Der mutmaßlich letzte, der Robert Enke lebend sah, ist ein LokfĂŒhrer bei der Deutschen Bahn. Es könnte sich so abgespielt haben, dass er den da noch lebenden Torwart durch die Frontscheibe entdeckte, bevor er im hĂ€rteren Wortsinn auf die Front der Lokomotive traf. Dabei dĂŒrfte es eine ziemliche Sauerei gegeben haben. Die haben unbekannte Helfer spĂ€ter beseitigt und dabei die – wieder im hĂ€rteren Wortsinn – sterblichen Überreste Enkes eingesammelt. Ein angenehmer Job dĂŒrfte das eher nicht gewesen sein.

Wie mag der LokfĂŒhrer sich fĂŒhlen, wenn er durch die Fernsehprogramme zappt und sieht, dass der von seiner Lokomotive zerschmetterte Tote heute von einem halben Dutzend Sendern mit live-Übertragungen bedacht wird? Dass Spiegel Online einen Live-Ticker der Trauerfeier ins Netz stellt, gerade so wie bei einem WM-Endspiel, an einem Bundestags-Wahlabend oder der Papst-Wahl? Dass Zehntausende zum Ort des Events gepilgert sind, dass sich Bundes- und Landespolitiker im morbiden Licht dieser Veranstaltung sonnen und die ansĂ€ssigen Zeitungen eine Sonderbeilage mit Traueranzeigen produzierten? So etwas gab es nicht einmal fĂŒr Papst Johannes Paul II. “Deutschland trauert um Robert Enke”, lautet der Tenor der Überschriften der meisten Nachrichtenportale im Web. Dabei kannten ihn bis zum vergangenen Dienstag viele Deutsche gar nicht.

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Offenbar sind ÜberfĂ€lle in NachtzĂŒgen nichts außergewöhnliches. Das Zugpersonal spricht gern darĂŒber. Wie oft so etwas passiert scheint allerdings niemanden zu interessieren. Und wenn es passiert, dann bespricht das zwar die Lage bei der Bundespolizei – unternimmt aber nichts. Wie zuletzt vor wenigen Wochen.

Es ist zwei Uhr am Morgen. Drei FahrgĂ€ste im Liegewagenabteil des Nachtzugs Berlin-Wien versuchen, auf ihren Etagen-Betten etwas Schlaf zu bekommen. Zwei liegen oben, einer unten. Plötzlich kommt Unruhe auf: Ein Unbekannter steht im Abteil, die SchiebetĂŒr zum Gang ist geöffnet. Der Reisende auf der  unteren Liege hat sich an die Wand gekauert und starrt mit weit aufgerissenen Augen auf den Eindringling. Einer der beiden aus der oberen Etage schaltet das Licht ein, brĂŒllt den Fremden an und stĂ¶ĂŸt ihn schließlich hinaus.

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|Heute passieren in Berlin coole Sachen, die neuerlich zeigen, dass die Partei, die Partei, eben doch nicht recht hatte. Den Überblick über die offiziellen Feiern gibt es hier. Die Mauer, symbolisch aus riesigen Dominosteinen neu errichtet, wird noch einmal eingerissen. Es gibt ein Fest um das Brandenburger Tor, das treffend Fest der Freiheit heißt. Gegen 20 Uhr beginnt ein Flashmob entlang des alten Mauerverlaufs. Eine hübsche Idee: Mit Taschenlampen wollen die Teilnehmer die Spaltung noch einmal sichtbar machen.

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DDR-Staatschef Walter Ulbricht kam offenbar nicht von allein auf die Idee, eine Mauer durch Berlin zu bauen. Das legt die Biographie ĂŒber Chinas KP-Ikone Mao Tsedong von Jung Chang nahe.

Ulbricht hatte Mao 1956 in Peking besucht. Drei Jahre vorher hatten Arbeiter in der DDR rebelliert und waren von russischen Panzern niedergewalzt worden. Bei ihrem Treffen soll Ulbricht dem chinesichen KP-Chef zunĂ€chst ein “floskelhaftes Kompliment” gemacht haben, schreibt Jung. Mao habe gönnerhaft erwidert: “Ihr mĂŒsst uns nicht buchstabengetreu nachahmen.” Dann erkundigte er sich, ob die SED auch hart genug gegen die rebellierenden Arbeiter vorgegangen war. “Habt ihr nach dem 17. Juni viele AufstĂ€ndische eingesperrt?”

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Roland Emmerich, den man auch das Spielbergle nennt, zog eine großzĂŒgige historische Legende hervor, als er den Weltuntergangsplot seines neuen Films 2012 vorstellte. “Die berĂŒhmte Maja-Prophezeiung hat mich zu einer exzellenten Story inspiriert”, plauderte er zu Journalisten.
Wer kommt an der Stelle schon auf die Idee, zu bezweifeln, dass es je eine solche Prophezeiung gegeben habe? Maja-Kult – da steckt ja eigentlich alles drin, was der Mythen-sehnsĂŒchtige ZivilisationsbĂŒrger sich so vorstellt. Unheimliche BrĂ€uche, unheimliche Weisheiten, unheimliche SchĂ€tze, unheimliche Geheimnisse.

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Sind die allfälligen Ängste vor den Folgen moderner Technik unbegründet? Eine neue Studie aus den USA kommt zu dem Ergebnis, dass Facebook & Co. nicht etwa die Einsamkeit verstärken, sondern echte Kontakte fördern. 

Die Forscher des “Pew Internet and American Life Project” befragten 2.512 Erwachsene am Telefon über ihre Technik-Nutzung und ihre sozialen Bindungen. “Unsere Ergebnisse widersprechen früheren Forschungen und den allgemeinen Ängsten über schädliche Auswirkungen neuer Technologie”, heißt es in dem Bericht der Forschergruppe.

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Wäre das Leben doch wie in der Werbung: Das richtige Deo unter die Achsel sprühen, und die schönsten Frauen reißen sich um dich. Der 26-jährige Inder Vaibhav Bedi nahm die sexy Fernsehreklame von Axe ernst, nur interessierte das leider keine Frau. “Ich habe es sieben Jahre lang benutzt, aber kein Mädchen kam zu mir.” Darum hat Bedi jetzt den Unilever-Konzern, dem die Marke Axe gehört, auf 26.000 Dollar Schadensersatz verklagt.

Er sei depressiv und habe einen “psychologischen Schaden” erlitten, argumentiert der Ärmste. Die Axe-Werbung habe ihn in die Irre geführt.  “Sie behauptet, Frauen stehen auf dich, wenn du Axe verwendest.” Gerichtsmitarbeiter in Delhi haben angeblich Bedis angebrochene Axe-Flakons beschlagnahmt und untersuchen mit forensischen Methoden die Reste seiner Duschgels, Deos, Haarshampoos und -gels.

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Dieses Wunsch-Fahndungsbild schickte er der Zeitung

“So ein Idiot! Jetzt weiß wirklich jeder, wie er aussieht”. Mit diesen Worten reagierte die Polizei in Swansea (Wales) auf eine wirklich eitle Aktion des wegen Einbruchs gesuchten 23-jährigen  Matthew Maynard. Maynard fand, dass sein Fahndungsfoto nicht besonders schmeichelhaft aussieht und schickte der Zeitung darum ein schöneres. Außerdem meinte er, mit der Polizei ein bisschen Schabernack treiben zu wollen: Das Bild, das er der Zeitung schickte, zeigt ihn ausgerechnet vor einem Polizeiauto. Die “Evening Post”, meist verkaufte Zeitung in Wales, druckte das Bild jetzt riesig auf der ersten Seite. Genützt hat das freilich noch nichts. Bisher wurde Maynard nicht geschnappt.

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Es müssen bizarre Szenen sein, die sich vor den Küsten Kanadas und Grönlands abspielen. Da stoßen die Ureinwohner – Eskimos, Inuit – in kleinen Booten in See und gehen auf Robbenjagd, so, wie es auch ihre Väter und Vorväter getan haben. Pötzlich Motorenlärm, ein Hubschrauber nähert sich im Tiefflug, umkreist das Boot, vertreibt die Beute. Oder Schlauchboote rasen heran, angetrieben von PS-starken Außenbordern, die den Eskimos die Jagd unmöglich machen. Ein ungleicher Kampf.

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