macht halten.

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