I would like to say the world is NOT over populated. As a matter of Fact every human in the world (6 billion) would fit into the state of Texas and have 15 square feet of space each! That leaves the rest of the entire world to raise crops for food and explore for natural resources. I say God bless the big families!!

http://blogs.abcnews.com/theworldnewser/2009/09/record-breaking-granny-1400-relatives.html

Posted via web from | bitterlemmer |

Ich vinde, di rechtschraibrevorm graift vil tsu kurts. Ainzelne wörter ainer länkst välligen logischen renowirung tsu untertsijen sowi ein par kommasetsungen tsu verändern – dass ist ja gants nätt. Aber es ist inkonnsekwännt. Hättn di revormer di sache tsu ände gedacht, wäre ir wärk als genijales wärk der menschaitsgeschichte gewürdicht worrden. Ainige wenige, ainersaits an gesprochener sprache orijentirte, anderersaits logische regeln hätten genükt. Die vergässenen rechtschraibregeln lauten:

Überflüssigge buchstaben, di man zumm schrifftlichen ausdrukk der sprache nicht benötikt, werden aus dem alfabet heraußgenommen. Völlich antikwirt sind buchstaben, di lediglich zwai aufainander stoßende konsonanten ausdrükken. So beschtet das „Z“ tatsächlich aus den lauten „T“ und „S“. Das „Q“, maist in verbindung mit dem „U“, wirrd als „K“ und „W“ gesprochen. Wäk damit. Entbärlich ist auch dass „F“. Schon in der ärsten klasse lärnen wir, dass beide buchstaben als „FFFFF“ oder auch „VVVVV“ gesprochen werden. Einer von beiden ist also überflüssich. Wir haben uns entschiden, dass „F“ zu straichen.
Kurts gesprochene wokale werden dadurch gekännzaichnet, dass inen gedoppillte konnnsonanntn vollgen. Ausnamen werden appgeschafft. Statt „Sack“ schraiben wir „sakk“.
Dass denungs-e nach dem i isst folglich überflüssich.
Übahaupt werden alle wokale stränng lautorijentirt verwänndit.
Auch zusammengesätzte wokale werden konsekwännt lautorijentirt geschriben. Dass hun legt künnftich allso kaine „Eier“, sondern aia.
Di kommasetsung follgt allain dem sprachlichin sinn.
Großbuchstaben gibbt äss nur tsu beginn aines sattsis.

Mit disen wenigen regeln haben wia di schprache enndlich laidlich im grivv. Sie beanntworten baispilswaise auch di vrage däss laidigen scharven „S“ – wir benötigin dass „ß“ däshalp, wail dass doppälte „S“ beraits zur verkürtsung voranstehender wokale verwänndit wirrd. Aufgrund der klarhait dieser regeln dürvte aine braite aktsepptannts außer vrage schtehen. Blaibt tsu hoffen, dass die rächtschraibkommißßion sich dieser zilvürenden anregung nichcht verschlißt. Ich für mainen tail bin ain moderner männsch. Was die dürrven, wärrde ich ja wol auch dürrvin. Volglich füre ich hirmit die revormisstische rächtschraibung ain. Wer – bitte – will mir dass verbiten?

PS, Maikroßovvt wöd hatt aine blöde velakorrektua, di manche wörta unbelerbar umbuchstabirt. Laider weiß ich nichcht, wi man dass appställin kann. Darumm sinnd manche wörrter inn disem täxt nochch nichcht gannts korräkkt geschriben. ßorri.

PPS. Auvv mainer tastatua velt dass große „ß“.

Sonderbar: Bisher dachte ich immer, Zwang und freie Wahl seien Gegensätze. Aus Frust über ein erfolgreiches Volksbegehren für verbindlichen und zeugnisrelevanten Religionsunterricht hat Berlins rot-rote Senatsszene diesen Gegensatz jetzt aufgehoben und ein verräterisches neues Wort geschaffen: Wahlzwang.
Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), begründet diese Wortschöpfung in der BZ am Sonntag so: “Nach dem Willen von Pro Reli (den Initiatoren des Volksbegehrens) müssten sich die Schüler zwischen Ethik und Religion entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Verstehe. Das ist eine schöne und einfache Erklärung. So schön und so einfach, dass sie auf viele Lebenslagen anwendbar ist.
Berufswahl: “Nach dem Willen von Pro Job müssten sich Schüler zwischen Handwerk und akademischer Laufbahn entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Geld: “Nach dem Willen von Pro Bank müssten sich Schüler zwischen Sparbüchse und Sparschwein entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Lesen: “Nach dem Willen von Pro Buch müssten sich Leser zwischen verschiedenen Buchtiteln entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Essen: “Nach dem Willen von Pro Food müssten sich Konsumenten zwischen Fisch und Fleisch entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Mode: “Nach dem Willen von Pro Stoff müssten sich Frauen zwischen Minirock und Hose entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Musik: “Nach dem Willen von Pro Note müssten sich Musikfreunde zwischen Klassik und Pop entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Radio: “Nach dem Willen von Pro Radio müssten sich Hörer zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Parlamentarismus: “Nach dem Willen von Pro Parlament müssten sich die Abgeordneten zwischen Zustimmung oder Ablehnung von Gesetzesvorlagen entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Wahlen: “Nach dem Willen von Pro Politik müssten sich Wähler zwischen linken, rechten und liberalen Parteien entscheiden, dazu wären sie dann gezwungen. Das ist Wahlzwang.”
Soviel dazu.
Jetzt noch etwas zu der Parole “Ethik: Gemeinsam, nicht getrennt”. Momper erläutert dazu in demselben Interview, nach seiner Überzeugung sei ein “gemeinsamer Ethik-Unterricht für alle Kinder” notwendig. “Fast 50 Prozent der Berliner Schüler haben Migrationshintergrund. Sie müssen wir in die Vermittlung der Werte einbinden, die für uns in Deutschland gelten.”
Interessant. Heißt das etwa Leitkultur? Womöglich wie bei Stoiber? Und wie erklärt Momper das bisherige Streben seiner Partei nach etwas, das dort Multikulturalität genannt wird – also die Vielfalt unterschiedlicher Kulturen? Die linken Berliner Parteien lösen mit ihrem Argument die Religion aus dem kulturellen Kontext und plädieren für eine Einheitsethik – nach dem Gusto und den Werten des rot-roten Senats. Multikulturalität, zu der Toleranz und Vielfalt gehören, wäre demnach auf Party-Folklore reduziert.
Das klingt irgendwie nicht nach “Mehr Demokratie wagen”. Das klingt mehr nach 1947. In diesem Jahr hat die Berliner Stadtverordnetenversammlung das bis heute geltende Gesetz über den Religionsunterricht verabschiedet, mit der rot-roten Stimmenmehrheit aus SPD und SED, die sich damals passenderweise noch Einheitspartei nannte.
Am 26. April darf jeder Berliner bei der Volksabstimmung mitentscheiden. Ohne Zwang darf er sich für JA entscheiden, wenn er Vielfalt lieber mag.


Potsdamer-Platz-Arkaden in Berlin. Jeden Tag wälzen sich um die 100.000 Kunden und Neugierige an den Geschäften vorbei. Mit netten Aktionen unterstützt die Center-Leitung die Kauflust. Jetzt, vor Ostern, stehen auf der Hauptallee im Parterre 2,50 Meter hohe bemalte Ostereier. Bemalt und mit Info-Täfelchen versehen. Sie sollen “eine ungewöhnliche Sicht auf Berliner Befindlichkeiten” bieten, gemalt und betextet von einem Künstler namens Knut Weise.

Eine dieser Befindlichkeiten trägt die Überschrift “Vor ’89 – Medienfront Berlin”. Die ist allerdings nicht besonders ungewöhnlich, sondern ungewöhnlich gewöhnlich. “Die Namen Gerhard Löwenthal und Karl Eduard von Schnitzler sind nicht voneinander zu trennen”, steht da. “Der eine, Antikommunist und scharfer Kritiker des SED-Regimes, moderierte viele Jahre den ‘Hilferuf von drüben’, der andere, überzeugter Kommunist, von 1960 bis 1989 den ‘Schwarzen Kanal”. Und schließt mit der Anmerkung: “Deutschland ist trotzdem vereint.”
Trotzdem?
Was Gerhard Löwenthal betrifft: Zu dem passt dieses Trotzdem nicht. Der feierte kräftig, als die Mauer fiel. Schließlich gehörte er im Westen zu den letzten, die überhaupt noch eine Wiedervereinigung wollten. Weil er sich das partout von niemandem ausreden ließ, war er seit Beginn der 80er Jahre politisch isoliert. In der Union hatte er noch ein paar versprengte Fans. Regierungskonform war er jedenfalls nicht. Die Wiedervereinigung Deutschlands war für ihn kein Trotzdem, sondern ein Sieg.
Was Karl-Eduard von Schnitzler betrifft: Zu dem passt dieses Trotzdem. Der wollte in der Tat alles andere als eine Wiedervereinigung. Die Mauer fand er großartig. Er war regierungskonform wie kaum sonst jemand. Willfähriger Helfer von Ulbricht und Honecker. Steinzeitkommunist bis in den Tod.
Dieses Trotzdem ist nicht der einzige Unterschied zwischen diesen beiden. Schnitzler entstammt einer Bankiersfamilie. Einen seiner Vettern schmähte er selber als Bankier Hitlers, ein anderer Vetter war Verkaufsleiter des Chemiekonzerns I.G. Farben, dessen Unterschrift sich auf Lieferverträgen von Zyklon B findet, dem Gas, mit dem Juden und Nazi-Kritiker ermordet wurden. Schnitzlers schlimmstes Erlebnis war, dass er als Soldat in die Wehrmacht eintrat, sich beim Russland-Feldzug ein Knie verletzte und von den Engländern gefangen genommen wurde. Allerdings genoss er dort Vorzugsbehandlung, weil er von London aus BBC-Kommentare Richtung Deutschland senden durfte.
Löwenthal dagegen, Sohn eines jüdischen Kaufmanns, überlebte knapp und dramatisch die Verbrechen, an denen Schnitzlers Vettern mitarbeiteten. Er war einige Zeit im KZ Sachsenhausen gefangen. Er kam wieder frei. Bis zum Kriegsende musste er versteckt in Berlin überwintern, behütet von seiner nichtjüdischen Mutter. Der Rest seiner Familie kam im KZ ums Leben. Den Einmarsch der Russen empfand er als Befreiung. Löwenthal war einer der wenigen hundert Berliner Juden, die die Nazi-Herrschaft überlebt hatten.
Als Student vertrat Löwenthal freilich andere Ansichten als die Sowjetmacht. Für seine kritischen Beiträge im Rias wurde er bedroht. Er schloss sich den studentischen Gründern der Freien Universität im Westteil der Stadt an. Schnitzler dagegen, inzwischen Kommentator beim NWDR in Hamburg, nahm 1945 Kontakt zur sowjetischen Militäradministration auf, geriet wegen seiner kommunistischen Einstellung in Konflikt zu den Briten und wurde 1946 gefeuert. Während Hunderttausende vom Osten in den Westen fliehen, zieht es Schnitzler in die SBZ, wo er dann seine bekannte Karriere hinlegt.
Löwenthal wurde vor allem als Moderator des ZDF-Magazins bekannt. Darin strahlte er seine “Hilferufe von drüben” aus. Der Titel sagt, worum es dabei ging: Eben Hilferufe von drüben. Von Leuten, die bei der Republikflucht erwischt wurden, unerwünschte Meinungen äußerten oder sonst politisch mit der SED aneckten. Deren Schicksale machte er im Westen bekannt. Viele wurden daraufhin freigelassen oder in den Westen freigekauft.
Schnitzler tat etwas ganz anderes. Er schnipselte Tagesschau-Beiträge zusammen und unterlegte sie mit verlogenen und manipulativen Kommentaren mit dem Ziel, die Bundesrepublik als den schlechten und die DDR als den guten deutschen Staat darzustellen. Er rechtfertigte das System, aus dem die Hilferufe kamen. Vielleicht hätte er gern Hilferufe aus dem Westen gesendet. Gab aber keine. Und hätte es sie gegeben – nur mal fiktiv – hätte er sie vielleicht doch nicht gesendet.
Wer hätte auch um Hilfe rufen sollen? Eine Straftat namens BRF (Bundesrepublikflucht) mit all ihren Folgen gab es ja nicht. Aufmüpfigkeit war – und ist, hoffentlich noch lange – ebenfalls nicht strafbar. Höchstens karriereschädigend. Nur, wer seine Meinung schießend, bombend und mordend verkündete und verkündet, muss damit rechnen, weggesperrt zu werden. Allerdings nicht wegen seiner Meinung, sei sie noch so absurd, sondern wegen des Schießens, Bombens und Mordens. An dieser Stelle möchte ich einräumen, dass es nach Schnitzler eben doch noch ein paar Leute gab, die ostwärts flohen. Die aus der Schießer-, Bomber- und Mörderszene. Aus denen hätte Schnitzler seine Version der Hilferufe machen können. Hat er aber nicht. Weil sein Ethos nicht das eines Journalisten war, sondern das eines Ganoven, und die Hilferufer der RAF keine Opfer, sondern ebenfalls Ganoven.
Löwenthal dagegen war investigativer Journalist im klassischen Sinn. Er deckte Missstände auf. Mit Verlaub: Das ist etwas völlig anderes als Schnitzlers Ganoven-PR. Der Künstler Weise ist ja nicht der erste, der dennoch beide in einen Topf wirft. Kalter Krieger hüben, kalter Krieger drüben – ja, das klingt so wunderbar einfach, so bestechend simpel. Kann aber nur den überzeugen, der auch sonst keinen fundamentalen Unterschied zwischen Bundesrepublik und DDR sehen will, Demokratie und Diktatur nicht unterscheiden mag. Der einen Ganoven nicht von einem Journalisten unterscheiden will.
Und überdies höchst respektlos mit einer beeindruckenden deutsch-jüdischen Biografie umgeht. Sie sind ein Antifaschist zum Schämen, Künstler Weise.
Hinzufügen möchte ich, dass Löwenthal mit der Schwester meines Vaters verheiratet war. Darum finde ich es besonders unsäglich, dass diese Schnitzler-Löwenthal-Kombination im politischen Mainstream angekommen ist. Derart mittendrin, dass sie jetzt sogar zur Umsatzförderung der Potsdamer-Platz-Arkaden taugen soll.

Eigentlich hatte ich heute vor, über eine Rede von Hans Modrow zu berichten, dem früheren Dresdner SED-Bezirkschef, quasi Honeckers Gouverneur in einem Teil des von Ulbricht zerschlagenen Sachsen, das heute wieder als komplettes Land existiert. Eingeladen hatte ihn ein Verein namens Rotfuchs. Modrow wollte seine Sicht auf die “Vorkommnisse der Jahre 1989/90” schildern, wie es in der inzwischen aus dem Netz gelöschten Veranstaltungsankündigung hieß. Die Räume dafür stellte die Volkssolidarität, ein gemeinnützig anerkannter Verein, der das Ende der DDR überlebte, heute Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband ist und nicht zuletzt von Steuergeldern lebt.

Schon die Vorbereitungen gestalteten sich drollig. Gegen Mittag rief ich im Landesverband der Volkssolidarität an, um mich zu erkundigen, in welcher ihrer Stätten Modrow auftreten werde. Die Dame am Telefon wusste es nicht und meinte, vermutlich handele es sich um eine Veranstaltung des “Rates des Stadtbezirks”. Sie sagte tatsächlich: “Rat des Stadtbezirks”. Den gäbe es schon lange nicht mehr, antwortete ich, das heiße heute Bezirksamt. Und sagte, dass das auch ganz gut so sei. Darauf sie, leicht befremdet: “Finden Sie?” Und ich: “Sie etwa nicht?” Sie ging dann nicht mehr weiter darauf ein.
Ich fand dann auf anderen Wegen heraus, dass Modrows Nostalgie-Show im Volkssolidaritäts-Heim an der Torstraße in Berlin-Mitte steigen sollte. Dort erkundigte ich mich wiederum telefonisch, ob ich eine Steckdose nutzen könne, um Strom für meinen Laptop zu haben. Ich sagte ihr, dass ich die Rede aufzeichnen wollte. Sie antwortete, das sei kein Problem.
Da hatte wir uns gründlich getäuscht, die Dame von der Volkssolidarität und ich. Als ich eine knappe Stunde vor Beginn eintraf, machte ich mich daran, mein Mikrofon aufzubauen. Sofort eilten rüstige Rentner herbei und entrüsteten sich. Wofür das denn sei, fragte ein Herr, der sich später, als ich ihn nach seinem Namen fragte, als Herr Heinz vorstellte. Ich sagte, dass ich Modrows Rede aufzeichnen wolle. Nein, sagte Herr Heinz, das ginge nicht. Ich fragte nach dem Grund. Herr Heinz meinte, man habe da schlechte Erfahrungen gemacht.
Ich brauchte einen Moment, um das zu kapieren, guckte dabei vermutlich etwas ratlos vor mich hin, lachte ihn dann aus und setzte mich erstmal auf einen freien Stuhl in den schon gut gefüllten Zuschauerreihen. Wenn schon nicht im Ton, dann wenigstens so wörtlich wie möglich mitgeschrieben, dachte ich. Und da ich schneller tippe als per Kuli auf dem Papier schreibe stöpselte ich mein Laptop-Ladegerät in eine nahe Steckdose. Da hatte ich mich schon wieder verschätzt. Eine aufgebrachte Rentnerin stürmte heran. “Wir haben Ihnen doch gesagt, dass wir das nicht wollen”, rief sie erbost. Ich wollte ihr den Unterschied zwischen einem Laptop und einem Mikrofon erklären, aber sie übertönte mich: “Sie halten uns wohl für doof!”
Während ich meinen Computer einpackte, stand auch Herr Heinz wieder neben mir und nahm mich ins Verhör. “Wozu brauchen Sie das, wer sind sie überhaupt?” “Ich bin freier Journalist”, antwortete ich. “Haben Sie etwas gegen freie Berichterstattung?” Herr Heinz grinste und wiederholte: “Wir haben da so unsere Erfahrungen.” Außerdem habe er hier das Hausrecht.
Daraufhin verließ ich den Saal. Vor der Tür stellte mich ein weiterer Herr, groß gewachsen, eher Früh- denn Altrentner, dunkles, nachgefärbt aussehendes Haar. “Warum regen Sie sich so auf”, fragte er. “Weil ich es unmöglich finde, diese Rede nicht mitschneiden zu dürfen. Haben Sie vielleicht etwas zu verbergen?” Der Frührentner verneinte. “Aber wir haben da so unsere Erfahrungen”, sagte auch er jetzt und erläuterte, Leute wie ich würden ja immer Dinge aus dem Zusammenhang reißen. Genau darum wolle ich die Rede ja aufnehmen, antwortete ich, damit hinterher dokumentierbar sei, was der Herr Modrow wirklich gesagt habe.
Aber genau das wollten die greisen Stalinisten des Rotfuchs-Vereins eben nicht.
Um jetzt selber mal eine Erfahrung zum Besten zu geben: Wer hinterher etwas liest, das ihm nicht in den Kram passt, ist heutzutage fix mit Gegendarstellungsbegehren. Darum sorgt man professionellerweise für ein hieb- und stichfestes Dokument. Herrn Modrow zitiere ich gewiss nicht freihändig. Also in diesem Fall gar nicht.
Und vermutlich war diese Vorgeschichte eh unterhaltsamer als es Modrows Schwadronieren über das Ende der DDR gewesen wäre.