Der NSU-Mord in Kassel ist einer der zwei, deren gerichtlich festgestellter Ablauf derart unglaubwĂŒrdig klingt, dass man daran verzweifeln könnte. Rein zufĂ€llig war zur Tatzeit ein Beamter des Verfassungsschutzes am Tatort. Er hĂ€tte eigentlich mitten ins Feuer laufen mĂŒssen, aber stattdessen will er nicht das Geringste bemerkt haben, auch nicht die Leiche des vermutlich Sekunden vorher erschossenen Hallt Yozgat, die zusammengesackt hinter exakt dem Verkaufstresen lag, ĂŒber den der Beamte sich suchend gebeugt haben und dann zwecks Bezahlung eine MĂŒnze hinterlassen haben will. 

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Die Belange der Alten in jedem Punkt der Tagesordnung. Die Belange der Jungen dagegen kompakt zusammengefasst nur in einem kurzen Bericht ohne jegliche Nachfrage oder Debatte. Vielleicht fĂ€llt das niemandem mehr auf, aber die Überalterung der Bevölkerung wirkt lĂ€ngst auf die gesamte Politik. Das erkennt man an den Gesetzen aus Berlin, das erkennt man auch im Stadtrat von Bad Aibling (und vermutlich jeder kommunalen Vertretung in Deutschland).

Stadtratssitzung, Tagesordungspunkt 1. Die Polizei wirbt um Zustimmung des Stadtrats fĂŒr die Einrichtung einer Sicherheitswacht. In der sollen Freiwillige ehrenamtlich tĂ€tig sein und uniformiert auf Streife gehen. „Unsere Augen und Ohren“, sagt einer der PolizeifĂŒhrer, das „Bindeglied zwischen Polizei und Bevölkerung“. Es gehe darum, das SicherheitsgefĂŒhl zu verbessern und sichtbarer zu sein. Viele Nachfragen der StadtrĂ€te und einige wenige kritische Anmerkungen. Es geht um das Radfahrverbot im Kurpark und dass Sicherheitswachtler hier aufpassen könnten. Oder um feiernde Jugendliche und liegengelassene Bierflaschen. Mit fĂ€llt erst spĂ€ter auf, dass schon dieser Tagesordnungspunkt Belange der Alten gegen Junge verhandelt. Der Stadtrat stimmt der Einrichtung der Sicherheitswacht mit großer Mehrheit zu. Weiterlesen

Die vielleicht schlimmste Sendung zur Europawahl habe ich im Radio gehört, auf B5 Aktuell eine Woche vor dem Wahltermin. Es war eine Talksendung. Zugeschaltet war der ARD-Hörfunkkorrespondent in BrĂŒssel, Holger Romann. Der schalt die WĂ€hler und nahm die Institutionen in Schutz. Es war eine unterirdische Vorstellung. Der dollste Satz des ARD-Mannes lautete:

Der WĂ€hler hat eine Bringschuld.

TatsĂ€chlich: Das hat er wörtlich so gesagt. Möglicherweise sieht man das in den feineren BrĂŒsseler Kreisen so. Es ist ein Satz aus einer fernen Welt, in der bĂŒrokratischer Adel (Funkbeamte eingeschlossen) die Geschicke lenkt. Es ist auch sehr einfach, die chronisch niedrige Wahlbeteiligung bei Europawahlen oder die hohen Ergebnisse fĂŒr absonderliche Splitterparteien den blöden WĂ€hlern anzuheften. Einfacher jedenfalls, als mal mehr in die Debatte zu werfen als das ĂŒbliche Kleinklein (Subventionen fĂŒr Bauern und ausgewĂ€hlte Branchen, dĂ€mliche Datenschutz- und Cookie-Warnungen auf jeder Webseite, etc.). 

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Bei mir in Oberbayern sieht es aktuell sehr nass aus. Ich habe mitbekommen, dass die derzeitige NĂ€sse komische Reaktionen bei Menschen auslöst. Da gibt es einerseits welche, die leise ĂŒber den Regen fluchen, weil er ihnen die politisch ausbeutbare Behauptung verwĂ€ssert, wir erlebten gerade eine DĂŒrre als Folge des Klimawandels. Da gibt es andererseits die, die triumphierend aus den durchnĂ€ssten Kleidern steigen und sarkastisch von der DĂŒrre reden, die sie gerade durchnĂ€sste.

Ich persönlich mag Sonne lieber als Regen. Die Sonne wĂ€rmt so schön. Man kann das Regenzeug im Schrank lassen. Man bewegt sich auf dem Fahrrad deutlich komfortabler. Ich persönlich besitze ĂŒbrigens kein Auto und wohne auf dem Land. Da es das Land zwischen MĂŒnchen und Rosenheim ist, zahle ich dort fĂŒrs Wohnen auf 80 Quadratmetern in einer Art Ghetto fĂŒr Zugezogene deutlich mehr als ein Berliner fĂŒr 100 Quadratmeter in einer halbwegs angesagten Gegend. Gut ist, dass ich in Fußwegweite eine Bahnstation habe. So komme ich in nur 7 Minuten nach Bad Aibling, in einer Viertelstunde nach Rosenheim und in rund einer Stunde nach MĂŒnchen. Mit BahnCard 50 kostet die Fahrt nach MĂŒnchen nur 9 Euro. Wenn die Bahn fĂ€hrt. Wenn nicht, ist das halt Pech. Aber ich sehe die Alpen vom Bahnsteig. Der Anblick ist immerhin ein kleiner Ausgleich fĂŒr verpasste Jobs oder Termine.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich kaufe bisher regelmĂ€ĂŸig bei Edeka Stepputis in BruckmĂŒhl ein.
Allerdings finde ich die Edeka-Werbung zunehmend fragwĂŒrdig.
Der derzeit ja ohnehin viel diskutierte Spot ĂŒberschreitet nach meinem Geschmack die Grenzen.
Ich kann irgendwo nachvollziehen, dass ĂŒberbezahlte Werbeleute in einer schillernden Agentur und gleichfalls ĂŒberbezahlte PR-Leute in der Edeka-Zentrale ihre persönlichen Meinungen zu Gott und der Welt mit Haha-Effekt fĂŒr Überbezahlte ihresgleichen in die Welt zu setzen lieben.

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Ziemlicher Auflauf auf dem Gerichtsflur. Schon zwei Stunden vor Beginn des Prozesses gegen Jennifer W. stehen die Reporter im  MĂŒnchner Oberlandesgericht Schlange. Jeder muss eine Sicherheitsschleuse passieren – alle Sachen auf ein Band zum Durchleuchten, Arme ausbreiten und abtasten lassen. Aber die Sicherheitsleute sind noch gar nicht da. Es ist noch frĂŒher Morgen. Der Anklagevorwurf ist brisant. Die Angeklagte soll eine zum radikalen Salafismus konvertierte Deutsche sein, die im Gebiet des Islamischen Staates als SittenwĂ€chterin gearbeitet haben soll. Vor allem aber glaubt die Bundesanwaltschaft, sie habe geduldet, dass ihr Mann ein fĂŒnf Jahre altes SklavenmĂ€dchen elendig verrecken ließ. Die Mutter des SklavenmĂ€dchens ist NebenklĂ€gerin. Vertreten wird die Mutter von mehreren AnwĂ€lten, unter ihnen Amal Clooney, die Ehefrau von George Clooney. MerkwĂŒrdig sind die UmstĂ€nde, unter denen die Angeklagte festgenommen wurde. Es klingt, als hĂ€tten ihr Behörden eine Falle gestellt. Spannender Stoff fĂŒr Medien. Klar, dass da jeder dabei sein will.

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Es ist grĂŒner Stehsatz, zuletzt bemĂŒht von GrĂŒnen-Chef Robert Habeck bei Anne Will: Wenn Deutschland nur voranginge mit der Klimapolitik und sich CO2-frei mache, dann sei Deutschland das Vorbild fĂŒr den Rest der Welt. Der Rest der Welt werde dann nachfolgen.

Das Bild von Deutschland und der Welt, das die GrĂŒnen damit zeichnen, ist hoch problematisch. Sie sehen Deutschland als Zentrum der Welt. Deutsche Moral werde sich als die höhere Moral erweisen. Menschen anderer Kulturen wĂŒrden dem nicht widerstehen können. 

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Vorab: Sofern sich der Kollege Stefan Fries vom WDR von mir beleidigt fĂŒhlt, entschuldige ich mich. Es spielt ja keine Rolle, ob ich ihn beleidigen wollte (nein), sondern wie er es wahrnahm. Ansonsten begrĂŒĂŸe ich es sehr, dass einer derjenigen Kollegen sich der Debatte ĂŒber Sinn und Grenzen des Journalismus stellt, der in vielem ganz andere Ansichten vertritt als ich das tue und der zur Mehrheitsfraktion gehört, deren Mitglieder sich in der Regel schon lange nur noch unter sich austauschen. 

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Das war zu erwarten: Nach dem Neonazi-Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch kritisieren deutsche Journalisten zu viel Berichterstattung ĂŒber den Fall. Die Nennung der TĂ€ternamen etwa. DarĂŒber bin ich mit einem Kollegen des WDR in einen Disput geraten, nachdem ich den folgenden Tweet las und mich herausgefordert fĂŒhlte:

Die Lehrerin Verena Brunschweiger wird gerade von Redakteuren, die ihre Haltung vermutlich als fortschrittlich beschreiben wĂŒrden, fĂŒr ihre These gefeiert, der Mensch möge ab sofort aus KlimaschutzgrĂŒnden auf Kinder verzichten. Jedes neugeborene Kind verursache wieder eine neue Menge CO2 und beschleunige damit den, Ă€h, Weltuntergang, oder so.

Dass diese Debatte es tatsĂ€chlich quer durch den ganzen Mediengarten schafft, ist aus mehreren GrĂŒnden absurd. Zum einen ist die These uralt. Die fĂŒr ihre treffsicheren Prognosen gerĂŒhmten Weisen des Club of Rome haben sie schon vor einigen Jahren vertreten. Zum zweiten hat der Verlag von Frau Brunschweiger ihr Buch, in dem sie diese These vertritt, wirklich und wahrhaftig als Sachbuch der Kategorie Naturwissenschaft herausgebracht. Man kommt aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus.

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